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Bischof Voderholzer zu Gast im Schönseer Land

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“Pascher – die Nacht der langen Schatten” weckt bei Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer das Interesse an der Bügellohe. Für das Spitzenklöppeln interessiert sich der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt. Für die Herren aus Regensburg Anlass zu einem Besuch im Schönseer Land.

Plöß, Wenzelsdorf oder Taus – früher Ortsnamen im Böhmischen, die im Pascher-Freilichtspiel am Eulenberg immer erwähnt werden. Besonders beeindruckend ist in diesem Stück, das der Bischof vor drei Jahren besuchte, die Erzählung vom Leben in der Bügellohe und vor der Vertreibung im nur wenige Gehminuten entfernten Wenzelsdorf. Bischof Voderholzer bekundete damals großes Interesse über diese Geschehnisse. Bei der Verleihung des “Heimatpreis Oberpfalz” standen die Klöpplerinnen im März dieses Jahres auf der Bühne im Amberger Stadttheater. Der Regierungspräsident wollte daraufhin mehr über diese Handarbeit wissen. Für Bürgermeisterin Birgit Höcherl waren die jeweiligen Termine Anlass, den Diözesanbischof und den Regierungspräsident ins Schönseer Land einzuladen. Nicht ganz einfach war es in der Folgezeit, einen gemeinsamen Termin wegen der prall gefüllten Terminkalender zu finden. Aber in dieser Woche wurde der Besuch Realität.  

 

Erinnerungen an Flucht und Vertreibung

Vor dem “Fleischhackerhaus” in der Bügellohe begrüßte die Schönseer Bürgermeisterin die Besucher. Besonders freute sich Birgit Höcherl darüber, dass auch Gisela und Hans Forster, die Eigentümer des Hauses, und Josef Wachter, von dessen Mutter der Stoff für eine gespielte Szene stammt, anwesend waren. Höcherl erinnerte an ihren Besuch mit Martin Winklbauer bei der kurz darauf verstorbenen Maria Wachter, einer ehemaligen Bewohnerin dieser seit 1969 verlassenen Siedlung. Mit Begeisterung, Freude und Elan, so Birgit Höcherl, erzählte die frühere Wenzelsdorferin damals ihre Geschichte über das Leben auf diesem Bergkamm und gab damit einen Blick mit besonderem Erinnerungswert auf die jüngere Vergangenheit.

Auf der Basis von Maria Wachters Bericht und von Martin Winklbauer in Szene gesetzt, reflektierte Maria Hammerer die Verhältnisse vor 60, 70 Jahren in diesem Landstrich auf fast 900 Meter Höhe. Mühsam errichteten sich die Bewohner in Bügellohe ihre neue Heimat, zu Fuß waren sie von dort aus nach Schönsee oder Stadlern unterwegs. Eine besondere Herausforderung war für die Kinder der tägliche Weg zur Schule in Stadlern. “Finster war es, wenn sie im Winter bei meterhohem Schnee weggingen, und finster war es auch, wenn sie durchgefroren heimkamen”, ließ Maria Hammerer diese Zeit Revue passieren. Geringe oder gar keine Möglichkeit einen nachhaltigen Broterwerb zu sichern, veranlassten die Bügellohbewohner nach und nach ihre zweite Heimat zu verlassen. Eindrucksvoll wurde in der gespielten Szene deutlich, dass die Geschichte auch heute noch aktuell ist. Mahnt sie doch intensiv an, dass Krieg und Vertreibung zu jeder Zeit und an jedem Ort Leid und Verlust bringt.

Beeindruckt und nachdenklich zeigten sich der Bischof und der Regierungspräsident über die authentische Erzählung von Maria Hammerer. Dr. Rudolf Voderholzer und Axel Bartelt erwähnten Parallelen aus ihrer eigenen Familiengeschichte, nachdem von beiden Herren mütterlicherseits die Wurzeln ins Böhmische reichen.

Weitere Informationen über die ehemalige Siedlung zwischen Wenzelsdorf und der Burgruine Reichenstein gab den Besuchern die im Haus befindliche Dokumentationsrolle. Von Interesse waren dazu die Erinnerungen der jetzigen Eigentümerin Gisela Forster, geb. Lang, deren Eltern und Großeltern dieses jetzt noch letzte Haus in Bügellohe errichteten. Ergänzend dazu auch Schilderungen von Josef Wachter über den langsamen Verfall der Siedlung, denn in der Umgebung des “Fleischhackerhauses” hat sich die Natur inzwischen meist ihr Terrain zurückgeholt.

Austausch über das Erlebte - Besuch beim Klöppelkreis Schönsee-Stadtlern-Tiefenbach

 

Nach diesem Rückblick in die Geschichte lud Bürgermeisterin Birgit Höcherl die Teilnehmer ins Grenzwirtshaus Gerstmeier nach Friedrichshäng ein. Bei einer deftigen Brotzeit war es selbstverständlich, dass dabei das in Bügellohe Erlebte reichlich Gesprächsstoff bot.

Zum Abschluss ihres Aufenthalts im Schönseer Land war der Besuch beim Klöppelkreis Schönsee-Stadlern-Tiefenbach im Programm. Regierungspräsident Axel Bartelt erinnerte dabei an die Verleihung des Heimatpreises Oberpfalz, der seine Aufmerksamkeit zu dieser filigranen Tätigkeit weckte. Er bat die Frauen, die sich über die prominenten Besucher freuten, in der Begeisterung für das Klöppeln nicht nachzulassen. Diese Tradition und Kunst solle auch in Zukunft erhalten bleiben. Axel Bartelt und Dr. Rudolf Voderholzer staunten, wie die Klöppel am Klöppelsack hin und her flogen und bewunderten die Gelassenheit der Frauen im Umgang mit Klöppel, Garn und Nadeln. Sprecherin Frieda Roith informierte die Gäste über diese Beschäftigung, die vor Jahrzehnten auch eine Form des zusätzlichen Broterwerbs in den Familien war. Heute gebe es verschiedene Arbeitsvorlagen zum Klöppeln, das sich inzwischen zu einem Kunsthandwerk entwickelt hat. Mit dem Eintrag in das Landes- und Bundesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wurde die Bedeutung des Klöppelns im Oberpfälzer Wald in besonderer Weise gewürdigt. Für den  Diözesanbischof und den Regierungspräsident hatte Frieda Roith bei der Verabschiedung an diesem Abend ein Geschenk parat: eine Engelfigur, natürlich mit Flügeln aus Klöppelspitze.