Schäfflertanz tanzende Männer

Allerlei Faschingsfiguren, Ausspielformen und rheinische Elemente

Faschingsvielfalt im Bistum


Regensburg, 27. Januar 2025

In den Medien wird – was die närrische Jahreszeit (Fasching, Fastnacht, Karneval) betrifft - vor allem aus den rheinischen Hochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf berichtet. Doch auch unsere Region weist vielfältige und meist auch traditionsreiche Bräuche auf. Begeben wir uns also anhand einiger ausgewählter Traditionen auf eine Faschingsreise durch das Bistum.

Bleiben wir ganz kurz noch bei den Medien. Aus dem Fernsehen, von der jährlich ausgestrahlten „Fastnacht in Franken“, ist die in der Nordoberpfalz beheimatete „Altneihauser Feierwehrkapell‘n“ bekannt. Deren Kommandant Norbert Neugirg frotzelt dabei immer wieder gerne gegen die Franken – und natürlich auch zu allerlei politischen und gesellschaftlichen Themen.

Älteste Karnevalsgesellschaft Bayerns und Kolping-Faschingsgesellschaft

Starten wir in der Domstadt Regensburg. Der aus Mainz stammende Arzt Dr. med. Carl Wolfgang Gerster (1813-1892) war hier maßgeblich für die Gründung der Karnevalsgesellschaft „Narraconia“ (heute „Narragonia“) verantwortlich. Am 24. Februar 1848 wurde die Vereinigung nach längerer Vorlaufzeit zugelassen. Sie ist die älteste derartige Vereinigung in Bayern und - mit Unterbrechungen – bis heute aktiv. Sie diente – zeitversetzt - als Blaupause für viele weitere Vereine gleichen Namens im näheren und weiteren Umkreis Regensburgs. Zu erwähnen ist natürlich in diesem Kontext die im Jahr 1958 gegründete Lusticania, die heute im Kolping-Bezirksverband Regensburg organisiert ist. Mit Kinder- und Erwachsenen-Prinzenpaar sowie Garden und Showtanzgruppe begeistert sie bei vielen Auftritten.

Ausackern und urige Kirmweiber

Die ältesten Dokumente für das Feiern der Fastnacht stammen aus dem 13. Jahrhundert. Klosterrechnungen verraten, dass dort üppig getafelt wurde, ehe dann in der Fastenzeit Bruder Schmalhans Küchenmeister war. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist für mehrere Städte das Pflugziehen überliefert, das heute vor allem in einigen Orten der Nordoberpfalz als Ausackern der Fastnacht ausgeübt wird. Doch auch das Ausrufen oder Anbauen (zum Beispiel in Teisbach) wird in verschiedenen Formen praktiziert. Ein Unikat bilden seit 1923 die Kirmweiber in Hemau. Als alte Frauen verkleidete Männer ziehen am Sonntag nach Dreikönig durch die Wirtshäuser und kündigen den Faschingsbeginn an.

Flecklmanner und Hexen

Vielerorts sind auch spezielle Fastnachtsfiguren unterwegs. Dabei handelt es sich um Formen der besonders in Mittelfranken vielfach verbreiteten Flecklashexen. In Lupburg sind es die Flecklmanner, die an den letzten Faschingstagen ihr Unwesen treiben. Der „Fleck“ findet sich auch als Motiv der Faschingsorden für die Aktiven des Lupburger Maschkerer-Vereins. Adaptionen sind mit dem „Hoderscheck“ in Gleiritsch und einer ähnlichen Figur in Mitterteich bezeugt. Darüber hinaus gibt es Hexen (z.B. in Amberg und Dietldorf). Gemein ist diesen Figuren, dass sie von Kindern geneckt werden und mit Lärm von Haus zu Haus ziehen.

Ausspielen und Aussingen in vielerlei Formen

Vielfältig sind die Bräuche im Kontext des Ausspielens und Aussingens. Im bereits genannten Städtchen Hemau bilden heute die Waschweiber die einzig verbliebene Gruppe, die – meist am vorletzten Sonntag im Fasching – so manche Vorkommnisse aus dem zurückliegenden Jahr aufs Korn nimmt. Heuer steht das 50-jährige Jubiläum an. Früher gab es neben teils eher kurzlebigen Ensembles hier auch die „Moritat“. Eine eher in Oberbayern beheimatete Form gibt es in Breitenbrunn mit dem Haberfeldtreiben am Faschingsdienstag. Im zweijährigen Turnus werden – auch heuer wieder – bei der „Althistorischen Rötzer Fasenacht“ am Nachmittag des Faschingsdienstags nach dem Faschingszug einige lustige Vorkommnisse szenisch und mit Bildtafeln dar- und nachgestellt. Auch die Faschingszeitung deckt diese und viele weitere Episoden auf.

Alle zehn Jahre Altweibermühle

Unter dem Motto „Manna, tauscht’s d’Weiber um“ wird in Schönsee alle zehn Jahre (zuletzt 2023) die Altweibermühle in Gang gesetzt. Seit 1892 gibt es hier diese „Verjüngungsmaschine“. Wer auf diesem Weg eine fesche junge Frau bekommt, kann sich gleich mit ihr bei einer Faschingshochzeit verehelichen. Bei diesem an mehreren Orten - vor allem im vorderen Bayerischen Wald verbreiteten - Brauch werden alle Elemente einer früheren Bauernhochzeit nachgespielt. Beim Umzug in Schönsee ist auch eine Gruppe aus Stadlern dabei, die mit der „Böhmischen Fosnat“ an die Figuren und Bräuche der früheren Böhmischen Fastnacht erinnert.

Handwerker als Brauchpfleger

Deutlich wurde bereits, dass manche Bräuche nicht jedes Jahr, sondern in einem vorgegebenen zeitlichen Turnus stattfinden. Das gilt besonders für den aus München stammenden Schäfflertanz, der nur alle sieben Jahre praktiziert wird. Dieser war und ist in vielen Orten verbreitet, heuer kommt er in Kelheim wieder an mehreren Terminen zur Aufführung. Dass Handwerker früher sehr wichtige Brauchtumsträger waren, beweist ein weiterer Brauch in der Nordoberpfalz: hier sind die Glasmacher und Spiegelschleifer bis heute für das Rosstäuschen bzw. Schimmelverkaufen (Weiden) verantwortlich.

Schlachtrufe der Faschingsvereine

Damit sind wir bei den Maschkerer- bzw. Faschingszügen, Faschingsmärkten und Faschingstreiben zwischen dem Unsinnigen Donnerstag und Faschingsdienstag. In die heißen Faschingstage fällt meist auch die Schlüsselübergabe an das Prinzenpaar durch den Bürgermeister. Seine Ursprünge hat dieser Brauch im Rathausstürmen des 16. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des 30-jährigen Krieges. Mit Schlachtrufen untermauern die Faschingsgesellschaften dabei ihre Forderungen – von „Berri Berri“ über „Radi Radi“ bis zu „Gucki Schlucki“, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der Fasching wird begraben

Zu Ende geht die Narrenzeit nicht allein mit dem Kehraus, sondern richtig am späten Abend des Faschingsdienstags oder am Aschermittwoch mit dem Arschboußn oder allerlei Variationen des Waschens, Eingrabens, Ertränkens oder Verbrennens von Fastnachtssymbolen. Analog zum Ausackern gibt es auch das Einackern der Fastnacht. Besonders hervorzuheben unter den Finalbräuchen ist der Fischzug in Schmidmühlen, den inzwischen einige Nachbarorte übernommen haben.

Text: Markus Bauer

(SSC)



Nachrichten