News Bild Bischof Dr. Voderholzer empfängt Bischof Peter Nworie Chukwu aus Nigeria
Bischof Dr. Voderholzer empfängt Bischof Peter Nworie Chukwu aus Nigeria

Trotz vieler Konflikte im Land wächst die katholische Kirche

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Regensburg, 13. Oktober 2022

Vertieft über eine Landkarte Nigerias gebeugt, haben Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und der römisch-katholische Bischof von Abakaliki, Peter Nworie Chukwu, über die Lage der Katholiken in Mittel-Ost-Afrika gesprochen. Es war der erste Besuch des afrikanischen Bischofs in Deutschland – und sein Antrittsbesuch galt der Diözese Regensburg, mit der man sich in theologischen Fragen tief verbunden fühlt.

Im 19. Jahrhundert übernahmen die Briten die Kontrolle über die Gebiete des heutigen Nigerias und machten das Land schließlich 1861 zur britischen Kolonie. Erst 1914 legte die britische Kolonialmacht die Grenze Nigerias fest. Seit 1960 ist das Land unabhängig. Heute ist Nigeria mit über 180 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Doch die Lage in dem Land, das vor Bodenschätzen nur so strotzt, ist angespannt. Im Norden führt die islamistische terroristische Gruppierung Boko Haram einen grausamen Religionskrieg. Terrorakte und Übergriffe auf katholische Minderheiten sind keine Seltenheit, katholische Priester und Gläubige werden immer wieder Opfer blutiger Gewalt. Selbst nachdem 1999 der Vielvölkerstaat erneut demokratisiert wurde, so Bischof Peter Nworie Chukwu, blieb die Christenverfolgung. Allein im Jahr 2020 wurden mehr als 3.000 Christen ermordet. Und auf dem Weltverfolgungsindex belegt das Land 2022 Platz 7.  

Nigerianischer Bischof

Religiöse Intoleranz und Diskriminierung gegenüber christlichen Gemeinden

Obgleich das Christentum nach dem Islam die am meisten verbreitete Religion in Nigeria ist, gehören Repressionen für Christen zum Alltag. Die islamische Gesetzgebung, die Scharia, dominiert mit brutaler Gewalt im Norden und bekämpft Andersgläubige mit harter Hand, Sanktionen und brutalen Strafen. Für viele Christen ist die Dominanz der Fundamentalisten eine existentielle Herausforderung, der Glaube wird oft mit dem Tod bezahlt. Gerade mit der Ausbreitung evangelikaler Gruppen und der damit verbundenen Missionstätigkeit haben sich Radikalisierungstendenzen in den vergangenen Jahren immer wieder verschärft. Und daher kann von Religionsfreiheit im Land keine Rede sein. Religiöse Intoleranz und Diskriminierung gegenüber christlichen Gemeinden stehen auf der Tagesordnung. Falsche Blasphemie-Anschuldigungen gegen christliche Schüler und Lehrer, die dadurch gezwungen werden, ihre Schulen zu verlassen, aber auch ökonomische Interessen sind es, die zu permanenten Provokationen führen. Christlichen Kirchen und Friedhöfen wird oft die Baugenehmigung entzogen, ganze Kirche werden unter fadenscheinigen Argumenten abgerissen. Erschwerend kommt hinzu, dass durch die Entführung und erzwungene Konversion von Jugendlichen überwiegend junge Mädchen mit muslimischen Männern verheiratet werden. Doch damit nicht genug: Neben Zwangsverheiratung und Korruption regieren von staatlicher Seite Repressalien, die bis zur Verhängung der islamischen Kleiderordnung über christliche Schülerinnen an staatlichen Schulen reichen. Auch die Zulassungskriterien für christliche Gläubige sind weit von einer nur ansatzweise demokratischen Rechtsordnung entfernt. Christen, seien sie katholisch, anglikanisch oder aus den neuerwachsenen Pfingstgemeinden, werden regelmäßig daran gehindert, eine staatliche Ausbildung an Schulen und Universitäten zu absolvieren. Das Ziel, das dahintersteckt, ist ausschließlich Muslimen in Sachen Ausbildung den Vorzug zu geben.

Der katholische Glaube ist auf dem Vormarsch

Während im Norden, so ließ sich Bischof Rudolf anhand einer Karte der Religionsgemeinschaften Nigerias erklären, der fundamentalistische Islam das Schwert führt, liegt der Schwerpunkt der christlichen Bevölkerung im Süden und Südosten des Landes. Und dort ist, wie Bischof Peter Nworie Chukwu betont, der katholische Glaube sogar auf dem Vormarsch. Allein in seinem Bistum gibt es über 600.000 Katholiken, 220 Priester und die Tendenz sei steigend. Während in Deutschland es vielerorts an Priesternachwuchs mangelt, kann im Bistum von Abakaliki davon keine Rede sein.

Zur römisch-katholischen Kirche in Nigeria bekennen sich etwa 19 Millionen Mitglieder, die sich territorial auf Igboland, auch Südostnigeria genannt, konzentrieren. Konkurrenz bekommt die katholische Kirche aber derzeit von der am stärksten wachsenden Denomination der Pfingstkirchen, die mittlerweile die Mehrheit der nigerianischen Christen ausmachen.

In dem sehr anregenden und vertieften Gespräch zwischen den beiden Hirten, dankte Bischof Rudolf seinem afrikanischen Mitbruder für die Entsendung von Pfarrvikar Dr. Linus Chukwudi Nwankwo, der seit 2020 „zur besonderen Verwendung im Bistum“ in Erbendorf wohnt. Dort arbeitet er als sogenannte „mobile Reserve“ und übernimmt Vertretungseinsätze im Bistum. Zwischen den Vertretungsdiensten ist er in der Pfarrei auch seelsorglich tätig.

Christoph Diehl, der derzeit in Erbendorf ein Pfarrpraktikum macht, hatte die beiden afrikanischen Geistlichen zuvor durch die mittelalterliche Altstadt Regensburg geführt und mit ihnen zusammen das Priesterseminar besucht. Nach seinem Besuch in Regensburg wird Bischof Nworie Chukwu noch durch Europa touren. Auf dem Programm stehen Bonn, Rom und Wien, wo er Christoph Kardinal Schönborn treffen wird.

Hintergrund Peter Nworie Chukwu

Peter Nworie Chukwu, geobren 1965 in Ededeagu Umuezekohohu, Nigeria, studierte von 1985 bis 1989 am Priesterseminar Seat of Wisdom in Owerri Philosophie. Ein Schwerpunkt seiner Forschung lag auf der Phänomenologie von Edmund Husserl. Von 1990 bis 1993 studierte er dann Theologie am Bigard Memorial Major Seminary in Enugu. Am 3. Juli 1993 wurde er zum Priester für das Bistum Abakaliki geweiht. Nworie Chukwu war in der Pfarrseelsorge und als Vizerektor des Knabenseminars des Bistums Abakaliki tätig. Später studierte er zunächst an der Franciscan University of Steubenville in den Vereinigten Staaten und von 2002 bis 2007 an der Marquette University in Milwaukee, an der er in Philosophie promoviert wurde. Von 2000 bis 2010 war er außerdem als Pfarrer im Bistum Grand Rapids und als Gastdozent am Aquinas College in Grand Rapids tätig. Nach seiner Rückkehr nach Nigeria war er bis 2017 Präsident des Diözesanverbands der Nigerianischen Priestervereinigung. Seit 2010 war er zudem Pfarrer in Nduruku-Amagu und seit 2011 Professor an der Ebonyi State University in Abakaliki. Papst Franziskus ernannte ihn am 6. Juli 2021 zum Bischof von Abakaliki. Der Apostolische Nuntius in Nigeria, Erzbischof Antonio Filipazzi, spendete ihm am 19. August desselben Jahres in der Kathedrale von Abakaliki die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren der Erzbischof von Onitsha, Valerian Okeke, und der Erzbischof von Benin City, Augustine Obiora Akubeze.

 

Text und Bilder: Stefan Groß