News Bild Bischof Dr. Rudolf Voderholzer feiert am Allerseelentag Pontifikalamt in St. Josef Regensburg-Ziegetsdorf und betet am Grab der Familie Ratzinger

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer feiert am Allerseelentag Pontifikalamt in St. Josef Regensburg-Ziegetsdorf und betet am Grab der Familie Ratzinger

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Traditionsgemäß feierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Pfarrkirche St. Josef Ziegetsdorf im südlichsten Stadtteil von Regensburg mit der Gemeinde die Messe zum Allerseelentag, in der aller Verstorbenen der Pfarrei gedacht wurde. Dazu zählten nicht nur jene 27 Pfarrmitglieder, die seit dem letzten Allerseelentag verstorben sind, sondern auch die Eltern und die Schwester von Papst emeritus Benedikt XVI. und seinem Bruder Domkapellmeister emeritus Georg Ratzinger.

 

"Gott hat uns beim Namen gerufen"

Vor den Fürbitten wurden die 27 Namen der seit dem letzten Allerseelentag verstorbenen Gemeindemitglieder verlesen, währenddessen läutete die Totenglocke und an der brennenden Osterkerze wurden 27 Grablichter entzündet. Der Name eines Menschen ist etwas ganz persönliches, so der Bischof in seiner Predigt, er ist fast ein zweites Ich. Bei Taufe und Firmung werde ich nicht nur beim Namen gerufen, ich bekomme gleichsam einen neuen, nämlich Christ. Auch die Bibel hat ein tiefes Namensverständnis, am Berg Sinai offenbart Gott selbst einen Namen, legt ihn den Menschen sozusagen auf die Zunge: Jahweh = Ich bin der, ich bin da für euch! Die Berufung zur Christusnachfolge, kann auch einen neuen Namen mit sich bringen: Aus Simon wurde Petrus, aus Joseph Ratzinger wurde Papst Benedikt. Deshalb könne in der aktuellen Diskussion um namenlose Bestattungen, so führt Bischof Rudolf aus, ein Katholik dies nicht befürworten. Wenn auch manche Gründe auf den ersten Blick dafür sprechen würden, hier stelle sich eine Herausforderung für die Seelsorge.

 

"Sie war ein Mensch mit einem guten Herzen..."

Im Anschluss an das Pontifikalamt segnete Bischof Rudolf die Gräber auf dem benachbarten Friedhof, und betete er mit der ganzen Gemeinde an der letzten Ruhestätte der Familie Ratzinger. Die Schwester der Ratzinger-Brüder, Maria Ratzinger (1921 - 1991), war am zum Allerseelentag 1991 wie immer bereits einige Tage zuvor von Rom nach Regensburg gekommen, um noch einige Besorgungen zu erledigen, die sie in Rom nicht machen konnte. Vor genau 25 Jahren verstarb sie am Allerseelentag in Regensburg. Joseph Kardinal Ratzinger schrieb damals in seinem Kondolenz-Dankschreiben: "...ihre Seele aber wissen wir in Gottes gütigen Händen geborgen, der ihr all das vergelten wird, was sie so still und unauffällig Tag um Tag ohne Schonung ihrer Kräfte getan hat". "Sie war ein Mensch mit einem guten Herzen," beschrieb Kardinal Wetter Maria Ratzinger, "anspruchslos und immer freundlich". Im Familiengrab auf dem Ziegetsdorfer Friedhof wurde sie dann neben ihren Eltern Joseph Ratzinger (1877 - 1959) und Maria Ratzinger geb. Peintner (1884 - 1963) beigesetzt, die drei Geschwister 1974 von Traunstein hatten umbetten lassen.

 

Arbeitsgruppe Papstbesuch traf sich zum 10-Jährigen im Papsthaus in Pentling

Nach der Allerseeelenmesse in der Ziegetsdorfer Pfarrkirche St. Josef und der Gräbersegnung mit Gebet am Ratzinger-Familiengrab traf sich die ehemalige Arbeitsgruppe, die vor zehn Jahren den Papstbesuch in Regensburg organisiert und durchgeführt hatte. Mit dem Papsthaus in Pentling, das seit Jahren als Dokumentations- und Begegnungsstätte genutzt wird, hatte man den idealen Ort für dieses Treffen gefunden, ist es doch ein Ort, an dem der Gast von damals vielfältig präsent ist.

 

"Truppenübungsplatz, Steinbruch oder Acker?"

Noch unter Generalvikar Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner, so erinnert sich Dr. Johannes Frühwald-König, Referent im Generalvikariat, wurde eine Arbeitsgruppe zur Vorbereitung und Durchführung des Papstbesuches 2006 in Regensburg gegründet. Erste wichtige Frage war die nach dem Ort für den großen Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI., ein Truppenübungsplatz und ein Steinbruch mussten einem Acker weichen, das Islinger Feld sollte der Schauplatz der Heiligen Messe mit dem Pontifex Maximus am 12. September 2006 sein. Nun galt es unzählige organisatorische Punkte zu klären, vom Verkehrsleitplan über die umfangreichen Sicherheitsvorgaben bis hin zur Umgestaltung des Ackers zu einem liturgischen Raum.

 

"Vom Acker zum Altar"

"Wir standen nun vor der großen Aufgabe", so erzählt Domzeremoniar Diakon Peter Nickl, "aus einem Feld einen liturgischen Raum zu machen". Dabei wurde zwar Altarinsel mit Altar und Dach neu geschaffen, vieles wurde aber auch aufs Islinger Feld befördert: die steinerne Kathedra aus dem Dom, die Schutzmantelmadonna aus der Dominikanerkirche, der Wolfgangsschrein aus der Basilika St. Emmeram. Gerne erinnert sich Diakon Nickl auch an die große Einzugsprozession auf dem Islinger Feld oder bei der Ökumenischen Vesper im Dom, die er die Ehre hatte, anzuführen.

Schmunzeln musste er über eine nette Begebenheit. Der damalige Bischof Gerhard Ludwig Müller und der Päpstliche Zeremonienmeister Erzbischof Piero Marini wollten Papst Benedikt XVI. nach Ende der Vesper durch den Mittelgang nach draußen geleiten. Eigentlich sollte er sich aber in der Domsakristei noch kurz umkleiden. Ortskenntnis beweisend, antwortete der Papst aus Regensburg spontan: "Die Sakristei ist doch da oben!" Der Bischöfliche Baudirektor Paul Höschl erinnert sich nicht nur an die vielen architektonischen Herausforderung des Altarbaus, sondern auch an die Begegnung zweier Welten: Kirche trifft Veranstaltungs-Business - da sprachen die einen von Altar und Sakristei und die anderen von Stage und Backstage. Nach einiger Zeit sei es dann schon umgekehrt gewesen. Für Bischof Dr. Rudolf Voderholzer war diese Runde sehr aufschlussreich, da er 2006 ja noch in Trier Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät war und den Papstbesuch in seiner Heimatstadt München miterlebt hatte.

 

"Nach dem Besuch ist vor dem Besuch..."

Was ist, zehn Jahre nach dem Pastoralbesuch von Papst Benedikt in seiner bayerischen Heimat geblieben? Das 16 Meter hohe Kreuz aus Stahl und Holz blieb auf dem Islinger Feld, jährlich findet dort am 12. September das "Gebet am Kreuz" statt. Das Altardach wurde an eine Straubinger Firma verkauft, die es für unterschiedliche Veranstaltungen auf ihrem Firmengelände nutzt, "Centro-Benedetto" genannt. Das eigens von Diözesanmusikdirektor Dr. Christian Dostal komponierte und von Hagen Horoba getextete Lied "Wer glaubt, ist nicht allein" ist immer noch in aller Munde. Das sind einige der sichtbaren, bekannten Früchte des Papstbesuches, die vielen unbekannten Impulse, die sein Hirtenbesuch in seiner alten Heimat gesetzt hat, wirken überall dort, wo sich Gläubige von der Botschaft dieses Besuches haben anstecken lassen: Lied "Wer glaubt, ist nicht allein!"