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Bischof bei der Annaberg-Festwoche in Sulzbach-Rosenberg

Stärker missionarisch Kirche sein!

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Sulzbach-Rosenberg, 1. August 2022. „Jeder sonntägliche Kirchgang ist ein Emmausgang.“ Mit diesen Worten hat Bischof Rudolf Voderholzer seine Auslegung des Evangeliums zusammengefasst. Gepredigt hatte der Bischof im Rahmen der Annaberg-Festwoche in Sulzbach-Rosenberg, bei der er die Pflege der Sonntagskultur, die Vertiefung der biblischen Schriftkenntnis und die Sendungsbereitschaft den Besucherinnen und Besuchern des Abschlussgottesdienstes ans Herz legte. Die Woche stand unter dem Motto „Einen neuen Aufbruch wagen“ und bot vom 23. bis 31. Juli täglich zwei Festgottesdienste mit Predigten zum Jahresthema.

Zuerst: Niedergeschlagenheit

Als Evangelium hatte Kaplan Lucas Lobmeier die Begegnung der Emmaus-Jünger mit dem auferstandenen Jesus vorgetragen. Bischof Voderholzer beschrieb folgend die Niedergeschlagenheit der Jünger, die Jesus aber zusehends abbaute, indem er die Führung des Gesprächs übernahm. Darin habe Jesus anhand der Schriften des Alten Testaments das Geschehen um ihn gedeutet. Unter Einbeziehung des Neuen Testaments, der Predigten der Kirchenväter und der Liturgie der Kirche könne Jesus, so der Oberhirte, als der wahre Isaak, das wahre Osterlamm, neuer Moses, neuer Josef, Gottesknecht und neuer und wahrer Jona gesehen und interpretiert werden. „Je dunkler es draußen wird, desto heller wird es in ihrem Innern“, schlug der Bischof die Brücke vom Dunkel des Fisches (Jona) bzw. der Unterwelt (Jesus) zu den Emmaus-Jüngern. Am Ende zeige sich in der Episode Jesus selbst als Gastgeber, indem er das Dankgebet spricht und das Brot bricht, woran die Jünger schließlich Jesus erkennen. Das habe bei ihnen zu einem neuen Aufbruch geführt. Zugleich deute sich in der Emmaus-Episode die Grundstruktur der Heiligen Messe an: Wortgottesdienst mit Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament und Feier der Eucharistie, also vom Tod und Auferstehung Jesu, wobei Jesus der Gastgeber, der Priester sein Stellvertreter ist. Und am Ende steht stets die Sendung: Ite missa est – Ihr seid gesandt.

Impulse für neuen Aufbruch

Daraus ergeben sich für ihn drei Impulse für einen neuen Aufbruch. Zunächst die Pflege der Sonntagskultur: „Man kann auf die Dauer nur Christ bleiben, wenn man die Nähe und Gemeinschaft Christi gerade auch noch einmal in der Gemeinschaft seiner Schwestern und Brüder sucht, auch sich selber einbringt, vorangeht und anderen ein Zeugnis dieser Sehnsucht gibt“, erläuterte der Bischof. Er verwies auf die vielen Angebote an den Wochenenden und die Schwierigkeiten in Familien, die verschiedenen Bedürfnisse zu vereinen. „Ich bitte Sie jedenfalls, es zu versuchen“, bat er die Gläubigen und empfahl die Lektüre in der Sonntagsbibel zur Vorbereitung. „Wir brauchen eine Vertiefung unserer Schriftkenntnis, einen neuen Aufbruch zur Bibel“, führte Bischof Rudolf als zweiten Impuls an. In Sachen Bibelkenntnis gebe es vor allem bei jungen Leuten „Luft nach oben“. Für den Diözesanchef sollte es in jeder Pfarrei einen Bibel- und Glaubensgesprächskreis geben. Gerade die heilige Anna, die Großmutter Jesu, verdeutliche, dass die Familie auch eine Erzählgemeinschaft in Sachen Religion ist. Als dritten Impuls nannte der Bischof die Sendung bzw. Missio und verwies auf eine Initiative der Anglikanischen Kirche: „Lade jemanden, den du kennst, zu etwas ein, das du liebst“ lautete dort die Aufforderung. „Die geliebte Sache ist der ganz normale Sonntagsgottesdienst“, konkretisierte Bischof Rudolf. Er ist überzeugt, dass es Leute gibt, die darauf warten, angesprochen und eingeladen zu werden. Diesen sei durch persönliche Vorbilder zu vermitteln, dass der Glaube „Quelle des Trostes und der tief gründenden Freude“ ist. „Es geht darum, missionarisch Kirche zu sein. Wir brauchen diesen Aufbruch angesichts der Corona-Einbrüche und vor allem wegen der Säkularisierung unserer Gesellschaft.“ Die Feier des Sonntagsgottesdienstes müsse heute attraktiv und anziehend sein, um Menschen für Christus und seine Kirche gewinnen zu können, „nicht zu unserem Prestigegewinn, sondern zur Freude und zum Heil für alle – und zur Verherrlichung Gottes“, appellierte er an die Besucher.

Geschenk des Pfarrgemeinderates

Zum Schluss des Festgottesdienstes überreichte Dr. Andreas Schober im Namen des Pfarrgemeinderates dem Bischof ein Präsent. Das Totengedenken galt insbesondere allen verstorbenen Pilgern, aus der Pfarrei und aus Nah und Fern. Traditionell nahmen zahlreiche Fahnenabordnungen der kirchlichen Vereine und Verbände am Gottesdienst teil. Markus Bauer