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Bischof führt neuen Wallfahrtsdirektor in Vilsbiburg ein

Bergpredigt ist Einladung, Christus nachzufolgen

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Vilsbiburg, 23. Februar 2025

In der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Vislbiburg führte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den neu beauftragten Wallfahrtsdirektor Pater Robin vom Orden der Missionare des Hl. Franz von Sales (MSFS) im Rahmen eines Pontifikalgottesdienstes feierlich ein. Vierzig, überwiegend indische Priester, Dekan Alfred Wölfl, Stadtpfarrer Peter König und eine überaus große Zahl von Gottesdienstbesuchern bereiteten Pater Robin und Pater Manu einen herzlichen Empfang in der Wallfahrtskirche.

„Die herausfordernden Schrifttexte sind nicht eigens für den heutigen Anlass ausgewählt, sondern sind die Texte, die an diesem Sonntag in den katholischen Kirchen der ganzen Welt beim Wortgottesdienst verkündet werden“, erklärte Bischof Rudolf eingangs in seiner Predigt. Bewusst habe er darauf verzichtet, irgendwelche andere Texte auszusuchen, die es etwas leichter machen würden, eine Brücke zu schlagen zwischen der Evangeliumsverkündung und dem Anlass des Abends. Aus der Bergpredigt des Lukasevangelisten (Lk 6,27-38) werde vermutlich der Höhepunkt der Lebensweisung aus der Lehre von Jesus Christus, dem Aufruf zur Feindesliebe zugemutet. Die Zumutung, einem Angreifer auch noch die andere Backe hinzuhalten, wenn er schon auf die eine geschlagen wurde. Der Bischof sagte, das Gebot, die Einladung zur Feindesliebe, ist beispiellos in der Religionsgeschichte, beispiellos auch in der Ethik der Welt und der Weisheit dieser Welt. So etwas hat tatsächlich nur Jesus zugesagt und zugemutet. Schon das Alte Testament sei nicht nur eine Aufforderung zu Rache und Vergeltung, wie manche auf fälschliche Weise meinen. Die Worte „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ sind ein Aufruf zur Mäßigung und Verhältnismäßigkeit. Wenn sich alle daran halten würden, sähe es auf der Welt viel menschlicher aus. Bei der ersten Lesung aus dem Alten Testament (Lesung aus dem ersten Buch Samuel) werde ein Beispiel der Großmut, der Friedfertigkeit vor Augen gestellt durch die Schilderung, wie David den König Saul schont, obwohl er ihn mit einer Lanze auf den Boden hätte nageln können. Durchaus umstritten seien die Worte der Bergpredigt. Friedrich Nietzsche habe vermutlich auch ausgehend von der Weisung Jesu die christliche Ethik als Sklavenmoral für Schwächlinge dargestellt. Ein größeres Missverständnis gebe es aber nicht, so der Bischof. Jesus selbst ist der beste Interpret seiner eigenen Worte. Als er am Karfreitag beim Verhör geohrfeigt wird, schlägt er nicht zurück, sondern er fragt zurück: „Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach. Wenn es aber recht war, warum schlägst Du mich?“ (Joh 18,23) Eigentlich müsste die Feindesliebe „Entfeindungsliebe“ genannt werden, so der Prediger. Er fragte, „warum lassen wir dem Bösen so viel Raum“. Die Einladung zur Feindesliebe sei nicht etwas für schwache, labile oder verletzte Menschen. Wenn jemand etwas außerordentlich Bitteres erlebt hat, dann braucht es große Stärke und unglaubliches Rückgrat, um diese Worte an sich heranzulassen. Die Bergpredigt ist also keine Moral für Schwächlinge, hier brauche es einen großen Vorrat an schon empfangener Liebe, an Frustrationstoleranz, den man sich erst einmal schenken lassen müsse. Die Weisungen der Bergpredigt sind eine Einladung, Christus nachzufolgen, ihm ähnlich zu werden, sich seine Beziehung zu Gott von ihm schenken zu lassen, um dann erste Schritte tun zu können für eine bessere, humanere Welt.

Die Frage, was das Ganze mit der Wallfahrtsseelsorge zu tun habe, entwickle sich nicht ganz so schwierig, so Bischof Rudolf. Zunächst drückte er seine ganz große Freude darüber aus, dass der Heilige Berg weiterhin belebt ist und zwei junge engagierte Wallfahrtsseelsorger bekommt. „Wallfahrtsorte und heilige Berge sind die wichtige Ergänzung der Seelsorgesituation im Bistum“ betonte er. Das geistige Zentrum in Vilsbiburg habe zur Unterstützung der Arbeit in den Pfarreien wertvolle Dienste geleistet und wird es weiter tun. Von weit her kämen Schwestern und Brüder, um die Angebote zu nützen wie die Beichtgelegenheiten und noch vieles mehr. Die Verkündigung des heutigen Sonntags lade dazu ein, die Freundschaft mit Jesus stärker zu vertiefen. Der Maria Hilf Berg ist ein Ort, wo man in die Freundschaft mit Jesus tiefer hineingeführt wird. Das Gnadenbild, das Maria Hilf Bild, einer Nachbildung aus dem 16. Jahrhundert, zeigt die Gottesmutter in einer ganz zärtlichen Verbindung mit ihrem Sohn, den sie den Menschen reicht als Heil, als Vorbild, als den Retter. Wer auf den Maria Hilf Berg komme, dürfe erwarten, dass die Wallfahrtseelsorger ihnen, so wie die Gottesmutter es tut, Jesus zeigen, ihn reichen als denjenigen, der das Leben heil, hell und gut machen kann. Das befähige, die gewaltigen Zumutungen im positiven Sinne herankommen zu lassen und in kleinen Schritten die großartige Lebensweisung Jesu zum Wohle der Gesellschaft, der Stadt und der Gemeinschaft umzusetzen. Wenn nur ein klein wenig gelänge, sähe es viel friedlicher in der Welt aus.  Bischof Voderholzer lud ein, dafür zu beten, dass der Gnadenort Maria Hilf ein Ort des Trostes, der Versöhnung mit Gott, des Glaubens und der Hoffnung bleibt und immer mehr wird. Vielleicht erfülle sich auch der große Wunsch, auf dem Maria Hilf Berg einen Seligen der Kirche offiziell verehren zu dürfen, Pater Viktrizius Weiß, der weit über Vilsbiburg hinaus bekannt ist. Für all das wünsche er den neuen Wallfahrtsseelsorgern Gottes reichen Segen. Der Gottesdienstgemeinschaft empfahl Bischof Rudolf, deren Dienste fleißig in Anspruch zu nehmen.

Pater Robin, Rector Ecclesiae

Am Ende des Festgottesdienstes, der vom Kammerchor Vilsbiburg unter Leitung von Martina Strobl musikalisch gestaltet wurde, verlas Bischof Dr. Voderholzer die Ernennungsurkunde. Zum 1. Februar 2025 wird Pater Robin zum Rector Ecclesiae und zum Wallfahrtsdirektor der Wallfahrtskirche Maria Hilf Vilsbiburg im Dekanat Landshut, Bistum Regensburg, ernannt. Pater Robin dankte Bischof Rudolf und allen Festrednern für die wohltuenden Worte. Dank sagte er den in so großer Anzahl Mitfeiernden, Mesner Günther Lenz für seine stärkende Mitarbeit und Klosterverwalter Alfred Hartmann. Für Pater Robin, der seit 10 Jahren als Priester in Deutschland lebt, ist es auch ein bisschen „heimkommen“. Er war von 2016 bis 2019 Vikar in der Vilsbiburger Stadtpfarrkirche. Die Pfarrangehörigen der Pfarrei Vilseck/Opf., wo er fünf Jahre als Pfarradministrator wirkte, bedauern allerdings seine Abberufung sehr. Zur Teilnahme an der Einführung ihres beliebten Pfarrers kamen sie mit einem vollen Bus angereist, der stellvertretender Bürgermeister von Vilseck, Thorsten Grädler, sprach ein persönliches Grußwort. Pater Manu wurde 2019 zum Priester geweiht, von August 2024 bis Januar 2025 war er Pfarrvikar in der Pfarrgemeinde Mallersdorf.

Vor dem Gottesdienst segnete Bischof Rudolf die Klosterräume, die für Pater Robin und Pater Manu zur neuen Heimat werden sollen. Zudem nutzte er die Gelegenheit, die Ganzjahreskrippe im Untergeschoss der Kirche anzusehen. Der Vilsbiburger Josef Galler erweckte 1957 die lange in Vergessenheit und in schlechtem Zustand geratene Krippe zu neuem Leben. Seine anwesende Tochter, Prof. Dr. Gertrud Grünwied, erzählte von der großen Leidenschaft ihres Vaters und dem Wiederaufbau. Das besondere an der Krippe ist die zweigeschossige Drehbühne, in der zehn Szenen gleichzeitig dargestellt werden können. Seit 34 Jahren betreut die ehemalige Schneiderin Barbara Wimmer die barocke Krippe. Nach dem Weihnachtsszenario eröffnet die heute 88jährige den Osterkreis. Bischof Rudolf bedankte sich mit einem Krippenbuch für ihre hingebungsvolle Arbeit.

Text und Fotos: Agnes Wimmer
(jas)



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