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Über 1.500 Gläubige zur Chrisammesse im Regensburger Dom

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Beide Seitenschiffe der Regensburger Kathedrale St. Peter mussten zusätzlich bestuhlt werden, um den mehr als 1.500 Gläubigen Platz zu bieten. Sie waren am Montag Abend der Karwoche in den Dom gekommen, um mit Bischof Gerhard Ludwig Müller die Missa chrismatis zu feiern. Darunter befanden sich allein 1000 Jugendliche, die bereits tagsüber an der Aktion U14 (unter 14-jährige) des Bischöflichen Jugendamts teilgenommen hatten. Gleichzeitig waren zahlreiche Priester zur Feier der Heiligen Öle gekommen, um ihr priesterliches Gelöbnis gegenüber dem Oberhirten zu erneuern. Die Gruppe „creazione unisono“ aus der Jugendbildungsstätte Kloster Ensdorf gestalteten die Gottesdienstfeier musikalisch.

In seiner Predigt, die der Bischof in der Vierung des Domes hielt, wandte er sich an die vielen Mädchen und Jungen. Dabei blickte er auf eine Begegnung mit einem jungen querschnittsgelähmten Mädchen zurück, die er bei einer seiner zahlreichen Pastoralreisen in die Pfarreien der Diözese kennen gelernt hatte. Trotz ihrer Behinderung, die von einem schweren Autounfall herrührte zeigte sich die junge Christin fröhlich und ausgelassen. Von der großen Gemeinschaft in Pfarrei und Familie wurde sie angenommen wie jeder andere auch, so dass man gar nicht bemerkte, dass sie eine Behinderung habe. „Das muss auch unser Ansporn sein. Auch wenn uns manchmal alles zu viel wird, dürfen wir uns nicht unterkriegen lassen. Unsere Motivation muss lauten: Was kann ich für die große Gemeinschaft beisteuern?“, so Bischof Gerhard Ludwig Müller. Die Bekanntschaft mit dem jungen Mädchen erinnerte den Regensburger Oberhirten auch an die selige Anna Schäffer, die am 21. Oktober dieses Jahres vom Heiligen Vater in Rom heilig gesprochen wird: „Auch sie hat sich mit ihrer Behinderung auseinandergesetzt. Aus Liebe zu Jesus Christus ertrug sie ihr Leid in dem Wissen, dass sie dieses Leid zu Christus führen wird. Trotz der großen körperlichen Schmerzen wurde sie zur Trösterin und Ratgeberin für zahllose Menschen. Stets müssen wir uns vor Augen halten: Niemand ist nutzlos. Jeder Mensch ist wichtig für die Anderen!“, ermutigte der Bischof die Gläubigen und verwies abschließend erneut auf Anna Schäffer aus Mindelstetten: „Sie ist ein leuchtendes Beispiel als Zeugin der alles überwindenden Liebe Gottes. Jeder Mensch ist bedeutsam, denn die Kranken und Armen gehören zum Reich Gottes. Nie dürfen wir verzweifeln und uns aufgeben, sondern ein offenes Ohr und Herz für die haben, denen Leid widerfährt“.

Im Anschluss an seine Predigt weihte Bischof Gerhard Ludwig Müller die drei heiligen Öle: Der Chrisam, das Katechumenenöl und das Öl für die Krankensalbung. Grundstoff aller Öle ist das Olivenöl, das bereits in der Antike eine wichtige Rolle gespielt hat. Dem Chrisam werden darüber hinaus unmittelbar vor der Weihe wohlriechende Duftstoffe dazugegeben. Mit diesem Öl werden die Neugetauften und die Firmlinge gesalbt; ebenso wird es bei der Priester- sowie der Altarweihe verwendet. Mit dem Katechumenenöl werden die Taufbewerber, mit dem Öl für die Krankensalbung Kranke und Sterbende gesalbt.

Die Salbung mit Öl ist seit jeher ein symbolischer Hinweis auf die Kraft und Gnade die der Gesalbte empfängt. Im Alten Testament wird beschrieben wie Könige und Propheten zu ihrem jeweiligen Dienst gesalbt wurden als Ausdruck ihrer Anerkennung durch Gott und ihrer Auszeichnung vor den Menschen. Im neuen Testament wird die Salbung mit Öl zur Gesundung der Kranken beschrieben: „Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.“ (Jakobusbrief, 5,14ff.).
Auch die hebräische Bezeichnung Messias und die griechische Übersetzung Christus bedeutet „Gesalbter“. Deswegen salbt der Priester jeden Neugetauften zum Zeichen seiner Berufung und Würde als Christ nach der Taufe mit Wasser mit Chrisam, denn als Christ ist er ein „Gesalbter“. Als besonderes Zeichen der Verbundenheit und Einheit innerhalb der Diözese Regensburg feiern Priester aus allen Dekanaten zusammen mit dem Bischof diesen Gottesdienst. In dessen Anschluss werden die heiligen Öle im Dom auf die einzelnen Dekanate und Pfarreien verteilt.