News Bild Bischof Voderholzer sprach über sudetendeutsche und tschechische Krippen
Bischof Voderholzer sprach über sudetendeutsche und tschechische Krippen

Die Weihnachtskrippe verbindet die Völker

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„Die Weihnachtskrippe beinhaltet eine Botschaft, die auch in die Tiefe führt. Der Glaube kommt nicht nur vom Hören, sondern auch vom Schauen.“ Mit diesen Sätzen fasste Bischof Rudolf Voderholzer seinen Vortrag „Die Weihnachtskrippe (Betlém) – völkerverbindenden christliches Brauchtum“ beim Symposium „Setkávání – Encounters – Begegnungen“ am 27. und 28. Mai im tschechischen Klattau/Klatovy zusammen. Über 100 Teilnehmer aus Tschechien und Deutschland wohnten der Tagung bei, die sich dem Thema „Schutzherrin Bayerns und Böhmens: Marienverehrung durch die Jahrhunderte“ widmete. Organisiert wurde die Tagung von der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg und dem Katakomby-Verband Klattau in Kooperation mit dem Akademischen Forum Albertus Magnus und der Stadt Klattau. Im Tagungsort, dem ehemaligen Jesuitenkolleg, ist noch bis 30. September die Ausstellung Weihnachts- und Passionskrippen aus Böhmen und Ostbayern“ zu besichtigen.

Die Krippen-Thematik, die Bichof Voderholzer sehr am Herzen liegt, passte gut in das Tagungsprogramm. Einleitend verwies der Oberhirte auf Otfried Preußlers Roman „Flucht nach Ägypten“, in dem der Autor seine eigene Flucht und Vertreibung verarbeitet, und dies mit dem biblischen Motiv aus der Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu verknüpft. Preußler sei zudem, so Bischof Voderholzer, die Krippenfrömmigkeit der deutschen wie auch der tschechischen Böhmen bewusst gewesen.

Böhmen vermutlich der Ursprung der Krippen in Europa

In den slawischen Sprachen heißt die Weihnachtskrippe nach dem Geburtsort Jesu „Betlém“. Und Böhmen ist, so der Oberhirte, „vermutlich die Wiege der Krippe in Europa“, wozu das Jesuitenkolleg St. Clemens in Prag wesentlich beigetragen hat. Die ersten Krippen sind für das Jahr 1562 in den Jesuitenkollegien Coimbra in Portugal und in Prag bezeugt, nachdem 1556 die ersten zwölf Jesuiten nach Prag gekommen waren. In den folgenden Jahrzehnten, besonders nach der Schlacht am Weißen Berg 1620, habe sich die Krippenfrömmigkeit mit der katholischen Reform und der Tätigkeit der Jesuiten auf ganz Böhmen verbreitet.

Glaubensinhalte anschaulich machen

Natürlich ging Bischof Voderholzer auch auf die Hintergründe ein, die zur Entstehung der Krippen und ähnlicher Elemente führten. Das Konzil von Trient (1545-1563) habe die Bilderverehrung und den Einsatz von Bildern für die Glaubensunterweisung empfohlen. Ein zweiter Impuls sei die Spiritualität des Ignatius von Loyola (Gründer des Jesuiten-Ordens), der die Betrachtung als Methode (Mysterienspiele, szenische Darstellungen usw.) besonders betonte. Zur Entstehung der privaten Hauskrippen habe im späten 18. Jahrhundert die restriktive Religionspolitik Kaiser Josephs II. geführt, der das Aufstellen von Weihnachtskrippen in den Kirchen und den Jesuitenorden verbot. Erhalten ist lediglich die Jesuitenkrippe in Schurz (Žireč).

Ausstrahlung ins Stiftland

Aus den elf Krippenregionen Böhmens und Mährens stellte der Bischof je vier Beispiele aus dem sudetendeutschen und aus dem tschechischen Bereich näher vor. Aus Eger gibt es Dokumente von 1629 für eine erste krippenartige Darstellung und zwei Jahre später für eine „Comedia von der Geburt Christi“. Dass diese Aktivitäten auch ins benachbarte Stiftland ausgestrahlt haben dürften, betonte Bischof Rudolf angesichts der heute in dieser Region aktiven Krippen-Szene. Weithin im Egerland bekannt ist auch die Königsberger Krippe in Königsberg an der Eger. Diese habe „einen kunsthandwerklich hohen Anspruch. Charakteristisch sind ein hoch aufragender Berg, sehr kleine, oft nur fingernagelgroße, aber präzise ausgeführte Figuren, die naturbelassen, also nicht farblich gefasst sind“, beschrieb der Bischof diesen Krippenstil. Auch die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies durch den Schwertengel ist ein Charakteristikum. In der Region „Böhmische Niederlande“ hat Ende des 19. Jahrhunderts die Hintergrundmalerei einen Aufschwung genommen, vor allem in Form des orientalischen Hintergrunds. Auch Eindrücke aus Reisen ins Heilige Land führten zur Gestaltung orientalischer Krippen und zum Kontrast zu den bisherigen „Heimatkrippen“, die das Geschehen der Geburt Christi in den Kontext der eigenen Gegend stellten. Als Besonderheit aus dem Grulicher Ländchen nannte Bischof Voderholzer die „Grulicher Mannln“ Ende des 18. Jahrhunderts, die in ganz Böhmen und Mähren und weit darüber hinaus, sogar bis nach Amerika, Verbreitung fanden und in Kastenkrippen in Szene gesetzt wurden.

Papierkrippen und mechanische Krippen

Auf tschechischer Seite stellte Bischof Voderholzer zunächst die handbemalten Papierkrippen in Trebitsch vor, wobei diese Tradition in ganz Ostböhmen verwurzelt war. Aus den Papierkrippen entwickelten sich – bis heute – die Krippen in Form gedruckter Ausschneidebögen. Dabei können auch Aspekte der tschechischen Geschichte oder bekannte Bauwerke bzw. Persönlichkeiten mit dabei sein. Für Příbram, wo ebenfalls die Jesuiten wirkten, ist eine tragbare Krippe für Missionszwecke überliefert, in einer weiteren Krippe von dort spielt ein ganzes Orchester für das Jesuskind. Auf der EXPO 1967 in Montreal wurde die federführend von Josef Probošt geschaffene Krippe ausgestellt, die insgesamt 373 Figuren (120 davon beweglich) und neben der Geburt auch die Passion Jesu zeigt. Im Jahr 1999 wurde diese in Třebechovice beheimatete Krippe zum nationalen Kulturdenkmal erklärt. Die größte mechanische Krippe der Welt durfte in der Aufzählung nicht fehlen: Im Museum der Stadt Jindřichův Hradec (Neuhaus) steht die vom Strumpfmachermeister Tomáš Krýza in 60 Jahren Arbeit gebaute Krippe mit 1398 Menschen- und Tierfiguren, von denen 133 beweglich sind.

Krippenwege und neue Krippe in Südwestböhmen

Abschließend erinnerte Bischof Rudolf an die tschechischen Krippenfreunde und -forscher Karel Procházka und den viele Jahre in Mies wirkenden Pfarrer Jiří Hájek, der im vergangenen Jahr starb. Als aktuelle positive Beispiele für aktive Krippenkultur nannte er den Krippenweg in Marktredwitz und den ökumenischen Krippenweg in Regensburg, bei dem in öffentlichen Räumen – auch Geschäften – Krippen gezeigt werden.

Mit dem Appell, „den reichen Schatz an Gemeinsamkeiten zwischen unseren Völkern, der sich auf diesem Gebiet der Volkskunst und -frömmigkeit zeigt, in den Blick zu nehmen, zu heben und für die Zukunft der Beziehungen unserer Völker fruchtbar zu machen“, schloss Bischof Voderholzer seinen Vortrag und verwies auf eine neue Krippe in Schüttenhofen (Sušice).