diözesankomitee mit abgeordneten

Berlinreise des Vorstands des Diözesankomitees Regensburg

Ehrenamt im Fokus


Berlin, 14. September 2026

„Vier Tage – Zehn Gespräche – Eine Stimme aus Regensburg“ - unter diesem Motto stand die Berlinreise des Vorstands des Diözesankomitees, die vom 6. bis 9. September 2026 stattfand. Dass es keine touristische Reise werden sollte, stand schon vorab fest, vor allem, wenn man auf den eng getakteten Ablauf blickte. Auf Einladung des Regensburger Bundestagsabgeordneten Peter Aumer, der als Einzelpersönlichkeit Mitglied im Diözesankomitee ist, wurde ein Programm ausgearbeitet, dass sowohl kirchliche als auch weltliche Gesprächspartner beinhaltete. Das Thema „Ehrenamt“ zog sich wie ein roter Faden durch die Gespräche.

Im Bundeskanzleramt gab es eine Gesprächsrunde mit Hanna Schepper, Referentin im Referat für die Verbindung zu Kirchen, Religionsgemeinschaft und jüdisches Leben. Schwerpunktthemen waren der Bereich Ehrenamtsförderung, Pflegeneuordnungsgesetz und Religionsfreiheit. Es seien steigende Zahlen beim Antisemitismus zu beobachten und auch schleichende Einschränkungen bei der Ausübung der Religion durch den Druck bestimmter Menschen (z.B. bei Fronleichnamsprozessionen) festzustellen. Die Referentin wies darauf hin, dass das Referat für Religion im Ausland wieder eingerichtet worden sei, dessen Abschaffung vom Diözesankomitee bemängelt wurde. Bei einem Gespräch mit Christian Westhoff von der Abteilung Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt wurde über die Möglichkeiten einer bundesweit einheitlichen Ehrenamtskarte diskutiert. Auch wurde die Forderung, dass für Ehrenamtliche in Leitungspositionen Rentenpunkte anerkannt werden sollte, kommuniziert. Christian Westhoff betonte, dass er sich für Vereinfachung für Ehrenamtliche einsetzen, wie z.B. bei der Haftung für den Vereinsvorstand. Ehrenamt sei kein Selbstläufer, da die Individualisierung in der Gesellschaft auch Auswirkungen auf das Ehrenamt habe

In einem Gespräch mit Emmi Zeulner MdB, Obfrau im Bundestagsausschuss für Gesundheit, tauschte man sich über das Pflegeneuordnungsgesetz aus, das in einem ersten Entwurf eine Reduzierung des Rentenanspruchs für häusliche Pflegepersonen vorsieht. Der Vorstand des Diözesankomitees forderte dagegen eine bessere Unterstützung der häuslichen Pflege, da diese eher dem Menschen gerecht werde und letztendlich auch günstiger sei. Ein weiteres Thema war die Hospiz- und Palliativversorgung im ländlichen Raum. Beim Thema Assistierter Suizid war sie der Meinung, dass eine Grauzone eventuell besser sei. Der Vorstand des Diözesankomitees wies darauf hin, dass man Sorge um einen „Dammbrucheffekt“ habe, da die Zahlen in Ländern, in denen dies eingeführt worden sei, gestiegen seien. Auch könnte in einer älter werdenden Gesellschaft der soziale Druck auf Ältere erhöht werden.

Ein Vormittag war für die Teilnahme an der Fachtagung zum Freiwilligensurvey 2024 reserviert, bei dem die Ergebnisse der Studie über freiwilliges Engagement in Deutschland vorgestellt wurden. Dabei wurde deutlich, dass die Zahl der Engagierten reicht rückläufig, aber die Zahl der geleisteten Stunden gestiegen ist. Schulbildung bleibt ein zentrales Unterscheidungsmerkmal freiwilligen Engagements. Umso höher die Schulbildung ist, desto ausgeprägter ist auch das Engagement. Mit dem Bildungsniveau sind unterschiedliche Ressourcen, soziale Netzwerke und Gelegenheitsstrukturen verbunden, die die Aufnahme und Ausübung eines Engagements erleichtern oder erschweren können. Auch die Verbundenheit mit dem Wohnort ist entscheidend.

Aber auch der Kontakt zu kirchlichen Akteuren standen auf der Tagesordnung des Diözesankomitee-Vorstands. Bei einem Gespräch mit Marc Frings, Generalsekretär des ZdK, wurde die aktuelle politische Lage, insbesondere kurz nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, diskutiert. Dabei wurde auch die Bedeutung der Wahl für die Kirchen erörtert.

Bei einem Zusammentreffen mit Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Hubertus Matehus Maria van Mengen, der erst vor kurzem sein Amt in Berlin angetreten hat, wurde die kirchliche Lage in Deutschland besprochen. Der Nuntius betonte, dass er zwar an der deutsch-holländischen Grenze aufgewachsen sei, aber jetzt erst Deutschland kennenlernen müsse. Er zeigte sich dankbar für den Austausch und bat darum, den Glauben auch im Alltag zu leben. Der Vorstand des Diözesankomitees stellte die Arbeit des Gremiums vor und wies darauf hin, dass im Bistum Regensburg die Verbände sehr stark seien und deshalb auch im Diözesankomitee zusammengeschlossen seien. Durch die hinzugewählten Einzelpersönlichkeiten könne man den Katholiken eine Stimme geben. 

Auch dem Katholischen Büro in Berlin stattete der Vorstand des Diözesankomitees einen Besuch ab. Man tauschte sich mit dem Leiter des katholischen Büros, Prälat Dr. Karl Jüsten, über die aktuelle politische Lage aus und erfuhr vieles über die Arbeit des katholischen Büros, das als Schnittstelle zwischen Abgeordneten und katholischer Kirche gilt.

Der letzte Tag war dem Besuch des Bundestags vorbehalten. Nach der Generaldebatte mit einem Schlagabtausch zwischen Opposition und Regierung gab es eine Führung durch das Haus. Den Abschluss der Berlinreise bildete eine Gesprächsrunde mit den Abgeordneten Peter Aumer, Martina Englhardt-Kopf, Florian Oßner, Stefan Schmidt und Dr. Carolin Wagner, die aus dem Diözesangebiet kommen. Schwerpunkte waren neben der Engagementförderung auch die Situation des ländlichen ÖPNV und das Verhältnis von Kirche und Staat. Auch wenn das Ehrenamt v.a. aus Eigenmotivation entstehe, müsse es dennoch unterstützt werden. Auch wurde der Vorschlag eingebracht, Rentenpunkte anzuerkennen, wenn sich jemand jahrelang ehrenamtlich in einer Leitungsfunktion engagiere. Man war sich einig, dass man optimistisch in die Zukunft gehen wolle und dass der Gesellschaft etwas fehlen würde, wenn es die Kirche nicht gäbe.

Text und Fotos: © Manfred Fürnrohr, Geschäftsführer Diözesane Räte
(jas)

 



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