News Bild „Bitten wir um Frieden in unserem Land“ – Pastoralbesuch unter dem Eindruck des Attentats in München

„Bitten wir um Frieden in unserem Land“ – Pastoralbesuch unter dem Eindruck des Attentats in München

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Der Pastoralbesuch von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in Weihern bei Pfreimd, anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Pfarrkirche St. Margareta“, ist am Samstag von den Ereignissen in der Landeshauptstadt München überschattet worden. „Wir stehen alle unter Schock und unter den Eindrücken meiner Heimatstadt“, sagte Dr. Voderholzer gleich zu Beginn der Jubelfeier im wunderschön geschmückten Gotteshaus. „Bitten wir um Frieden in unserem Land und dafür, dass die Verrücktheiten aufhören und die jungen Leute zur Vernunft kommen.“

 

Einzug in die Kirche unter Orgel- und Trompetenklängen

Vorausgegangen war bei herrlichem Sommerwetter und strahlendem Sonnenschein ein Festzug vom Ortsbeginn bis zur mit prächtigen Blumen und gelb-weißen Fahnen geschmückten Kirche, die sich zum Jubiläum im schönsten Festtagskleid zeigte. Mit dem Lied „Gott liebt die Kinder“ begrüßten die Kindergartenkinder mit ihren kleinen Kirchenfähnchen und in Dirndl und Lederhosen den hohen Würdenträger aus Regensburg. Angeführt von der Stadtkapelle Pfreimd, den zahlreichen Fahnen- und Vereinsabordnungen, den kirchlichen Gremien und Gläubigen sowie den Erstkommunionkindern, Altardienst und den Priestern zogen sie unter Orgel- und Trompetenklängen in die Kirche ein. Die Pfarreiengemeinschaft Trausnitz mit Hohentreswitz und Weihern hatte sich herausgeputzt und das ganze Dorf schien auf den Beinen zu sein, um Bischof Rudolf einen wunderbaren Empfang zu bereiten.

 

Fortsetzung des Weges ins Bistum, um Menschen zu begegnen

Pfarrer Hans Spitzhirn hieß den Bischof erstmals in der Pfarrei willkommen. Außerdem begrüßte er die Konzelebranten Dekan Michael Hoch und Bischöflich Geistlichen Rat Rajulu Kata. Einen Festtag in dieser Form habe es in der Pfarrgemeinde schon lange nicht mehr gegeben. Bischof Rudolf Voderholzer setze mit diesem Besuch seinen Weg ins Bistum hinein fort, um Menschen zu begegnen, die den Glauben an Ort und Stelle leben. Aus dem öffentlichen Leben kamen auch zahlreiche Festgäste zur Jubelfeier, darunter Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder, Schwandorfs Stellvertretender Landrat Joachim Hanisch und Pfreimds Bürgermeister Richard Tischler.

 

Patronin des bäuerlichen Lebens hütete Schweine

Pfarrgemeinderatsmitglied Franz Haider trug die Lesung vor. Nachdem der Bischof in München-Sendling selbst in einer Kirche mit dem Patrozinium der heiligen Margareta groß geworden ist, liege ihm das Patrozinium dieser Kirchen sehr am Herzen, bekannte er. Erstkommunion, seine Ministrantenzeit, der Empfang des Firmsakraments und seine Primiz feierte er in seiner Heimatkirche. „Deswegen fühle ich mich auch hier, mit dem Bild der heiligen Margareta im Kopf,  wie zuhause.“ Margareta war eine starke Frau, die der Überlieferung zufolge den Drachen zu ihren Füßen und damit alles Böse besiegte. Der Bischof stellte kurz die Lebensgeschichte der Heiligen vor, die als Patronin des bäuerlichen Lebens gilt, da sie selbst Schweine hütete. „Sie schenkte Gott ihr Leben und bewies ihre Standhaftigkeit im Glauben.“ Das Blut der Märtyrer nannte Bischof Rudolf den „Samen des christlichen Glaubens“. Die Kirche sei durch diese Überzeugungskraft gewachsen. „Die Attentäter sind keine Märtyrer, sondern Verbrecher, gegen die man sich wehren muss. Mit dem Glauben haben diese schrecklichen Geschehnisse auf der Welt nichts zu tun.“ Weiter erklärte der Bischof: „Christliche Märtyrer tun niemandem etwas zu leide, denn sie geben lieber selbst ihr Leben.“ Trotz der stürmischen Zeiten riet der Bischof zur Besonnenheit. „Es gibt keinen Anlass zur Panik.“ Angst müssten wir vor einem Erstarken des Islam keine haben. Vielmehr müsse uns vor der eigenen Lauheit im Glauben bange werden, sagte Dr. Voderholzer der versammelten Festgemeinde. „Die Leute die als Flüchtlinge zu uns kommen, müssen spüren, dass unser Glaube Substanz hat.“ Der Bischof bat die Anwesenden, dass sie auch weiterhin alles daran setzen, den Glauben hier lebendig zu halten.

 

Männergesangverein „Gemütlichkeit“: musikalisch hervorragend

Der Bischof dankte allen Beteiligten für die Vorbereitung des Festes und wartete mit einer Überraschung auf. Nachdem er vom Pfarrer gehört habe, dass tags darauf, am Sonntag keine Messe in St. Margareta geplant war, versprach er, sich auf dem Weg nach Neukirchen zu St. Christoph bei Georgenberg die Zeit zu nehmen und um 8 Uhr mit den Gläubigen an gleicher Stelle einen Gottesdienst zu feiern. „Wer richtig feiern kann, kann auch früh aufstehen“, sagte der Bischof. Am Ende der Feier segnete der Bischof noch die restaurierte Fahne der Katholischen Landjugend. Den Festgottesdienst gestaltete der Männergesangverein „Gemütlichkeit“ Weihern musikalisch hervorragend. Im Festzelt folgte der weltliche Teil des Jubiläums. Anita Reis, Sprecherin des Pfarrgemeinderats und Kirchenpfleger Karl Striegl überreichten beim Festakt an den Gast aus Regensburg einen Geschenkkorb mit regionalen Produkten.

 

7000 Gulden: wie es zum ersehten Umbau kam

Der Ursprung der Pfarrei Weihern „verliert sich im Dunkel der Geschichte“. Ein erster urkundlicher Nachweis findet sich auf dem Jahr 1326. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts folgte eine sehr wechselvolle Geschichte. 1720 wird die Pfarrei Weihern mit Stein und Saltendorf neu gegründet (Saltendorf geht 1952 nach Pfreimd). Wann der Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche errichtet wurde, ist nicht bekannt. Sie stand jedoch bereits am selben Platz, war nach Osten ausgerichtet und trug das Patrozinium der heiligen Margareta. Schon 1746, 1760 und 1772 wurde ein Kirchenumbau der mittlerweile baufälligen Kirche ins Auge gefasst, scheiterte aber jeweils an der Mittellosigkeit der Patronatsherrn, der Kirche und der Gemeinde. Erst als ein Angrenzer bereit war, Grund an die Kirchengemeinde abzutreten und die Finanzierung einigermaßen gesichert erschien, war es möglich, den Neubau eines größeren Gotteshauses zu planen. 7000 Gulden waren dafür aufzubringen. Ein Schreiben des königlichen Bezirksamtes Nabburg vom 18. November 1865 brachte für Weihern nach vielen mühevollen Jahren im Umgang mit Behörden und Ämtern den erwünschten Erfolg und damit die Baugenehmigung. Darin heißt es: „Die Pfarrkirche in Weihern ist neu zu erbauen, dieser Bau im Frühjahr 1866 zu beginnen und bis 15. August des selben Jahres zu vollenden.“

 

Die Finanzen waren völlig erschöpft

Zwar nicht zum vorgegebenen Zeitpunkt, aber doch am 1. November 1866 wurde die neue Kirche vom damaligen Ortspfarrer Lernbach benediziert. Sie wurde wiederum der heiligen Margareta geweiht. Da die Finanzen völlig erschöpft waren, musste bei der Ausstattung improvisiert werden. Altäre, Kanzel, Kommunionbank und Tabernakel konnten zu einem geringen Betrag (112 Gulden) von der Frauenkirche in Amberg erworben werden. Diese wurde 1865 neugotisch ausgestattet. Die alte Orgel aus der Vorgängerkirche wurde renoviert und musste die ersten sieben Jahre bis 1892 auch im neuen Haus ihren Dienst tun. Nun stand die Kirche, aber mit den mittelalterlichen Turm und der darin befindlichen Sakristei. Erst weitere 60 Jahre später war es wiederum aus finanziellen- und Platzgründen erst möglich, den heutigen Turm mit Sakristei zu errichten.