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Bischof Rudolf zu Gast in der Justizvollzugsanstalt in Regensburg

Warum Seelsorge das Gefängnisklima verbessert

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Regensburg, 8. Januar 2023

Seit vergangenem Jahr hat die Justizvollzugsanstalt in Regensburg einen neuen Leiter. Ltd. Regierungsdirektor Marcus Hegele löste Ltd. Regierungsdirektor Christian Gessenharter ab. Am Sonntag besuchte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, der bereits bei dem offiziellen Amtswechsel Gast war, die JVA Regensburg.

Im Rahmen des Pastoralbesuchs feierte er zusammen mit dem Seelsorger der Einrichtung, Pfarrer Kilian Saum, dem Leiter der JVA Marcus Hegele und mehreren Inhaftierten die heilige Messe im Mehrzwecksaal der Einrichtung. Auch Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein und Hegeles Vorgänger Christian Gessenharter nahmen teil. Dass der Gottesdienst in einem Mehrzwecksaal gefeiert wird anstatt in einer Kapelle, ist dem Umstand des andauernden Umbaus der JVA Regensburg geschuldet. So würde sich der Seelsorger Kilian Saum auch einen festen Ort für Gottesdienste sowie persönliche Gespräche mit den Inhaftierten wünschen.

Heilige Messe zur Feier der Taufe des Herren mit 37 Gefängnisinsassen

Das Interesse für den Gottesdienst mit dem Bischof war groß bei den Gefangenen, denn ein abteilungsübergreifendes Angebot gab es zuletzt vor der Coronapandemie. In den letzten Jahren fanden Gottesdienste lediglich abteilungsintern in kleinen Gruppen statt und auch ohne Gäste wie Bischof Voderholzer. Für die heilige Messe am Sonntag hatten sich von den insgesamt 108 Inhaftierten 37, also ungefähr ein Drittel, angemeldet. Es feierten etwa doppelt so viele männliche wie weibliche Häftlinge mit.

Der Gottesdienst selbst, bei der neben Pfarrer Saum auch der Anstaltsleiter Hegele, sowie ein Inhaftierter als Ministrant assistierten, hatte die Feier zur Taufe des Herrn zum Thema. Diese markiert den Übergang vom Ende der Weihnachtszeit zum Beginn des neuen Jahres. In seiner Predigt thematisierte Bischof Voderholzer die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan. Dieser habe an der tiefsten Stelle des Flusses die Taufen durchgeführt, welche mit 400 Metern den tiefsten Punkt der Erde abseits der Meere darstellt. Bei seiner Taufe sei Jesus in die tiefsten Tiefen gesunken, in die ein Mensch sinken könne. Doch egal „wie tief jemand gesunken oder gefallen sein mag, ich bin bei Dir und fange Dich auf“, so zitierte Bischof Rudolf die Heilige Schrift.

Das „Ensemble Wohlklang“ gestaltete die Feier musikalisch, an der Orgel spielte Bastian Wagner. Vermittelt hat dieses ein Mitarbeiter der Anstalt, der ebenfalls Teil der Musikgruppe ist. Im Anschluss an die Messe weihte Bischof Rudolf noch das Wasser, mit dem er danach einige Diensträume der Einrichtung segnete. In einem kurzen Gespräch betonte ein Gefangener, wie dankbar er sei, dass der Bischof gekommen war. Auch draußen besuche er regelmäßig den Gottesdienst, da er ein sehr gläubiger Mensch sei. Auch wenn laut ihm viele Inhaftierte in der JVA Regensburg sagen, sie wären unschuldig, spielt für ihn die Reue eine wichtige Rolle.

Seelsorge in der Justizvollzugsanstalt

Das Angebot der Gefängnisseelsorge wird von den Insassen, wie auch den Mitarbeitern sehr geschätzt. Die Seelsorge würde von den Inhaftierten nicht als Teil der Institution, sondern viel mehr als neutraler Ansprechpartner gesehen. Seelsorger Saum teilt seinen Dienst zusammen mit einer evangelischen Kollegin und einem mobilen Imam. Aber nicht nur Katholiken können mit Pater Kilian sprechen. Der Seelsorger hat für jeden ein offenes Ohr und betreut so beispielsweise auch die Angehörigen der Häftlinge. In den Augen der Anstaltsleitung ist die Einzelseelsorge auch ein wichtiges Ventil, das präventiv viele Spannungen löst und das Anstaltsklima deutlich verbessert, so Marcus Hegele.

Text und Fotos: Thomas Oberst