News Bild Bischof Rudolf fordert offene Türen für Flüchtlinge - 70. Wallfahrt der Heimatvertriebenen Vierzehnheiligen

Bischof Rudolf fordert offene Türen für Flüchtlinge - 70. Wallfahrt der Heimatvertriebenen Vierzehnheiligen

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Mit dem Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren können auch die Vertriebenenwallfahrten, die im Jahr 1946 in Deutschland an mehreren Orten erstmals veranstaltet wurden, ihre 70. Wiederkehr begehen. So auch die Wallfahrt ins oberfränkische Vierzehnheiligen, bei der der Regensburger Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer, selbst sudetendeutscher Herkunft, den Pontifikalgottesdienst anlässlich dieses Jubiläums zelebrierte. Fahnen- und Trachtenabordnungen von Pommern, Schlesiern und Sudetendeutschen sowie weiterer Verbände bildeten gleich zu Beginn des Festgottesdienstes bei ihrem Einzug ein buntes Bild. Ihnen folgten die Ministranten und die Konzelebranten.

Mit einem Beispiel für „wahre, bedingungslose Gastfreundschaft“ begann Bischof Voderholzer seine Predigt. Die Familie seiner Mutter war 1946, nach der Vertreibung, einer Bauernfamilie in Oberbayern zugewiesen worden. „Einer anderen Familie zur Last zu fallen, das ist meiner Großmutter sehr schwer gefallen“, schilderte der Oberhirte die damaligen Begleitumstände. Eines Tages lud der Landwirt die Großmutter zum Abendessen ein. „Wir sind ja zu viert“, stellte die Oma Bischof Voderholzers damals fest – und bekam zur Antwort: „Wir haben nicht gefragt, wie viele ihr seid“. Positiven Anekdoten wie diese seien damals aber auch negative gegenübergestanden, stellte der Bischof fest. Wie zum Beispiel die Frage: „Warum sind sie nicht wieder heimgegangen?“ Zu dieser Frage habe der frühere Religionslehrer des Bischofs Pater Victrizius Berndt gesagt: „Auf den Knien würden wir heimrutschen, wenn uns die Heimkehr möglich wäre“.

 

Bischof Rudolf: „Offene Türen für Flüchtlinge“

Vor diesem historischen Hintergrund plädierte der Regensburger Oberhirte dafür, dass Menschen, die auf der Flucht sind, um Leib und Leben fürchten müssen, die Ermordung oder Vergewaltigung von Angehörigen erleben mussten, offene Türen bei uns vorfinden müssen. Gleichzeitig wies er aber auch auf die deutschland- und europaweite Solidarität hin, „um den Flüchtlingsströmen standhalten zu können“. Für Bischof Voderholzer beruht die „beispiellose Integrationsleistung“ der Heimatvertriebenen von 1945/46 vor allem auf der gemeinsamen Kultur, Sprache und dem gemeinsamen christlichen Glauben. Und in besonderer Weise habe die Kirche zur Schaffung einer geistigen Heimat beigetragen – mit aus der Heimat vertrauten Liedern und dem Treffen von Verwandten und Bekannten unter anderem auch bei Wallfahrten. Und so hätten die Heimatvertriebenen „nicht nur eine neue Heimat gefunden, sondern auch mitgeholfen, diese wieder aufzubauen – auch die kirchliche Heimat“.

Aber auch auf Europa und dessen Wurzeln ging Bischof Voderholzer ein. „Europa ist eine geistige Größe“, stellte er fest und nannte das Evangelium, die jüdisch-christliche Tradition sowie die Kultur der Griechen und Römer als geistige Basis. Als die großen sozialen Herausforderungen sieht er die Flüchtlingsproblematik und Griechenland. „Wir müssen uns darum bemühen und alles tun, dass sich Europa seines christlichen Fundaments bewusst bleibt“, sprach der Regensburger Oberhirte klare Worte und setzte sich für eine Stärkung dieses Fundaments ein – das Bekenntnis zum Glauben an den dreieinigen Gott.

„Unsere Vorfahren haben den Glauben aus der Heimat überliefert. Bekennen wir uns zu diesem Fundament“, fasste er im Rückblick auf die Historie zusammen. Und mit Blick auf die aktuellen Flüchtlinge bat der Bischof, „den Leuten, die zu uns kommen, einen Boden zu bereiten“ mit Sinn und Hoffnungsperspektive. Fürsprache in diesem Anliegen könnten die 14 Nothelfer von Vierzehnheiligen sowie die Heiligen aus den Heimatländern leisten.

In den Fürbitten beim Gottesdienst wurde besonders auch der verstorbenen Mutter des Bischofs gedacht. Mit einer feierlichen Marienandacht am Nachmittag endete dann diese 70. Wallfahrt der Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler nach Vierzehnheiligen.

Die komplette Predigt von Bischof Rudolf Voderholzer bei der Wallfahrt nach Vierzehnheiligen finden Sie in unserer Mediathek.