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Auftakt der „Woche für das Leben“ in Regensburg

Leben mit Demenz

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Unter dem Motto „Mittendrin. Leben mit Demenz“ will die „Woche für das Leben“ vom 30. April bis 7. Mai 2022 auf die Situation von Menschen mit Demenz aufmerksam machen. Zum Auftakt in Regensburg feierten Domkapitular Michael Dreßel und Pfarrer Jörg Breu, Dekan des evangelischen Donaudekanats, in der Dreieinigkeitskirche einen ökumenischen Gottesdienst.

 

Gestaltung eines humanen, menschenwürdigen Zusammenlebens

Bei Demenz handelt es sich nach gegenwärtigem Kenntnisstand um eine nicht heilbare fortschreitende Erkrankung, steht es in der Broschüre zur diesjährigen Woche für das Leben zu lesen. "Demenz ist eine Diagnose, die Angst macht", sagte Domkapitular Michael Dreßel in seinen Eröffnungsworten in der Dreieinigkeitskirche. "FürBetroffeneist sie verbunden mit Phänomenen wie: Dinge vergessen, Orientierung verlieren, Vertraute und sich selbst nicht wiederkennen. Für Angehörigeund das soziale Umfeld ist Demenz verbunden mit dem Zusehen-Müssen, wie sich die Persönlichkeit eines geliebten Menschen verändert, scheinbar aufzulösen beginnt. Für unsere alternde Gesellschaft ist sie verbunden mit einer großen Herausforderung und der Frage nach der Gestaltung eines humanen, menschenwürdigen Zusammenlebens."

 

Das Bild vom Regenbogen des Lebens

Domkapitular Dreßel feierte den Gottesdienst am Samstagnachmittag gemeinsam mit dem evangelischen Dekan Jörg Breu. Dieser versuchte in seiner Predigt, die Krankheit Demenz etwas (er)fassbarer und in ihren Ausprägungen etwas greifbarer zu machen. Er erzählte über den Film "Still Alice – Mein Leben ohne Gestern", in dem die dafür mit dem Oscar ausgezeichnete Schauspielerin Julianne Moore eine anerkannte Linguistin spielt, die im Alter von 50 Jahren an Alzheimer erkrankt, das in ihrem Fall erbliche Schicksal zuerst verschweigt, dann überspielt und schließlich nach tiefgreifenden Entscheidungen gemeinsam mit der Familie annimmt. Das Bild vom Regenbogen des Lebens, am Anfang aufsteigend und am Ende abfallend, passe sehr gut zum Alltag. In der ersten Lesung aus dem Buch Kohelet, Kapitel 12, heißt es "Denk an Deinen Schöpfer in Deinen frühen Jahren, ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre Dich erreichen, von denen Du sagen wirst: Ich mag sie nicht!"

 

Bedingungslose Liebe zu Erkrankten

Nach dem Gottesdienst folgte ein Gesprächsforum mit Maria Kammermeier, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz e.V., die aus ihrer reichen Erfahrung heraus in die Situation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen einführte und einen besonderen Akzent auf die Bedürfnisse der Seele der betroffenen Menschen legte. In einer persönlichen Begegnung beim Verlassen der Dreieinigkeitskirche erzählte eine Gottesdienstbesucherin, dass sie fünf Jahre in der professionellen Betreuung von Demenzkranken mit bis zu 16 Patienten zeitgleich gearbeitet habe. Am Ende sei sie selbst erschöpft gewesen. Was die direkten Angehörigen über lange Jahre leisten, ist immens und oft von außen nicht sichtbar. Wie könnte man Demenz noch erklären? Es hat, so schilderte die Betreuerin ihre Erfahrung, etwas mit der Kindererziehung Vergleichbares. Der gravierende Unterschied ist, dass die Kinder jeden Tag etwas Neues dazulernen, der Demente jeden Tag etwas Neues vergisst. Was in beiden "Fällen" immer durchdringt, ist die bedingungslose Liebe, die die Menschen am Anfang und am Ende des Lebens besonders trägt.

 

Die Woche für das Leben 2022 „Mittendrin. Leben mit Demenz“

Die Woche für das Leben vom 30. April bis 7. Mai will in diesem Jahr auf die Situation von Menschen mit Demenz aufmerksam machen. Mit der „Woche für das Leben 2022“ bringen sich die beiden Kirchen in Deutschland in die „Nationale Demenzstrategie“ der Bundesregierung ein. In der „Nationalen Demenzstrategie“ hat sich eine Vielzahl an Akteuren verpflichtet, Menschen mit Demenz mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, die medizinische, pflegerische und seelsorgliche Begleitung zu verbessern, die Angehörigen stärker zu unterstützen sowie die Forschung zu fördern. Menschen mit Demenz sind wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Sie sollen spüren können, dass ihr Leben schützenswert ist. Auch ihre spirituellen Bedürfnisse und ihr Glaube als wichtige Kraftquelle im Umgang mit ihrer Krankheit sollen einen angemessenen Raum finden. Die Kirchen wollen dafür Sorge tragen, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen passende Angebote finden: in der Seelsorge, durch demenzsensible Gottesdienste und Veranstaltungen sowie durch eine umfassende Aufklärung.

Domkapitular Michael Dreßel, Vorsitzender des Caritasverbandes Regensburg (li.) und Pfarrer Jörg Breu, Dekan des evangelischen Donaudekanats, feierten in der Dreieinigkeitskirche einen ökumenischen Gottesdienst. Fotos: Hans-Christian Wagner