News Bild Besondere Krippen in Tirschenreuth: Bischof Rudolf eröffnet Ausstellung

Besondere Krippen in Tirschenreuth: Bischof Rudolf eröffnet Ausstellung

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Alle fünf Jahre zeigen die Tirschenreuther Krippenfreunde ihre Krippen im MuseumsQuartier. Die Ausstellung hat heuer das Thema: "Macht hoch die Tür...". Über drei Stockwerke verteilt hat Museumsleiter Ludwig Bundscherer eine große Ausstellungsfläche zur Verfügung gestellt. Die Krippenfachleute haben 40 meist große Exponate aufgebaut, die nicht nur die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem, sondern oft weitere Szenen aus dem Neuen und dem Alten Testament darstellen. Historische und zeitgenössische Krippen der letzten drei Jahrhunderte veranschaulichen dabei auch das alltägliche Leben in dieser ländlichen Gegend.

 

Krippen zeigen Geschehen im Stiftland

Der Schwerpunkt dabei liegt auf den heimatlichen Krippen, die das Geschehen örtlich wie auch kulturell in die Region, das sogenannte Stiftland, verlegen. Aber auch die orientalischen Krippen, die die Geburt Christi in einen zeitlichen und kulturellen Zusammenhang stellen, erhalten ihren Stellenwert in der Ausstellung. Alle gezeigten Exponate sind in Privatbesitz und werden dem Krippenverein für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Die Qualität der Ausstellungsstücke spiegelt auch die über Jahrhunderte währende Tradition des Krippenbauens und Krippenschnitzens in Tirschenreuth wider. Hans Lindner, der erste Vorsitzende der Krippenfreunde, dankte allen Ausstellern dafür, dass sie die Tirschenreuther Krippentradition aufrechterhalten.

 

Besonderheiten der Tirschenreuther Krippen

Neben den verschiedensten Berufsgruppen tummeln sich auch Originale wie der Wirtshausgeher, der Apfeldieb und der Brückenschleicher mit seinem Hund in den Krippen. Natürlich dürfen mystische Figuren wie der "Goaßreiter" und der "Goaßtratzer" nicht fehlen. "Wenn kein `Goaßreiter´ dabei ist, ist es keine echte Tirschenreuther Krippe", sagte ein kundiger Besucher. Und tatsächlich, dieser Charakter ist in fast jeder Krippe zu entdecken. Auch der Bürgermeister hat seinen festen Platz, ebenso der Bettler, der hier als Bedlmoa bezeichnet wird. Wer sich auf die Tradition des Krippenschauens begibt und die Krippe seines Nachbarn besichtigt, legt gerne einen Cent auf die ausgestreckte Bettlerhand - und schon steht der Eigentümer der Krippe mit einem Krippenschnaps parat. "Gloriawasser" nennt es Bischof Rudolf und auch er darf es verkosten, obwohl die Verglasung ihn an der "Opfergabe" hindert. Der Regensburger Oberhirte war am Freitag nach Tirschenreuth gekommen, um die Ausstellung zu eröffnen und die Krippen anzuschauen: "Seit Gott als Mensch zu uns gekommen ist, kommt der Glaube auch vom Hören und Schauen. Das macht die Theologie der Krippen aus!" So beurteilte Bischof Rudolf die große Anziehungskraft der Krippen. "Wenn wir unser eigenes Herz zur Krippe bringen und weit offen für eine Begegnung mit Gott sind, dann haben wir uns wirklich für Weihnachten entschieden!", so Bischof Rudolf weiter.

 

 

Die Krippen spiegeln oft die Lebensgeschichten der Familien wider

Fast alle Tirschenreuther Krippen sind nach den Familien der Besitzer benannt und bekannt. Die Wenning-Mehler-Krippe zum Beispiel gehört Paulus Mehler, dem Geschäftsführer der Tuchfabrik Mehler, die bereits seit 1644 und nunmehr als letztes deutsches von ursprünglich 185 Tuchmacher-Unternehmen existiert. "Mir gehört sie gar nicht", sagt Paulus Mehler, "die Krippe gehört zur Tuchmacherei und wenn unsere Familie nicht mehr existiert, bekommen sie die Krippenfreunde." Das ist jedoch bei fünf Kindern nicht absehbar, daher soll sie ab dem nächsten Jahr ein dauerhaftes Quartier im großen Wohngebäude auf dem Fabrikgelände bekommen. Fast ein Jahrhundert lang lag sie in Kartons auf dem Dachboden, doch die Figuren haben ihren kräftigen, frischen Farbton behalten.

Die Stahl-Krippe gehört der Familie des Ersten Bürgermeisters von Tirschenreuth, Franz Stahl. Er hat die Krippe in den letzten Jahrzehnten immer wieder vergrößert. "Krippenbauer sind Jäger und Sammler", stellte er fest. Sogar eine Amethyst-Druse ist in seiner Krippe dabei, in der Zwerge im Bergwerk arbeiten. Und selbstverständlich ist auch die Bürgermeister-Figur zu finden. Die Familie Gleißner hat ihre Familienkrippe, die Ernst Gleißner-Hauskrippe aus dem 19. Jahrhundert, durch einen Brand verloren. Liselotte Kulzer ist sehr froh, dass ihr Vater sie nach Fotografien von dem bekannten Tirschenreuther Schnitzer Johann Mack nachschnitzen ließ: "Da steckt einfach unsere eigene Lebensgeschichte mit drin!"

 

 

Mit elf Jahren ist Tim der jüngste Krippenschnitzer

Der jüngste Aussteller ist Tim Sommer. Mit seinen elf Jahren hat er bereits eine ansprechende Krippe geschnitzt. Gelernt hat er es in der Schnitzstube. Dort treffen sich die Krippenschnitzer im Winterhalbjahr wöchentlich, die Erfahrenen lernen dabei die Jungen an. Selbst Bischof Rudolf war davon angetan: "Schön, dass Du das machst. Bleib` dabei, wir brauchen Dich!" So haben alle 40 Krippen ihre eigene Geschichte. Es sind durchweg Familienkrippen mit langer Tradition. Einzigartig sind sie, wertvoll und ein Schatz für die Besitzer. Nur gut, dass sie ihren Schatz wenigstens zeitweise mit der Öffentlichkeit teilen. "Denn eine Krippe bekommt ihren vollen Wert erst dann, wenn sie aufgestellt ist und besichtigt wird", meint ein Krippenbesitzer.

 

Geschichte des Tirschenreuther Krippenspiels

Vor der Ausstellungseröffnung erlebten die Gäste in der Mittelschule das Tirschenreuther Krippenspiel. Es ist einzigartig und die reale Geschichte bedarf einer kurzen Erläuterung: 1940 begleitete die Lehrerin und Erzieherin Alma de l'Aigle Hamburger Kinder im Rahmen der Kinderlandverschickung im zweiten Weltkrieg in das Missionshaus St. Peter der Steyler Missionare in Tirschenreuth. Die Gauleitung ordnete zu Weihnachten eine Weihnachtsfeier an, die krippen- und christentumsfrei gestaltet werden sollte. Zusammen mit anderen Lehrerinnen schrieb Alma de l'Aigle den Text für ein Krippenspiel, in dessen Text versteckte regimekritische Aussagen eingearbeitet waren.

 

 

Aufführung des Krippenspiels

Nicht nur die Geschichte, auch die Aufführung war einzigartig. Mit viel Hingabe stellten die Mittelschüler die einzelnen Charaktere und die Szenen überzeugend dar. Der Auftritt der 21 Engel war wuchtig choreografiert, Maria war in ihrer Unsicherheit und Josef als sich sorgender Partner sorgsam inszeniert und dargestellt. Keine Herbergstüre öffnet sich für sie, erst ein armes Paar gewährt ihnen einen Unterschlupf und teilt das wenige, das es hat, mit ihnen: "Aus zwei Broten werden vier Stücke, zwei Becher Wein teilen wir auf vier auf." Den Hirten auf dem Feld (im Schein des Feuers) wird Jesu Geburt als erstes verkündet. Es ist eine Nacht, in der das Herkömmliche auf den Kopf gestellt wird. Christus ist geboren, die Engel verkünden sein Lob.

 

Gut zu wissen

Im MuseumsQuartier gibt es Abteilungen für Fischerei, Porzellan, Ikonen, Stadtgeschichte und das Haus am Teich. Auch die böhmische Nachbarregion Plan-Weseritz und der Tirschenreuther Johann Andreas Schmeller, der Verfasser des "Bayerischen Wörterbuchs", werden gewürdigt. Das Museum zeigt die große Krippenausstellung bis zum 20.01.2019 und ist dafür täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet (außer Heiligabend und Silvester). Danach sind die Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr.

Anschrift: MuseumsQuartier, Regensburger Str. 6, 95643 Tirschenreuth.  Telefon: 09631/6122, www.museumsquartier-tirschenreuth.de.