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Bischof Rudolf besucht die Justizvollzugsanstalt in Straubing

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"Anlässlich meines Pastoralbesuches in der JVA Straubing am Fest der Taufe des Herrn grüße ich alle, die in diesem Hause Verantwortung tragen, haupt- und ehrenamtlich Dienst tun und auch alle, die hier leben. Ich erbitte ihnen Gottes Segen für das neue Jahr 2016, das unser Papst Franziskus zum Jahr der Barmherzigkeit erklärt hat" schrieb Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in das Besucherbuch der Justizvollzugsanstalt Straubing und Einrichtung für Sicherungsverwahrung am gestrigen Sonntag. Anstaltsleiter Hans Amannsberger zeigte nach dem Pontifikalgottesdienst dem hochinteressierten Bischof die verschiedensten Anstaltsbereiche. Dabei war dem Bischof der persönliche Gruß und Händedruck für die vielen Bediensteten, aber auch für verschiedene Insassen beim Gang durch die JVA ein besonderes Anliegen.

 

Herzliche Begrüßungsworte fand leitender Regierungsdirektor Hans Amannsberger als Anstaltsleiter der JVA für den Gast aus Regensburg.. Bischof Rudolf betonte, dass hier ein "menschlich überaus herausfordender Ort" sei und man innerlich aufgewühlt mit einer gewissen Scheu komme, nicht zuletzt in dem Wissen "als Besucher gehe ich wieder, aber die Besuchten bleiben". Bischof Rudolf meinte bei seiner Einführung in die Feier, dass er sehr gerne gekommen sei und die gute Tradition fortsetze, dass die Bischöfe die über 110 Jahre alte Justizvollzugsanstalt Straubing besuchen. Er blickte auf sein bischöfliches Wappen, in dem eine Brücke dargestellt ist. Als Bischof, als Pontifex sei er Brückenbauer und so soll sein Besuch eine Brücke bauen zu den Gefangenen und Angestellten. "Ich bin gekommen, um das Wort Gottes auszurichten. Und das ist ein gutes Wort".

Jesus nimmt die Schuld der Anderen auf sich

In seiner Predigt ging der Bischof auf die Bedeutung des Wassers für den Menschen ein.  Wasser sei ein merkwürdiges Element: es schmecke nicht, sei durchsichtig, habe keine Kalorien. "Aber ohne Wasser können wir nicht leben" betonte der Bischof. Wasser sei Zeichen des Lebens und gleichzeitig auch des Todes, der Zerstörung. Dabei erinnerte er an das Donauhochwasser 2013 und Aussagen von Feuerwehrleuten: "Wasser ist unser größter Freund und gleichzeitig unser größter Feind". Zu Johannes dem Täufer seien die Menschen gekommen, um zu beichten, um zu sagen, was ihre Seele bedrückt und belastet. Anschließend wurden sie in die Fluten des Jordans getaucht und getauft. "Und Jesus, der ohne Sünde war, reihte sich in diese Warteschlange vor Johannes ein. Er wollte nichts besonderes sein, aber er nahm all den Schmutz, all die Sünden der Menschheit auf sich" resümierte der Bischof und erklärte, dass sich Jesus von Johannes dem Täufer im Jordan taufen ließ, am tiefsten Punkt der Erdoberfläche, um all die Schuld der anderen auf sich zu nehmen und fortzutragen bis zum Ende seines Lebens, bis zum Kreuz, an dem er alles sühnte und heilte.

 

So sei Jesus zu den Menschen in ihrer tiefsten Erniedrigung gegangen, dorthin wo man ganz unten ist, wo man ganz arm ist. Die Taufszene Jesu sage, dass niemand noch tiefer fallen kann, als dass Jesus nicht auch schon dort ist und von Gott aufgefangen wird. Als Getaufte dürfen wir alle wissen: "Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. An dir habe ich mein Wohlgefallen". Bischof Rudolf resümierte abschließend, dass die Barmherzigkeit Jesu zeige, dass auch ich selbst barmherzig zu mir sein darf und auf neue Perspektiven hoffen kann. Gott schaue nicht auf die äußeren Umstände, sondern seine Einladung und sein Wort gelte für alle Menschen.

Am Altar zelebrierten Bischof Rudolf gemeinsam mit Domkapitular Peter Hubbauer und Pater Michael Schlemmer die Eucharistie. Den Pontifikalgottesdienst feierten 60 Gefangene und zahlreiche Bedienstete mit. Den musikalischen Bestandteil der Liturgiefeier gestalteten Ulrich Stöger an der Orgel und Chorleiter Roman Puck mit der Singgemeinschaft der JVA. Ihnen, den Ministranten aber auch allen Beschäftigten der JVA galt am Ende das Lob und der Dank von Bischof Rudolf.

 

Die Justizvollzugsanstalt in Straubing

Interessiert ging der Diözesanbischof durch einen Teil der Justizvollzugsanstalt in denen insgesamt 802 Gefangene untergebracht sind. Damit zählt die Justizvollzugsanstalt Straubing zu den größten im Freistaat Bayern. In 23 Anstaltsbetrieben und sieben Unternehmerbetrieben finden die erwachsenen Männer Arbeit und somit einen strukturierten Tag. Betreut werden die Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten von insgesamt 500 Mitarbeitern, darunter 400 uniformierte Justizbeamte. Gerne nahm sich der Bischof Zeit für persönliche Gespräche mit einigen Gefangenen, die ihm auch ihre Zellen bzw. in der Sicherungsverwahrung ihre Zimmer zeigten. Anstaltsleiter Hans Amannsberger sprach vor dem Mittagessen noch ein Vergelts Gott an die Seelsorger aus und betonte "Ich weiß, was ich an Ihnen habe". Dem Bischof versicherte er, dass die geistigen Werke der Barmherzigkeit hier in der JVA zum Tragen kommen und ein gedeihliches Zusammenarbeiten stattfindet. "Wir geben Barmherzigkeit, aber wir fordern auch Barmherzigkeit".