News Bild Bischof Rudolf über NS-Widerstandskämpfer Fritz Gerlich

Bischof Rudolf über NS-Widerstandskämpfer Fritz Gerlich

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Einen äußerst interessanten Vortrag von Bischof Rudolf Voderholzer über Fritz Gerlich durften zahlreiche Besucher aus der Pfarreiengemeinschaft Stallwang-Wetzelsberg-Loitzendorf im Pfarrheim Loitzendorf erleben. Was war der Grund, dass sich Bischof Rudolf an einem Wochentagabend in die Weite seiner Diözese begab? Pfarrer Holzgartner war der Schlüssel zu dieser Veranstaltung in Loitzendorf. Der ehemalige Seelsorger der kleinen Pfarrei war ein akribischer Sammler von Daten und Ereignissen, die er alle in einem Tagebuch festhielt, so auch die Ermordung von Fritz Gerlich 1934. Und eben über jenen Pfarrer Holzgartner, der von 1923 bis 1934 in Loitzendorf war, hatte Johanna Fendl ihre Masterarbeit geschrieben. Johanna Fendl hat über Pfarrer Holzgartner auch bereits einmal im Pfarrheim referiert. Von Fendls Masterarbeit, die er vor etwa vier Jahren gelesen habe, sei er sehr angetan gewesen, sagte Bischof Rudolf, der gleich vorab erklärte, nicht in bischöflicher Mission anwesend zu sein. Pfarrer Holzgartner hatte schon am 02.07.1934 von der Erschießung Fritz Gerlichs im KZ Dachau einen Eintrag in seinem Tagebuch hinterlassen. „Ich bin schon stolz auf Pfarrer Holzgartner, der hier in Ihrer Pfarrgemeinde Seelsorger war!“, meinte Bischof Rudolf. Tatsächlich hatte Holzgartner viel niedergeschrieben und der Nachwelt somit sehr Wertvolles hinterlassen. Mit Pfarrer Werner Gallmeier habe er sich ausgetauscht und sofort zugesagt, diesen Vortragsabend treffenderweise in Loitzendorf abzuhalten, so Bischof Rudolf.

 

Eine interessante Verbindung: Was hat Pfarrer Holzgartner mit Fritz Gerlich zu tun?

Offenbar war Pfarrer Holzgartner Bezieher beziehungsweise Leser von Fritz Gerlichs Zeitung „Der gerade Weg“ und erlangte so Kenntnis von der Erschießung dieses standhaften Warners vor den Nationalsozialisten, insbesondere Adolf Hitlers. „Interessant, dass Pfarrer Holzgartner weit ab von München und Dachau schon zwei Tage nach dem Mord Kenntnis davon hatte“, so der Bischof.

Man merkte schnell, dass Bischof Rudolf nicht nur vortrug, sondern in der Person Fritz Gerlich und dessen Wirken eine Leidenschaft entdeckt hat, die er nun Interessierten gern unterbreitet. „Gewiss denkt man beim Thema „Widerstand gegen die Nazis“ nicht sofort an Fritz Gerlich, eher an die Geschwister Scholl und Gleichgesinnte. Fritz Gerlich gehörte zu jenen, die bereits in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren vor der großen Gefahr warnten, die da über Deutschland hereinbrechen würde. „Fritz Gerlich war einer der kompromisslosesten Gegner Hitlers überhaupt“, so Bischof Rudolf, der lebendig und fesselnd das Wirken Fritz Gerlichs beschrieb. Natürlich konnte der geneigte Zuhörer nicht alles behalten; für diesen Fall hatte der Referent vorgesorgt. Er hatte ein Faltblatt für alle Gäste mitgebracht, in dem die Biografie Fritz Gerlichs und Auszüge aus dessen Zeitung „Der gerade Weg“, die ursprünglich „Illustrierter Sonntag“ hieß, zu finden sind. Fritz Gerlich war nicht zuletzt von Therese Neumann, der Mystikerin von Konnersreuth, zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten ermuntert worden. In zwei Bänden beschrieb Fritz Gerlich seine Erfahrungen und das Ergebnis kritischen Forschens über die Resl von Konnersreuth und machte sie europaweit bekannt. Der Bischof ging auch auf Therese Neumann ein und präsentierte Gerlichs Bücher über sie.

Mit Artikeln in seiner Zeitung verschrieb Gerlich sich inbrünstig dem Widerstand gegen die NSDAP. Des Öfteren trafen Gerlich und Hitler in der Druckerei aufeinander, in der sowohl der „Illustrierte Sonntag“ als auch der „Völkische Beobachter“ gedruckt wurden. Bissige Karikaturen in „Der gerade Weg“ verstärkten Hitlers Hass auf Fritz Gerlich. Bis zum Schluss warnte Gerlich vor den Folgen der Machtergreifung. Vergeblich.

Am 9. März 1933 wurde Gerlich verhaftet und fast 16 Monate in „Schutzhaft“ gehalten. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1934 wurde Gerlich im Zusammenhang mit dem sogenannten „Röhm-Putsch“ ins KZ Dachau gebracht und dort erschossen. 2017 wurde das Verfahren zur Seligsprechung Fritz Gerlichs durch das Erzbistum München und Freising eingeleitet, womit die herausragende Bedeutung dieses Widerstandskämpfers bekräftigt werden soll. In Regensburg wurde übrigens eine Straße nach ihm benannt.

Bischof Rudolf schilderte nahezu in bewegten Worten Werdegang und Ende Fritz Gerlichs, nicht ohne nochmals auf Pfarrer Holzgartner einzugehen, der sozusagen durch den Bischof posthum „geadelt“ wurde.

Die Zuhörer durften ihren Bischof einmal von seiner weltlichen Seite kennenlernen und zur Kenntnis nehmen, dass ein Mann vor ihnen stand, der sein Interesse an Fritz Gerlich als einer Person der (Zeit-)Geschichte zu einer Passion gemacht hat.

Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Vertreterin des verhinderten Bürgermeisters Anderl, Waltraud Scheitinger, bedankte sich herzlich beim Bischof; Pfarrer Werner Gallmeier überreichte eine Schnitzerei für Bischof Rudolfs Sammlung.