News Bild Begegnung von Kunst und Religion in der Unikapelle – Installation „Ewigkeit“

Begegnung von Kunst und Religion in der Unikapelle – Installation „Ewigkeit“

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Gleich neben der Zentralbibliothek an der Uni Regensburg öffnet sich ein Raum der Stille. Die Kapelle, konzipiert von Alexander Freiherr von Branca, mit den grauen Sichtbetonwänden, dem Altar aus Ahorn, einem filigranen Edelstahlkreuz und dem intensiven Meditationsfenster des Londoner Glaskünstlers Graham Jones reduziert auf das Wesentliche. Es ist ein guter Ort für die Begegnung von Kunst und Religion. 

Seit Montag setzt eine Installation von Raoul Kaufer einen spannungsreichen Akzent. Eine Gefriertruhe, ein Transparent – kühl und nüchtern fordert die Arbeit „Ewigkeit“ im Kirchenraum der Denkfabrik Universität heraus. Die Gefriertruhe ist ein Haushaltsgerät, das befremdlicher kaum sein kann. Größe, Maße und Form erinnern an einen Sarkophag. Im Permafrost hält sich organische Materie nahezu ewig.

 

Das "Superorgan" Gehirn

Hebt der neugierige Betrachter den Deckel der "SarkophagGefriertruhe", starrt ihn gleichsam sein verallgemeinertes Spiegelbild an. Der Blick fällt auf einen Eisblock, in dem das Organ eingeschlossen ist, das den Homo Sapiens zu seiner Selbstdeutung als "Krone der Schöpfung" verleitet: das Gehirn. Der Künstler reduziert es zeichenhaft auf die spiegelnde, glatte Fläche eines Bildes.

Stillgelegt, erstarrt, ruht die anatomische Zeichnung in der Gefriertruhe als ewig gleiches, vereistes Sinn- und Abbild seines unverfroren widersprüchlichen Wesens: Geist und Materie, Destruktivität und Kreativität, Erinnerung und Vergessen, Illusion und Aufklärung, Glaube und Wissen, Mitgefühl und Gleichgültigkeit, Dogma und Gedankenfreiheit, Tugend und Terror, Berechnung und Naivität, Rohheit und Sensibilität, Anpassung und Widerstand, Täuschung und Fairness etc. So drängen sich Polaritäten, Dichotomien ohne Ende auf, in deren Untergrund obendrein ein ultimativer Wertungstopos rumort: Gut und Böse.

 

Die Frage nach dem Wie

Das Gehirn ist das "Superorgan", das Metamedium, ein milliardenfach gestricktes Netz aus elektrochemisch verbundenen Neuronen, das sich zu begreifen sucht und sich trotz neurowissenschaftlicher Erkenntnisse über Funktionsweise und Anatomie im Spiegelkabinett seiner Ambivalenzen, Antagonismen, Ambiguitäten selbst verheddert. Es ist erkenntniskritisch eine wichtige Frage, wie es gehen soll, mit ein und demselben Denk- und Wahrnehmungsorgan auf die Ursachen und Grundlagen zu reflektieren, nach denen es tickt und den Takt vorgibt.

Daran knüpft Raoul Kaufer die (Rätsel-)Frage: „Warum und in welchem von Paradoxien und Zweifeln freien Sinne sind Gläubige wie Ungläubige so sicher, dass sowohl die von Zeit und Raum unbeschwerte Ewigkeit göttlichen Wirkens als auch die Existenz Gottes außerhalb und jenseits des Evolutionsprozesses menschlicher Gehirne keine Frage ist?“ 

In seiner Unschärfe entzieht und eröffnet sich auf einem Großtransparent an der Wand die Bibelzeile: "Uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken, denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig." (2 Kor 4,18)

Die Installation, organisiert von der Katholischen Hochschulgemeinde, ist ein Beitrag in der Reihe „Da-Sein in Kunst und Kirche“ des Diözesanmuseums.

 

Der Künstler

Raoul Kaufer, geboren 1957 Weidenau/Siegen, seit 1974 Malerei (autodidaktisch), seit 1978 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Ndb./Opf., 1983 Diplomabschluss des Studiums der Psychologie, Universität Regensburg, 1987 Staatlicher Förderpreis für junge Künstler des Bayer. Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, 1987-1995 aktives Mitglied der Atelier- und Künstlergemeinschaft “KunstWerk”, Regensburg, seit 1990 grafische und interaktive Computerkunst.