Eom pferd schaut aus seinem Stall auf ein winterliches Feld an einem kalten, frostigen Morgen

Brauchtum in Ostbayern: Die Bekehrung des Apostels Paulus

Pauli Bekehr – der Halbwintertag


Regensburg, 23. Januar 2025

Früher war das Jahr eingeteilt nach den verschiedenen Heiligengedenktagen. Die Feste der wichtigsten Heiligen waren größtenteils arbeitsfrei und bis ins 16. Jahrhundert hatte manche Diözese mehr als 100 Sonn- und Feiertage. Viele Bräuche und Feste, die mit den Heiligengedenktagen in Verbindung stehen, haben sich bis heute erhalten. Doch einige der früher für das Volk bedeutenden Heiligen sind so gut wie in Vergessenheit geraten.

Vom Saulus zum Paulus

Einer dieser fast vergessenen Gedenktage ist der 25. Januar. An diesem Tag feiert die katholische Kirche den Tag der Bekehrung des Apostels Paulus, den Tag Pauli Bekehr. Er erinnert an die wundersame Bekehrung des Saulus vor Damaskus, durch die der Christenverfolger zum großen Verkünder der Auferstehung Christi wurde. Diese Bekehrung des Apostels Paulus gilt als eines der wichtigsten Ereignisse in der katholischen Kirche. Und der „Tag des kalten Paul“ war früher – im Gegensatz zum Hauptfest Peter und Paul am 29. Juni – sogar ein halber Feiertag, an dem nur leichte Arbeiten erlaubt waren und man die heilige Messe besuchen musste.

Halbwintertag

„Pauli Bekehr – der halbe Winter hin, der halbe her“, lautet eine alte Wetterregel. Deshalb hieß dieser Tag im Bauernkalender auch Halbwintertag. Vom Tag der Bekehrung des heiligen Paulus meint die Bauernregel auch „Pauli Bekehr – kein Winter mehr“ und „Ist Sankt Paulus klar, bring er ein gutes Jahr“. Außerdem soll schönes Wetter an „Pauli Bekehrung – aller Früchte Bescherung“ bringen, doch „Wenn’s regnet und schneit, wird teuer das Getreid“, und „Sankt Pauli Regen – schlechter Segen“. 

Wichtiger Wetterlostag

Eine Wetterregel zum Paul-Bekehr-Tag ist sogar durch langjährige Wetteraufzeichnungen bestätigt: „Ist zu Pauli-Bekehr das Wetter schön, wird man ein gutes Frühjahr sehn; ist das Wetter aber schlecht, kommt es spät als fauler Knecht“. Allerdings bezieht sich das „gute Frühjahr“ nicht ausschließlich auf Sonnenschein und warme Temperaturen. Für die Bauern bedeutete „gut“ vor allem „gut für die Felder“. Und dazu gehörte zwar Sonnenschein, aber auch der nötige Regen. 

Futterbeschau auf den Höfen

Am Halbwintertag war es Brauch, dass der Bauer nach der Messe mit Knecht und Dirn zum „Schatzen“ (= Schätzen) auf die Tenne ging. Für alle auf dem Hof war die Futterbeschau ein feierlicher und durchaus wichtiger Brauch. In einer Zeit, als es noch keine Futtermittel zu kaufen gab, war es wichtig, dass mit den Vorräten sorgsam umgegangen wurde und die Dienstboten das Futter genau einteilten. Wenn der Bauer mit dem Wirtschaften seiner Knechte und Mägde nicht zufrieden war, hieß es nicht selten „mir zwoa machma Liachtmess“, was bedeutete, dass sich Dirn oder Knecht zu Lichtmess eine neue Stelle suchen mussten. Hatten sie mit den Futtervorräten gut gewirtschaftet, bekam die Dirn ein Trinkgeld und der Knecht Freibier vom Bauern.


Text: Judith Kumpfmüller

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