bischof voderholzer predigt

Bischof Rudolf Voderholzer besucht Pfarrkirche St. Barbara in Bodenwöhr zum 75-jährigen Jubiläum der Benediktion

Christsein: Ein Leben aus Dankbarkeit und Lobpreis


Bodenwöhr, 26. Oktober 2025 

Ein festlicher Tag für die Pfarrei St. Barbara in Bodenwöhr: Zum 75. Jahrestag der feierlichen Benediktion der Pfarrkirche besuchte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Gemeinde, um gemeinsam mit den Gläubigen die Heilige Messe zu feiern. Bereits bei seiner Ankunft suchte der Bischof das Gespräch mit den zahlreich versammelten Gläubigen, die ihn herzlich vor dem Gotteshaus empfingen.

Nach dem feierlichen Einzug in die Kirche, an dem sich auch mehrere örtliche Vereine beteiligten, begrüßte Pfarrer Stefan Hackenspiel den Bischof. Er betonte, dass dieses Jubiläumsjahr ein besonderes Jahr für die Pfarrei sei. Seit 75 Jahren werde in dieser Kirche der Glaube gelebt – durch Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Eheversprechen und Totenmessen. Es sei eine große Ehre, dass der Bischof persönlich gekommen sei, um diesen Tag gemeinsam mit der Pfarrgemeinde zu begehen.

Bischof Rudolf Voderholzer erinnerte daran, dass auch damals, als die Kirche konsekriert wurde, ein Heiliges Jahr gewesen sei. Er freute sich darüber, an diesem Jubiläumstag den Gottesdienst in Bodenwöhr feiern zu dürfen, und hob hervor, dass auch viele Ministranten aus der Pfarrei Altenschwand anwesend waren – ein schönes Zeichen für die Zusammengehörigkeit beider Pfarreien.

Festlicher Gottesdienst mit musikalischer Gestaltung

Der Gottesdienst wurde musikalisch vom Kirchenchor und -orchester mitgestaltet. Zur Aufführung kam die „Missa brevis Sancti Johannes Deo“ von Joseph Haydn. Lesung und Fürbitten trug Fabian Schmid vor.

In seiner Predigt ging der Bischof auf das Sonntagsevangelium nach Lukas (Lk 18,9–14) ein, in dem ein Pharisäer und ein Zöllner einander gegenübergestellt werden. Er erklärte, dass die Pharisäer eine religiöse Gruppierung im zeitgenössischen Judentum waren, die die Gebote des Mose sehr ernst nahmen: Fasten, Wallfahrten, Almosen geben. Auch der Apostel Paulus sei, bis zu seiner Berufung durch den auferstandenen Herrn, ein streng praktizierender Pharisäer gewesen und habe zu den ganz frommen Männern seiner Zeit gehört. Jesus habe sich sogar von einem Pharisäer einladen lassen und stand dieser Glaubensgruppe wahrscheinlich näher, als es im Neuen Testament auf den ersten Blick erscheint. Die Pharisäer glaubten an die Auferstehung der Toten und waren in vielerlei Hinsicht besser, als ihr Ruf vermuten lässt. Dennoch wurde der Pharisäer im Evangelium getadelt – nicht wegen seiner Frömmigkeit, sondern wegen seiner Selbstgefälligkeit. Er lobte sich selbst und vergaß darüber, dass er alles Gott verdankte, betonte Bischof Voderholzer.

Im Gegensatz dazu war der Zöllner Teil einer verhassten Berufsgruppe. Als Kollaborateure der Römer trieben sie Steuern ein und nutzten dabei oft ihre großen Spielräume aus. Trotzdem lobte Jesus diesen Zöllner – nicht für seine Taten, sondern für seine Einsicht. Der Bischof fragte die Ministranten, ob sie sich an den Namen des berühmtesten Zöllners erinnerten, und einer antwortete richtig: Zachäus. Wie Zachäus (Lk 19, 1-10) habe vermutlich auch der Zöllner aus dem Evangelium seine Fehler eingesehen und versprochen, sein Unrecht wiedergutzumachen.

Bischof Rudolf betonte, dass die Evangelien miteinander verbunden sind und man sie nicht isoliert betrachten dürfe. Der Pharisäer hätte Gott auch ganz anders danken können – für Schutz, Gesundheit, die Möglichkeit zu spenden und die Schönheit der Schöpfung. Ein Leben aus Dankbarkeit und Lobpreis sei die Haltung, die Jesus uns lehren wolle. Es gehe nicht darum, sich mit anderen zu vergleichen, sondern darum, was man selbst für andere tun könne.

Dank an Pfarrer, Ehrenamtliche und Ministranten

Am Ende der Predigt bedankte sich der Bischof bei Pfarrer Stefan Hackenspiel für sein seelsorgerisches Wirken und für die Spendung der Sakramente. Denn genau dafür sei diese Kirche gebaut worden. Sein Dank galt außerdem den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pfarrei sowie den Ehrenamtlichen, die das Gemeindeleben tragen. Besonders hob er die sehr gelungene Homepage der Pfarrei hervor, die ihm bereits im Vorfeld einen umfassenden Einblick in die Bodenwöhrer Pfarreiengemeinschaft ermöglicht hatte.

Ein ausdrückliches Lob sprach Bischof Voderholzer den Mitwirkenden der Kirchenmusik aus, die den Festgottesdienst so feierlich gestaltet hatten. Auch die Ministranten fanden besondere Erwähnung: Der Bischof freute sich über ihre große Zahl und darüber, dass jeder ein Gotteslob auf seinem Platz hatte und es auch aktiv nutzte. „Auf euch schaut die Gemeinde“, betonte er und hob die Bedeutung älterer Ministranten hervor, die durch ihren Einsatz ein Vorbild für die Jüngeren seien.

Der Bischof ging zudem auf die Bedeutung der Apostelleuchter ein. Er fragte die Ministranten, ob sie wüssten, wo sich diese befinden, was die jungen Messdiener souverän beantworteten. Ebenso erklärte er die Symbolik des Pelikans über dem Tabernakel: Der Pelikan, der seine Jungen mit seinem Herzblut nährt, stehe für Christus, der sein Leben für die Menschen gegeben hat. Solche Tage seien wie gemacht, um die Kirche einmal wieder bewusst zu betrachten.

Zum Abschluss äußerte er einen Wunsch: Die Kirche möge weiter wachsen, und in 25 Jahren solle der 100. Geburtstag der Benediktion ebenso feierlich begangen werden wie das 75-jährige Jubiläum. „Wenn der Herrgott die erste Stelle in unserem Leben einnimmt, dann kommen wir nicht zu kurz“, gab er den Gläubigen mit auf den Weg.

Begegnung nach dem Gottesdienst

Die Eucharistie feierte Bischof Rudolf Voderholzer gemeinsam mit Pfarrer Stefan Hackenspiel und dem ehemaligen Pfarrer Johann Trescher. Nach dem Gottesdienst fand ein Stehempfang statt, der aufgrund des unbeständigen Wetters in der Pfarrkirche abgehalten wurde. Zahlreiche Gläubige nutzten die Gelegenheit, um persönlich mit ihrem Bischof ins Gespräch zu kommen und den besonderen Tag in Gemeinschaft ausklingen zu lassen.

Text und Fotos: Agnes Feuerer
(jas/SG)



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