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Auf den Spuren des Ansbacher Markgrafen

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(cn) Über 460 Teilnehmer, darunter 51 Rollstuhlfahrer und gut 120 Helferinnen und Helfer von Caritas und Malteser Hilfsdienst, sind am vergangenen Samstag beim 37. Sonnenzug der Caritas dabei gewesen. In aller Frühe wurden die Sonnenzug-Gäste von Spitzenvertretern der Stadt Regensburg, des Landratsamtes und der Oberpfälzer Regierung nach Mittelfranken verabschiedet. In Ansbach feierten die Ausflügler gemeinsam mit Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Piendl in der dortigen Pfarrkirche St. Ludwig Gottesdienst. Bei Bilderbuch-Wetter begaben sich die Sonnenzügler einen Tag lang auf die Spuren des Markgrafen und Kaspar Hauser. Residenz und Hofgarten luden zum Flanieren in feudaler und grüner Umgebung ein.

Unter den Klängen der Hanslberger Musikanten stiegen die Gäste bereits um kurz nach halb sieben in Regensburg in den Zug auf Gleis 1. Petra Betz, Bürgermeisterin der Stadt Regensburg, wünschte den „Ausflüglern“ vor der Abfahrt einen „schönen erlebnisreichen Tag“. Landrat Herbert Mirbeth schloss sich den Wünschen an und auch Regierungspräsident Dr. Wolfgang Kunert kam persönlich und gab den Teilnehmern Grüße mit auf die Reise. Pünktlich um sieben Uhr fuhr der Sonnenzug ab. In gut zwei Stunden würde er Ansbach erreichen.

Gute Verpflegung während der Fahrt
Bereits einige Stunden vorher, etwa ab drei Uhr morgens waren Mitarbeiter des technischen Dienstes der Caritas damit beschäftigt, Wasser und Kaffee in genügender Menge zu kochen und zu verladen. 1060 Wiener Würstchen und ebensoviel Brezen und Semmeln, 530 Päckchen Aufschnitt a 125 Gramm, 600 Tafeln Schokolade, fast 120 Getränkekisten (etwa 900 Liter Wasser, Apfelschorle und Bier) und etwa 80 Rollstühle mussten in die sieben Waggons verladen werden.

Medizinische und pflegerische Fachkräfte
Neben dem leiblichen Wohl ist auch die Sicherheit und Geborgenheit der Teilnehmer ein wichtiges Merkmal des Sonnenzuges. An die 120 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Caritas und Malteser Hilfsdienst, darunter ein fünfköpfiges Ärzteteam, sorgten dafür, dass die Sonnenzügler professionell gepflegt und medizinisch versorgt waren. Auch in diesem Jahr gab es keine ernst zu nehmenden Zwischenfälle. Die Lage blieb ruhig: „Wir mussten ärztliche Hilfe nie ernsthaft in Anspruch nehmen, aber es ist immer gut zu wissen, dass beim Sonnenzug alte und kranke Menschen von ausgebildeten Fachkräften umsorgt sind“, sagte Ulrike Sießmeir, Abteilungsleiterin für soziale Dienste bei der Caritas. Beim Sonnenzug seien eben gerade Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen besonders gut aufgehoben. Fast die Hälfte der Sonnenzuggäste ist pflegebedürftig oder haben eine Behinderung.

Jung und Alt begegnen sich
„Die älteren Menschen sind einfach unglaublich gut drauf. Da hört man die verrücktesten Geschichten. Die Frau, die ich im Rollstuhl geschoben habe, hat mit ihr Leben in Gedichtform vorgetragen“, sagte Andreas aus Moosham. Der 18-Jährige leitet in Oberdeggenbach eine Jugendgruppe der Malteser. Auch Anna (14) aus Walkenstetten und Michaela (17) aus Regensburg waren beim Sonnenzug mit Freude dabei. „Ich helfe einfach gern. Die älteren Menschen sind so nett. Man bekommt so viel zurück“, blickt Michaela zurück. Dan ganzen Tag war sie an der Seite von Theresia Ott aus Wernberg-Köblitz. Im nächsten Jahr wird Michaela wieder mitfahren, das steht für sie bereits fest.
Seit 1971 gibt es den Sonnenzug, damals noch „Fahrt in den Frühling“ genannt. Von Anbeginn an stand die Idee der Begegnung im Mittelpunkt: Begegnung von Jung und Alt, Behindert und Nichtbehindert, Gesunden und Kranken.
„Wenn wir am Ende nur auf die gute Verpflegung stolz sein könnten, wäre die Idee des Sonnenzuges am Ende“, sagte Gerhard Schmid, Referatsleiter bei der Caritas und Cheforganisator des Regensburger Sonnenzuges. Im Mittelpunkt stehe das Gemeinschaftserlebnis und die Möglichkeit, neue Kontakte und Freundschaften zu schließen. „Viele Teilnehmer sind übers Jahr allein und auf fremde Hilfe angewiesen. Beim Sonnenzug können sie neue Leute kennen lernen und möglicherweise neue Kontakte knüpfen“, so Schmid weiter.

Gottesdienst in der Ansbacher Pfarrkirche
Zusammen mit den Teilnehmern feierten Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Piendl, Direktor Christian Braun vom Leonhardi-Heim in Regensburg und Prälat Alois Reindl aus Kallmünz Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Ludwig von Ansbach. Pfarrer Hans Kern, zugleich Domkapitular der Diözese Bamberg, hieß die Gäste in „seiner“ Kirche willkommen. In der Predigt erklärte Piendl nochmals den Sinn und Zweck dieser Ausflugsfahrt: „Einer sich scheinbar immer mehr entsolidarisierenden Gesellschaft setzen wir ganz bewusst den Sonnenzug entgegen. Er ist ein echter Tag der Gemeinschaft, des Mit- und Füreinander“, sagte er. Die Fähigkeit, einander zu begegnen, gründe letztlich aber immer in der Begegnung mit Gott. Darum sei die gemeinsame Eucharistiefeier wichtiger und unverzichtbarer Programmpunkt der Reise, so Piendl weiter.

In der Residenz und im Hofgarten
Nach dem Gottesdienst gingen die Ausflügler durch den wunderschön angelegten Hofgarten zur Orangerie. Dort gab es für die Gäste Mittagessen. Salate der Saison, Putenbrustgeschnetzeltes mit Reis und Gemüse sowie gebundene Sauerkirschen mit Vanilleeis standen auf der Speisekarte. Für die musikalische Unterhaltung und gute Laune sorgten dort wieder die Freundorfers aus Tegernheim, die sich eigens den Namen „Sonnenzug-Quartett“ gegeben haben.
Die 27 Prunkräume des Ansbacher Schlosses waren am Nachmittag für die Sonnenzügler offen. Alle Zimmer waren dort noch im Original zu bestaunen. Zu den Hauptattraktionen der Residenz zählen der doppelgeschossige Festsaal, das Spiegelkabinett sowie der Kachelsaal mit rund 2.800 Fliesen. Interessant auch die Bayerische Staatssammlung "Ansbacher Fayencen und Porzellan" im Erdgeschoss. Wem der Schlossrundgang allerdings zu beschwerlich war, ließ sich durch den Hofgarten führen, vorbei am Kaspar Hauser Denkmal, an Blumen- und Kräutergärten.
Nach Kaffee und Kuchen in der Orangerie und einem kurzen Fußmarsch zum Bahnhof waren alle Sonnenzuggäste wieder vollzählig an Bord. Planmäßig auf die Minute traf der Sonderzug wieder in Regensburg ein. Die Reisenden haben "ihren Urlaub" sichtlich genossen. Jetzt ging es wieder nach Hause in den Alltag. Theresia Ott aus Wernberg war erst zum zweiten Mal dabei. Im nächsten Jahr soll daraus ein drittes Mal werden.

Organisiert wird der Sonnenzug alljährlich vom Diözesan-Caritasverband Regensburg. Unterstützt wird der Sonnenzug auch von der Katholischen Sonntagszeitung für das Bistum Regensburg als Medienpartner. Finanziert wird der Tagesausflug über Eigenbeiträge, gestaffelt nach Höhe der Rente oder des Einkommens, und über Spendengelder.
Wer zur Deckung der Kosten beitragen will, kann dies gerne tun: Konto 116 116 4 bei der LIGA Bank Regensburg (BLZ 750 903 00), Stichwort „Sonnenzug“.