Betroffene wurden zu guten Ratgebern - Wie Flutopfer einander helfen

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Es war der Pfingstmontag, der 24. Mai des Jahres 1999. Für die Einwohner von Neustadt an der Donau ein Datum, das eine neue Zeitrechnung einläutete. Seither gibt es eine Zeit vor und eine Zeit nach dem 24. Mai. Es war der Tag der Flut in Neustadt. Nachts um 1.10 Uhr wird der Donaudamm überflutet, um 8.30 bricht dieser. Die Vororte Schwaigfeld, Mauern und Wöhr werden von den Wassermassen überflutet. Auch aus Bad Gögging müssen Bürger aus ihren Häusern evakuiert werden. Insgesamt sind 1500 Menschen betroffen. Hauptschulen werden zu Notunterkünften. Um 9.00 Uhr morgens wird in Kelheim die Pegelspitze von 7,95 Metern erreicht. 14 Jahre ist die Katastrophe nun her. Die Menschen dort bewegt sie immer noch. Deshalb können sie sich auch besonders in die Lage der Hochwasseropfer aus Fischerdorf hineinversetzen. Auf Vermittlung der Caritas Regensburg sind Vertreter aus Stadt und Pfarrei Neustadt mit Vertretern der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Deggendorf zusammengetroffen. In Fischerdorf, Natternberg und Altholz ereilte in diesem Jahr unzählige Menschen dasselbe Schicksal. Mit im Gepäck hatten die Neustädter dazu einen Scheck im Wert von 25.000 Euro.

„In einer solch extremen Situation ist es wichtig, die richtigen Ratgeber zu haben“, sagte Thomas Reimer, erster Bürgermeister der Stadt Neustadt an der Donau. Jeder verarbeite eine solche Katastrophe für sich. „Der eine möchte einfach nur reden, die andere möchte in Ruhe gelassen werden“, sagte Reimer. Noch heute seien manche Hochwasseropfer traumatisiert und mit der Bewältigung beschäftigt. Marion Brandl aus Neustadt war mit Mann und Kind 1999 Opfer der Flut. Die Erinnerung an die Flut ist allgegenwärtig. „So eine Katastrophe begleitet einen das ganze Leben“, sagt sie. Aber: „Auch wenn man es im ersten Moment überhaupt nicht glauben mag, das Leben geht weiter“, sagt sie. Heute hat sie drei Kinder. 15 bis 20 Jahre dauert es zum Beispiel, bis der Ölgeruch endlich verschwunden ist. Das „Hochwasser-Cafe“ habe sich in Neustadt bewährt. Betroffene konnten da einfach mal ausspannen, trafen Gleichgesinnte und redeten sich ihren Kummer von der Seele. Seit der Zeit ist in Neustadt viel passiert, besonders in punkto Hochwasserschutz. Die Erinnerung an die Flut findet regelmäßig Ausdruck im gemeinschaftlichen Gebet. „An jedem 24. Mai des Jahres beten wir am Damm“, sagte Stadtpfarrer Johannes Hofmann. Immer am Pfingstmontag feiern die Neustädter auf dem Volksfest miteinander einen feierlichen Gottesdienst. „Das tut den Menschen und uns allen hier einfach gut“, sagte Hofmann. Da kommen die Leute von überall her. Mit im Gepäck hatte die Delegation aus Neustadt auch finanzielle Hilfe, von Pfarrei zu Pfarrei. Durch Spendenaufrufe und verschiedene Spendenaktionen kamen 25.000 Euro zusammen. Die Stadt gab 5.500 Euro dazu. Pfarrer Johannes Hofmann, Bürgermeister Thomas Reimer, Marion Brandl und Pfarrgemeinderatssprecherin Ursula Brandlmeier übergaben den Scheck. Sie luden außerdem die Deggendorfer ein, einmal nach Neustadt an der Donau zu kommen. Das in der Nähe gelegene Mindelstetten mit dem Grab der Heiligen Anna Schäffer könne dann ein schönes gemeinsames Ziel sein. Der Deggendorfer Stadtpfarrer Martin Neidl dankte herzlich für die Einladung und die vielen Anregungen und Tipps. „Allein das tut unseren Leuten schon gut; zu wissen, da sind Menschen an unserer Seite, die das alles schon durchgemacht haben. Das macht Mut“, sagte Neidl.    

Die Caritas der Diözese Regensburg hat die zur Verfügung stehenden Spendenmittel von knapp 1,2 Millionen Euro bereits weitergegeben. Die Diözese Regensburg zahlte an alle betroffenen Familien in diesen Gebieten eine Soforthilfe von 300 Euro, in einem zweiten Schritt 2.000 Euro. Ab dem dritten Kind wurden zusätzlich 500 Euro ausgezahlt. „Damit leisteten wir für viele Familien einen Beitrag, damit die für den Haushalt notwendigen Dinge beschafft werden können“, sagt der Regensburger Diözesan-Caritasdirektor Dr. Roland Batz. Selbstverständlich war die finanzielle Zuwendung unabhängig von Konfession und Religionszugehörigkeit. „Wir können uns als Caritas nicht an einer Schadensregulierung beteiligen, der Schwerpunkt unserer Hilfe liegt im psycho-sozialen Bereich“, sagte Batz. Den Betroffenen stünden weiterhin Notfallseelsorger, die Sozialberater der Caritas sowie die Seelsorger vor Ort zur Seite. Caritas und Bistum Regensburg werden auch dafür sorgen, dass die Angebote nachhaltig sind, über den Rest des Jahres hinaus.

Bild: Die Deggendorfer Pfarrei freute sich über die Spende der Neustädter (v.l.n.r.): Martina Polkehn, Pfarrgemeinderatssprecherin in Deggendorf, Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer, Bernhard Gehrsitz, Kirchenpfleger in Deggendorf, die beiden Stadtpfarrer Martin Neidl und Johannes Hofmann, Ursula Brandlmeier und Marion Brandl aus Neustadt/Do.