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Zur Neuigkeit
Brauchtum in Ostbayern: Der Kirchhof von St. Peter
Bäckersfrau und Scharfrichter
Regensburg, 2. November 2026
Schon früh wurden die fruchtbaren Böden rund um die Gäubodenstadt Straubing bewirtschaftet. Kelten, Römer und Bajuwaren lebten um den heutigen Kirchenhügel von St. Peter, die Herzöge der wittelsbachischen Nebenlinie Straubing-Holland brachten fürstlichen Glanz. Und Kaiser Karl V. soll gesagt haben, dass ihm in ganz Deutschland keine Stadt besser gefallen habe als Straubing.
Bedeutendes Baudenkmal
Um 1180 errichtete das Augsburger Domkapitel, zu dem Straubing damals gehörte, auf den Resten des römischen Kastells „Sorviodurum“ eine mächtige dreischiffige Pfeilerbasilika, deren Bausubstanz im Wesentlichen bis heute erhalten ist. Die Pfarrkirche St. Peter liegt inmitten des Petersfriedhofs mit seinen drei spätgotischen Kapellen. Der „Kirchhof“ um St. Peter gehört mit seinen Grabmälern aus dem 14. bis 20. Jahrhundert zu den geschützten Baudenkmälern Bayerns und ist eine der bedeutendsten Friedhofsanlagen im deutschsprachigen Raum.
Scharfrichter und Bürgersfrau
Ein Gang durch den Friedhof gleicht einer Zeitreise. Man geht durch hohes Gras, an verwitterten Grabkreuzen aus Schmiedeeisen und windschiefen, bemoosten Grabsteinen vorbei. Und wer die Grabinschriften genauer ansieht, dem erzählen die Steine ihre Geschichte. Wie die einer Bäckersfrau, die 1858 im Alter von 45 Jahren verstorben ist: „Zu früh riss von des Gatten Herzen, der Tod die beste Gattin los. Ihr Wert verdoppelt seine Schmerzen, sie war sein Glück das er genoss.“ Hier erfährt man, dass der Tod auch Erlösung bedeuten kann: „Dich hat die Trübsal oft gedrückt, nun wirst du dort bei Gott erquickt; Wir weinten, seufzten nicht vergebens, O edle Freundin meines Lebens. Hier littst du in der Thränen Thal, dort bist du frei von Schmerz und Qual.“ Die Grabinschriften erzählen vom Leben der Menschen, die hier in Frieden ruhn, wie Johann Bapt. Kriegelsteiner, königlich-bayerischer Postverwalter, verstorben 1844, gerühmt „sein biederer Charakter und seine große Dienstgefälligkeit“ – und sie erzählen vom Tod: „Ludwig Weiß, Student und einziger Sohn, beim Bade verunglückt, im Jahr 1834.“ Wer genau hinschaut, der findet unter den vielen Grabmälern auch das des letzten königlichen Scharfrichters von Straubing, Josef Zankl.
Die Bernauerein
Das wohl bekannteste Grab auf dem Petersfriedhof war das der Agnes Bernauer. Herzog Ernst hatte die nicht standesgemäße Schwiegertochter am 12. Oktober 1425 in der Donau ertränken lassen. Ihre Leiche wurde auf dem Friedhof St. Peter begraben und später dann im Karmelitenkloster bestattet. Zur Sühne stiftete Herzog Ernst eine ewige Messe zum Gedenken und ließ 1436 die Agnes-Bernauer-Kapelle mit einem Epitaph für die Bernauerin auf dem Friedhof St. Peter errichten.
Am Südrand des altehrwürdigen Friedhofs steht ein weiteres Kleinod: die Seelenkapelle mit dem Totentanzzyklus des Straubinger Malers Felix Hölzl aus dem Jahr 1763.
Wegen Überfüllung geschlossen
Bis ins 19. Jahrhundert wurden fast alle Straubinger Bürger auf dem Friedhof St. Peter bestattet. Zwar hatte schon 1835 die Regierung von Niederbayern auf die drohende Überfüllung des Friedhofs hingewiesen, und 40 Jahre später erklärte der zuständige Bezirksarzt erneut, „dass der Petersfriedhof zu schließen sei und zwar für Jedermann ohne Unterschied und für immer“. Im Jahr 1879 wurde der Friedhof dann schließlich als Begräbnisstätte endgültig stillgelegt und weitgehend der Natur überlassen. Eine allerletzte Ausnahme gab es 1945, als dort kurzzeitig verstorbene Flüchtlinge aus Schlesien beigesetzt wurden.
Moosbewachsene Grabsteine und in Bäumen eingewachsene Kreuze prägen heute die ganz eigene Atmosphäre des ältesten Friedhofs in Ostbayern. Besonders stimmungsvoll und mystisch sind die Abendführungen, bei denen die ganze Friedhofsanlage mit hunderten von Kerzen beleuchtet ist.
Text: Judith Kumpfmüller
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