fahnenabordnungen ziehen in kirche ein

Bischof Voderholzer feiert Pontifikalmesse zum Jubiläum der KAB Rosenberg

125 Jahre Engagement für Glaube und soziale Gerechtigkeit


Rosenberg, 7. April 2026 

Mit einem festlichen Gottesdienst hat die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Herz Jesu Rosenberg ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Zahlreiche Mitglieder, Gläubige sowie Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft nahmen an der Pontifikalmesse teil, die von Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer zelebriert wurde.

Feierlicher Auftakt mit Prozession und großer Beteiligung

Den Auftakt bildete eine eindrucksvolle Prozession: Der Jubelverein zog mit seiner Fahne, begleitet von zahlreichen Fahnenabordnungen örtlicher Vereine und Verbände sowie dem liturgischen Dienst, in die Kirche ein. Die große Beteiligung unterstrich die Bedeutung des Jubiläums für die gesamte Region. Ortspfarrer Herbert Mader zeigte sich hocherfreut über den Besuch des Diözesanbischofs am Ostermontag und würdigte die starke Verbundenheit innerhalb der Pfarreiengemeinschaft.

Der Sonntag als Mittelpunkt christlichen Lebens

In seiner Predigt setzte Bischof Rudolf Voderholzer einen theologischen Schwerpunkt auf das Emmaus-Evangelium und die Bedeutung des Sonntags. Er betonte, dass der „erste Tag der Woche“ nicht der Montag, sondern der Sonntag sei – auch wenn der entsprechende Schrifttext traditionell am Ostermontag verkündet werde.

Christen seien eingeladen, ihre Woche bewusst mit dem Sonntag zu beginnen. In diesem Zusammenhang regte der Bischof an, sich bereits ab Samstagnachmittag nicht mehr ein „schönes Wochenende“, sondern einen „gesegneten Sonntag“ zu wünschen.

Hoffnung und Begegnung im Emmaus-Evangelium

Ausgehend vom Lukasevangelium (24, 13–35) zeichnete der Bischof eindrucksvoll das Bild der enttäuschten Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Ihre Hoffnung sei zerstört gewesen, ihre Zukunft erschien dunkel. Doch in der Begegnung mit dem auferstandenen Christus wandle sich ihre Perspektive grundlegend.

Ein bedeutender Bibelwissenschaftler habe einmal formuliert, dass das erste Handeln des auferstandenen Jesus darin bestand, „ein alttestamentliches Seminar über sich selbst“ zu halten, indem er den Jüngern die Schrift auslegte und aufzeigte, wie, ausgehend von Mose und den Propheten, in der gesamten Schrift sein Wirken und auch sein Leiden vorausverkündigt worden sei. Erst im Brechen des Brotes erkannten sie ihn – ein Moment, der sie unmittelbar zur Rückkehr nach Jerusalem und zur Verkündigung der Auferstehung bewegte.

Der Bischof stellte heraus, dass sich in dieser Erzählung die gesamte Struktur der Eucharistie widerspiegle: das gemeinsame Unterwegssein, das Hören des Wortes Gottes und die Begegnung mit Christus im Brotbrechen.

 

125 Jahre KAB: Antwort auf gesellschaftliche Umbrüche

Mit Blick auf das Jubiläum zog Bischof Voderholzer Parallelen zwischen dem Evangelium und der Geschichte der KAB. Die Gründung im Jahr 1901 sei eine direkte Reaktion auf die tiefgreifenden Veränderungen der Industrialisierung gewesen. Besonders in Rosenberg, geprägt durch die Maxhütte mit einst bis zu 9000 Beschäftigten, sei diese Entwicklung deutlich spürbar gewesen.

Die Kirche habe zwar spät, aber entschieden auf die sozialen Herausforderungen reagiert. Bereits 1849 sei in Regensburg der erste Arbeiterverein gegründet worden. In der Folge hätten sich zahlreiche Vereinigungen gebildet, die sich für bessere Arbeitsbedingungen, gerechte Löhne und Arbeitnehmerrechte einsetzten – mit nachhaltigem Erfolg. „Viel Segen ist davon ausgegangen“, betonte der Bischof und würdigte die Leistungen der vergangenen 125 Jahre als Grund, „voller Stolz und erhobenen Hauptes Geburtstag zu feiern“.

Auftrag für die Zukunft: Soziallehre lebendig halten

Mit Nachdruck appellierte der Oberhirte an die Gläubigen, die Katholische Soziallehre aktiv zu studieren und weiterzugeben – auch auf politische Verantwortungsträger hin. Sozialstaat und soziale Gesetzgebung dürften nicht als Luxus verstanden werden, sondern seien „eine humane Errungenschaft ersten Grades“, die wesentlich auf die Soziallehre der Kirche zurückgehe. Gerade Verbände wie die KAB seien entscheidend, um diese Werte lebendig zu halten und in die Gesellschaft hineinzutragen.

Der Sonntag in Bedrängnis

Ein weiteres Anliegen des Bischofs war der Schutz des Sonntags. Dieser stehe zunehmend unter Druck. Die KAB spiele eine wichtige Rolle in der „Allianz für den Sonntag“ – nicht nur, um ihn arbeitsfrei zu halten, sondern auch, um ihn mit geistlichem Inhalt zu füllen. Der Sonntag solle Raum bieten für Gebet, Gottesdienst und innere Erneuerung. Wenn Feiertage mehr Stress als Werktage verursachten, verliere ihre Bedeutung an Tiefe. Ohne bewusste Gestaltung bestehe die Gefahr, dass kirchliche Feiertage langfristig an Bedeutung verlieren oder sogar abgeschafft werden, so der Diözesanbischof abschließend.

Musikalisch wurde der festliche Gottesdienst von den Chören aus Rosenberg und Kümmersbruck unter der Leitung von Susanna Müssig und Maria Boßle gestaltet. Im Anschluss überbrachte Pfarrvikar Jestin Prathap Thanislas die Dankesworte. Sein besonderer Dank galt Bischof Voderholzer für die Feier der Messe und seine Predigt. Ebenso würdigte er die Teilnahme von Landrat Richard Reisinger und Bürgermeister Stefan Frank sowie das Engagement aller Mitwirkenden. Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Teilnehmer zu einem Gebet am Grab des früheren Generalvikars Prälat Fritz Morgenschweis, einem bedeutenden Sohn der Pfarrei und engagierten Sozialpfarrer. Mit einem gemeinsamen Mittagessen und Ehrungen verdienter Mitglieder fand die Jubiläumsfeier ihren festlichen Abschluss. 

Text und Fotos: Wolfgang Schöpf 
(jas)



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