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Bischof Dr. Rudolf Voderholzer erhebt ehemalige Klosterkirche St. Anna in Gotteszell zum Münster

„Diese Mauern sind durchtränkt vom Gebet“


Gotteszell, 16. November 2025

Der 16. November 2025 ist ein Datum, das in die Geschichte des Ortes Gotteszell und der gesamten Region eingehen wird. Am Sonntag wurde im Rahmen eines feierlichen Pontifikalgottesdienstes die Pfarrkirche und ehemalige Klosterkirche St. Anna in Gotteszell in den Rang eines Münsters erhoben. Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer verlieh dem traditionsreichen Gotteshaus damit einen besonderen bischöflichen Ehrentitel, der seine herausragende historische, kulturelle und seelsorgerische Bedeutung würdigt.

Anlässlich des Heiligen Jahres 2025 hatte der Bischof von Regensburg die Möglichkeit geschaffen, auf Antrag Kirchen aus dem Bistum den Ehrentitel „Münster“ zu verleihen. Pfarrer Tobias Magerl, der für die gesamte Pfarreiengemeinschaft Teisnachtal zuständig ist, hatte die Klosterkirche St. Anna vorgeschlagen. Entsprechend groß war die Freude unter den Gläubigen der gesamten Region, dass Gotteszell neben den Stadtpfarrkirchen in Dingolfing und Deggendorf als dritte Kirche diese Würdigung erhält.

Reiche Geschichte und kunsthistorisch wertvolle Ausstattung

Die Entstehung des Zisterzienserklosters Gotteszell geht auf das Jahr 1285 zurück. Die Kirche, die der Heiligen Mutter Anna geweiht ist, wurde im Jahr 1339 fertiggestellt. „Das dreischiffige Kirchenschiff wurde bereits im Mittelalter ehrfürchtig als Anna-Münster bezeichnet. Die romanische Basilika erhielt durch die Gebrüder Asam eine kunsthistorisch wertvolle Ausstattung, die jene in der Umgebung weit überragt“, hob der Bischof gleich zu Beginn hervor, als er am Seitenaltar vor dem Bildnis der Heiligen Mutter Anna den Erlass zur Münsterhebung verlas. Er verwies zudem auf die einst blühende Anna-Wallfahrt sowie auf die besondere Orgel der Firma Jann und die intensive Pflege der Kirchenmusik durch hervorragende Organisten sowie Chor und Orchester. Nachdem der Bischof die Urkunde an Pfarrer Magerl überreicht hatte, wurde die Pontifikalmesse mit dem feierlichen Einzug und dem gemeinsam gesungenen Gotteszeller „Mutter-Anna-Lied“ begonnen.

Vollbesetzte Kirche und herausragende musikalische Umrahmung

Die Sitzplätze im Münster reichten bei weitem nicht aus, um die Gäste zu fassen; unter ihnen waren auch viele Vertreter aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Vereinen. Chor und Orchester unter der Leitung von Dr. Ulrich Valta-Seufzer stellten schon beim Kyrie aus der Nicolai-Messe in G von Joseph Haydn ihr Können unter Beweis. Spätestens bei Anton Bruckners „Locus iste“ waren die Gläubigen von der besonderen Atmosphäre dieses historischen Gottesdienstes erfüllt.

Den Glauben weitergeben und Kirche gemeinsam leben

Dass dieses Gebäude nicht nur eine reiche Geschichte hinter sich hat, sondern auch eine große Geschichte vor sich haben möge – dies stellte der Bischof gleich zu Beginn in den Mittelpunkt des gemeinsamen Gebetes. In der Predigt hob er den eigentlichen Wortsinn von Kirche als die vor dem Herrn versammelte Gemeinschaft der Gläubigen hervor. Erst im zweiten Wortsinn bezeichne die Kirche das Gebäude. „Der Zusammenhang besteht darin, dass die Kirche uns helfen will, immer tiefer und besser Kirche zu sein“, so Bischof Rudolf. Kirche, das seien wir alle, die durch die Taufe den Heiligen Geist empfangen haben und durch die Firmung nochmals durch den Heiligen Geist gestärkt und in das Erwachsensein hineingeführt wurden. Kirche, das seien wir alle, die durch die Feier der Eucharistie immer wieder neu aufgebaut werden. Die lebendigen Steine der Kirche, so der Bischof, das seien die Gläubigen.

Er betrachtete die Besonderheiten des St. Anna-Münsters, das – wie die allermeisten Kirchen – nach Osten ausgerichtet ist, was ein Symbol der Hoffnung hin zur aufgehenden Sonne und damit zu Jesus Christus sei. So wie das Gebäude Orientierung gebe, so gebe auch die Kirche als Gemeinschaft den Menschen Orientierung, im Leben den richtigen Weg zu finden.

Neben den zwölf Apostelsteinen gibt es in Gotteszell auch zwölf Apostelkerzen, die sogar mit den jeweiligen Namen versehen sind. „Hätten die Apostel damals das Feuer des Glaubens nicht weitergegeben, wüssten wir heute gar nichts davon“, erinnerte der Bischof anschaulich, während er zwischen den Reihen hindurchging. Ganz besonders fällt am Altar in Gotteszell die strahlende Figur der Heiligen Mutter Anna, eine sogenannte Anna Selbdritt, ins Auge. Passend zum Anlass wurde diese im Laufe der Pontifikalmesse von Sonnenstrahlen erleuchtet, nachdem sich der Morgennebel gelichtet hatte.

Da der Glaube von der Weitergabe – vor allem auch innerhalb der Familien – lebe, bat er die Gläubigen, ihre Kinder und Enkel im Glauben zu erziehen, gemeinsam die Feste zu begehen und sich vor Ort als lebendige Gemeinschaft zu definieren. „Die Priester alleine wären aufgeschmissen. Allen Verantwortlichen, die sich hier in Gotteszell und der gesamten Pfarreiengemeinschaft einbringen, gilt mein herzlichstes ‚Vergelt’s Gott‘.

Segnung der Gedenktafel

Nach der Eucharistiefeier segnete Bischof Rudolf die neue Gedenktafel, die künftig an die Münstererhebung erinnert. Im Pfarrheim hatten die Gotteszeller Vereine nicht nur eine Stärkung vorbereitet, sondern auch Informationsstände über das gesellschaftliche Leben in den Vereinen aufgebaut. Auch gab es einige Schätze aus dem Kirchenarchiv zu bestaunen.

Seinen Abschluss fand der besondere Tag in Gotteszell mit einer gemeinsamen Vesper am Nachmittag, die ebenfalls von Bischof Rudolf im neuen Münster gefeiert wurde. Dabei erinnerte er daran, dass die Mönche über Jahrhunderte solche Andachten mehrmals am Tag begangen hatten. „Diese Mauern sind durchtränkt vom Gebet.“ Für einige war diese Form der Andacht, die auf fast meditativ gesungenen Psalmen basiert, neu. „Es wäre schön, wenn solche zusätzlichen Gottesdienstformen gerade auch in einem Münster häufiger praktiziert würden“, ermunterte der Bischof am Schluss und wünschte der „großen Familie der Kirche“ in Gotteszell mit ihrem neuen Münster im Mittelpunkt alles Gute für die Zukunft.

Text und Fotos: Manuela Lang
(jas)



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