Bischof Voderholzer und Bischof Ivo Muser

Bischof Voderholzer feiert mit Delegation aus Brixen die Heilige Messe

„Der Herr hält unsere Hand“


Regensburg, 8. April 2026 

Die beiden Städte Regensburg und Brixen in Südtirol verbindet seit dem 18. Oktober 1969 eine enge Städtepartnerschaft. Aktuell befindet sich eine Delegation aus Brixen in Regensburg, darunter auch der Brixener Bischof Dr. Ivo Muser, sowie Ordinariatskanzler Offizial Fabian Tirler, Mag. Michael Horrer vom Bischöflichen Sekretariat Brixen, Dr. Thomas Schraffl, Verwalter des Priesterseminars Brixen und Andreas Jungmann, der Brixener Bürgermeister. Brixen ist eine von acht Regensburger Partnerstädten. Auch die Bistümer teilen eine historisch gewachsene Verbindung. Am Morgen des zweiten Tages ihres Besuchs feierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer mit den Gästen die Heilige Messe in St. Kassian

Gemeinsam mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer konzelebrierte Bischof Dr. Ivo Muser, Regens Dr. Daniel Stark, alle Geistlichen der Brixener Delegation, sowie Stiftsdekan Johannes Hofmann (Kollegiatstaft St. Johann) und Prälat Helmut Huber vom Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle. Dieses Stift betreut die wohl älteste Pfarrkirche von Regensburg. Prälat Huber begrüßte auch zu Beginn der Messe die Bischöfe, alle Geistlichen und Gläubigen und betonte die besondere Verbundenheit des Bistums Regensburg mit dem Bistum Bozen-Brixen. Im Altar – ein Marmorstein aus Südtirol – befindet sich eine Reliquie des heiligen Kassian, er gilt als erster Bischof von Säben, dem alten Bischofssitz der Diözese Brixen. Die Altarweihe der renovierten Kassianskirche in Regensburg fand am 18. Oktober 2015, dem Kirchweihsonntag, statt. Im Altar setzte Bischof Rudolf damals drei Reliquien bei, vom Kirchenpatron, dem hl. Bischof Kassian von Brixen, vom Bistumspatron, dem hl. Bischof Wolfgang von Regensburg und vom hl. Kaiser Heinrich II., der das Kollegiatstift im Jahre 1002 wiederbegründet hatte. Die Reliquie des heiligen Kassian wurde damals von Bischof Ivo Muser dem Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle übergeben. 

Zu Beginn seiner Predigt ging Bischof Rudolf Voderholzer auf die Verbindung der beiden Bistümer Regensburg und Bozen-Brixen ein. Es besteht eine lange historisch gewachsene Verbindung, vor allem durch die gemeinsame Verehrung des heiligen Kassian. Des Weiteren bestehe eine besondere Wertschätzung für das Südtiroler Bistum schon aus Zeiten von Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., der am 31. Dezember 2022 verstarb. Schon während seiner Zeit als Professor an der Universität Regensburg verbachte er gerne Urlaube mit seinen Geschwistern in Brixen. Er schätzte vor allem die schöne Landschaft, aber auch die stark christlich-katholisch geprägte Umgebung, so Bischof Rudolf. Vom 28. Juli bis zum 11. August 2008 hat Papst Benedikt XVI. seinen Sommerurlaub im Priesterseminar in Brixen verbracht, in dem er schon als Bischof übernachtet hatte. Vordergründig weilte der Papst in Südtirol, um sich zu erholen. Er nahm aber auch einige offizielle Termine wahr. Im Rahmen seines Aufenthaltes in der Diözese Bozen-Brixen hatte der Heilige Vater am 3. und am 10. August das Angelus-Gebet auf dem Domplatzvon Brixen gehalten. 

Predigtband „Der Herr hält unsere Hand“


Einen besonderen Blick lenkte Bischof Rudolf auf den in diesem Jahr erschienenen ersten Band „Der Herr hält unsere Hand – unveröffentlichte Predigten“von PapstBenedikt. Im ersten Band - drei weitere Bände sollen folgen - beziehen sich die Texte auf die Fasten- und Osterzeit. Es werden erstmals bisher unveröffentlichte Predigten des verstorbenen Papstes, gehalten bei Heiligen Messen im kleinen Kreis, herausgegeben. Sein ehemaliger Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, aktuell Nuntius für die baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland, führt in die Predigten ein. Das Buch steht auch in enger Verbindung zum „Institut Papst Benedikt XVI.“ in Regensburg, erklärte Bischof Voderholzer, denn das Institut ist für die Herausgabe der Schriften von Papst Benedikt XVI. verantwortlich. Der stellvertretende Leiter des Instituts, Dr. Christian Schaller, schrieb auch das Nachwort für den Predigtband, der im Verlag Herder erschienen ist. Der Band ist für den Regensburger Oberhirten besonders lesenswert, da er nicht nur die Predigten wörtlich wiedergibt, sondern auch neue Akzente setzt, vor allem im Hinblick auf Ostern. Auf Predigten aus diesem Band, die ein ganz zentrales Thema der österlichen Verkündigung in den Fokus nehmen, ging Bischof Rudolf detailliert ein. 

Es handelt sich hierbei um drei Predigten zum Weißen Sonntag, in denen der emeritierte Papst Benedikt XVI. neue Akzente setzte. Im Kern dieser Predigten fokussiert sich der verstorbene Heilige Vater auf die Theologie des „Ersten Tages“, die Theologie des achten Tages. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch alle drei Predigten. Bischof Rudolf erklärte weiter, dass Papst Benedikt von „der unglaublichen Tatsache ausgeht, dass im jüdischen Kontext, wo der Sabbath, der Tag des Gottesruhe, an dem sich alle versammeln, um die Worte Gottes zu hören, dass noch in neutestamentlicher und apostolischer Zeit, der Sabbath abgelöst wird, durch den ersten Tag der Woche“. Dies ist religionsgeschichtlich etwas Unerhörtes, erklärte der Regensburger Oberhirten den Gläubigen. Denn Gott selbst hat dem Volk Israel den Sabbat „ans Herz gelegt und eingeschärft“. Dazu zitierte der Regensburger Bischof einige Passagen aus dem Predigtband, um diese Bedeutung zu verdeutlichen. Benedikt spricht dabei in seiner Predigt von einer „Revolution des Zeitverständis“. Christen denken nicht mehr vom siebten Tag her, sondern vom ersten Tag und dem achten Tag der Neuschöpfung und der Verheißung auf den Tag, der einmal keinen Abend mehr kennen wird. 

Dabei wandelt sich der jüdische Sabbath als Dreh- und Angelpunkt hin zum Sonntag. Bemerkenswert ist in dieser Predigt vor allem der Wechsel zu einer „Ich-Botschaft“ von Josef Ratzinger, so Bischof Rudolf. Das hatte der Regensburger Oberhirte vorher bei ihm noch nie gelesen, da die Predigten von Papst Benedikt „außerordentlich objektiv“ geschrieben sind. Das zeigt die besondere Bedeutung dieser Überlegung des verstorbenen Papstes. Darüber hinaus gibt es mehrere Zeugnisse über den ersten Tag, wie zum Beispiel bei Paulus im ersten Korintherbrief, der „über den ersten Tag“ der Woche schreibt, oder in der Offenbarung wo es heißt: „Der Tag des Herrn“. Er verwies auf das Evangelium (Joh 20,19–29) vom kommenden Weißen Sonntag. Jesus erschien den Jüngern am Abend des ersten Tages der Woche, jedoch war Thomas nicht dabei. Thomas zweifelte an der Auferstehung. Genau acht Tage später (also am folgenden Sonntag) erschien Jesus erneut, während Thomas anwesend war, und ließ ihn seine Wundmale berühren. Somit schließt sich der Kreis und die Bedeutung des Sonntags, als den Tag des Herrn und den ersten Tag der Woche. 

Einsatz für eine christliche Sonntagskultur

Aus diesem Grund sind wir Christen auch Sonntagsmenschen, so Bischof Rudolf. Den Brixenern ist der Regensburger Oberhirte sehr dankbar für die Sonntagsbibel, die im Bistum Regensburg übernommen wurde und ein großer geistlicher Schatz ist. Daher ist es ihm ein großes Anliegen, dass sich alle Christen engagiert für eine gelebte christliche Sonntags- und Feiertagskultur einsetzen und uns Christen „so die Freude am Glauben“ erleben lässt. Nochmals bedankte er sich für die enge Verbundenheit der beiden Bistümer und freute sich auf die weiteren Begegnungen mit der Delegation aus Brixen und die gemeinsame Stärkung in der österlichen Freude am Glauben an den auferstandenen Jesus Christus. Zum Abschluss des Gottesdienstes bedankte sich der Brixener Bischof Ivo Muser bei seinem Amtsbruder für die herzliche Gastfreundschaft in Regensburg, die vor allem durch die enge Verbundenheit, nicht nur der Menschen, sondern vor allem durch den gemeinsam gelebten Glauben und die Liebe zu Jesus Christus deutlich sichtbar und spürbar wird. 

Lebendige Steine erzählen Geschichten

Im Anschluss an den gemeinsamen Gottesdienst bekam die Delegation um Bischof Ivo Muser noch eine eindrucksvolle Führung durch den Dom St. Peter in Regensburg. Cordula Hess, Mitarbeiterin im Bischöflichen Sekretariat und Domführerin, brachte der Gruppe die spannende Geschichte des gotischen Domes auf ansprechende Weise nahe. Vom Regensburger Dom zeigte sich die Delegation aus Brixen sehr beeindruckt. Zum Abschluss des zweiten Tages folgte nachmittags noch ein Empfang bei der Stadt Regensburg, an dem auch Bischof Rudolf teilnahm. 

Text und Fotos: Christian Beirowski
(jas)



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