News Bild Bischof Rudolf Voderholzer feiert Pontifikalamt am Grab des sel. Berthold von Regensburg

Bischof Rudolf Voderholzer feiert Pontifikalamt am Grab des sel. Berthold von Regensburg

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Einer der bedeutendsten Prediger des Mittelalters gedenkt die Kirche am 14. Dezember, des seligen Berthold von Regensburg. An dessen Grab in der Regensburger Minoritenkirche feierte Bischof  Rudolf Voderholzer am Sonntag Gaudete, dem dritten Adventssonntag, mit Vertretern des Domkapitels und zahlreichen Gläubigen ein abendliches Pontifikalamt.

 

Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte vor einigen Jahren die Tradition begründet, in der seit rund 200 Jahren profanierten Kirche wieder eine Heilige Messe zu Ehren des großen Seligen zu feiern. Vor der Eröffnung des Pontifikalgottesdienstes zum 3. Advent gedachte der Bischof mit einem Gebet des seligen Berthold von Regensburg, dessen Reliquien eigens aus der Bischofsgruft im Dom in die Minoritenkirche gebracht worden waren. Danach begann die Messfeier in der nur vom Schein der vielen Kerzen erleuchteten Minoritenkirche, die vom 13. Jahrhundert bis zur Aufhebung des Konventes 1810 geistliches Zentrum des Franziskanerklosters St. Salvator in Regensburg war. Für das gesungene Gotteslob waren neben den recht zahlreich erschienenen Gläubigen eine Männerschola ehemaliger Regensburger Domspatzen verantwortlich, die Schwalbennestorgel brachte Bastian Fuchs zum klingen.

 

„Jahr des geweihten Lebens - Impuls für das Leben der Kirche

In seiner Predigt blickte Bischof Rudolf Voderholzer mit den Gläubigen auf das am ersten Adventssonntag begonnene "Jahr des geweihten Lebens", das auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus ausgerufen wurde und zur Erneuerung der Orden und geistlichen Gemeinschaften und damit zum Wohl der ganzen Kirche dienen soll. Bischof Rudolf nahm die Gläubigen mit auf eine Reise in die bewegte Ordensgeschichte Regensburgs, angefangen von den Minoriten, die an diesem Ort über Jahrhunderte, mit Predigt und Beichtehören sich seelsorgerisch um die Stadtbevölkerung kümmerten. Zu ihnen zählte auch der selige Berthold von Regensburg, der sich im 13. Jahrhundert einen Namen als wortgewaltiger und weitgereister Prediger machte.

 

Er erinnerte an den Dominikanerorden und einen seiner bedeutendsten Vorgänger auf dem Bischofsstuhl, den hl. Albertus Magnus, und an das Dominikanerinnen-Kloster Hl. Kreuz, das bald 800 Jahre ununterbrochen besteht, sowie an die ehemaligen Damenstifte Ober- und Niedermünster, die jahrhundertelang Zentren der Frauenbildung waren. Die Jesuiten und Augustiner, die ehemals in Regensburg wirkten, durften ebenso wenig fehlen, wie die Barmherzigen Brüder mit ihrem Krankenhaus oder die Englischen Fräulein mit ihrer Schule, die immer noch segensreich in Regensburg tätig sind. Mit der seligen Maria Theresia Gerhardinger aus Stadtamhof, der Gründerin der Armen Schulschwestern, könne sogar Regensburg eine große Ordensfrau als eine Tochter der Stadt ihr Eigen nennen. All diesen Orden und geistlichen Gemeinschaften, all jenen, die ihr Leben in einem Gelübde oder Versprechen ganz Gott weihten, werde demnächst, so der Bischof, eine Broschüre gewidmet. Zum Abschluss seiner Predigt rief der Bischof die Gläubigen dazu auf, für Berufungen zu einem gottgeweihten Leben zu beten und dem Wunsch des Heiligen Vaters zu folgen, und all diesen Lebensformen eine große Wertschätzung entgegenzubringen.

 

Stichwort: Berthold von Regensburg

Hunderte, gar tausende Zuhörer nennen die Chronisten bei den Predigten des seligen Berthold von Regensburg, der wohl um 1210 in Regensburg geboren wurde und 1226 in das Franziskanerkloster der sogenannten „Minderen Brüder“ eingetreten war. Als wortgewaltiger und weitgereister Prediger machte er sich einen Namen. Zu Zeiten, in denen nur wenige Menschen des Lesens und Schreibens mächtig waren, war die Volkspredigt sozusagen ein Massenmedium. Rund 400 lateinische und rund 70 mittelhochdeutsche Mitschriften von Predigten in ganz Europa sind von ihm überliefert. Berthold verstarb wohl am 13. oder 14. Dezember 1272 in Regensburg und wurde in der Minoritenkirche im südlichen Seitenschiff beigesetzt. Seine Grabplatte wurde im Zuge der Klosterauflösung vor rund 200 Jahren in einem Privathaus verbaut, 1862 dann wiederentdeckt und im Domkreuzgang platziert.

 

Heute hat sie ihren Platz wieder zentral im Chorraum der Kirche, in der seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts das Stadtmuseum zuhause ist. Direkt vor der Grabplatte wurde auch die Gedenkmesse für ihn gefeiert. Die sterblichen Überreste, die sich in einem hölzernen Schrein in der Bischofsgruft befinden, hatten an diesem Abend neben dem Meßaltar ihren Platz. Nach dem Pontifikalgottesdienst wurden sie noch von einigen Gläubigen zum Gebet aufgesucht. Besonders eindrucksvoll war die Lichtinstallation der Chorfenster, die ein "Überbleibsel" der Bayerischen Landesausstellung ist.