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Zur Neuigkeit
Afghanistan: Misereor kritisiert Bundesregierung
Zunehmende Anerkennung des Taliban-Regimes
Aachen, 13. August 2026
Anlässlich des fünften Jahrestags der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan am 15. August 2021 kritisiert Misereor die Bundesregierung für die zunehmend direkte Anerkennung und Zusammenarbeit mit dem islamistischen Terrorregime. Grund dafür sind bilaterale Abstimmungen von Abschiebungen afghanischer Straftäter sowie weitere geplante Abschiebungen afghanischer Staatsangehöriger ohne Vorstrafen. Währenddessen sind schwere Menschenrechtsverletzungen gegen die afghanische Zivilbevölkerung an der Tagesordnung und werden laut Berichten der in Afghanistan ansässigen Misereor-Partner immer kritischer.
Innenminister Alexander Dobrindt erklärte, das „de-facto-Regime“ nicht anerkennen zu wollen, tut dies jedoch nach Einschätzung von Misereor zunehmend direkt. Offiziell leiten bereits heute zwei Taliban-Vertreter die Botschaften in Berlin und das Generalkonsulat in Bonn. Die Erlaubnis und Visa dafür erhielten sie von der Bundesregierung. Die Taliban erhöhen den Druck auf die Bundesregierung, weitere Diplomaten entsenden zu können, indem sie angesetzte Abschiebeflüge absagen, zuletzt Anfang Juli.
Vertreibung der Frauen aus dem öffentlichen Raum
„Das Taliban Regime nimmt den Menschen die Luft zum Atmen“, berichtet eine Vertreterin der Misereor-Partnerorganisation „Afghanistan-Schulen“ (VUSAF). „Die älteren Mädchen und Frauen leiden zunehmend unter Depressionen, da sie keine Zukunftsperspektiven haben und die Häuser kaum mehr verlassen können. Wir beobachten auch, dass Mädchen heute früher verheiratet werden als vor der Machtübernahme, weil die jungen Frauen keine Chance haben, eine Ausbildung zu erhalten und einen Beruf auszuüben“, so die Partnerin. Die Vertreibung aus dem öffentlichen Raum, wie Parks und Badehäuser, habe die afghanischen Frauen weiter isoliert, heißt es in einer weiteren Stellungnahme von Misereor-Partnern. „Wir bitten nicht um viel, nur um das Recht zu lernen und in Würde zu leben“.
Anerkennung des Unrechtsregimes statt Solidarität mit der Bevölkerung
„Ist es für die deutsche Bundesregierung nicht mehr so schlimm, dass ältere Mädchen und Frauen von jeglichen Bildungsangeboten kategorisch ausgeschlossen werden, dass Kinder ab zwölf Jahren verheiratet werden dürfen, dass Körperstrafen bis hin zu Steinigung von Frauen, die angeblich Ehebruch begehen oder von zu Hause weglaufen, Praxis in Afghanistan ist?“, kritisiert Bernd Bornhorst, Misereor-Geschäftsführer.
„Das Signal aus Deutschland ist die Anerkennung des Unrechtregimes statt Solidarität und Unterstützung für die leidende Bevölkerung. Gelder für humanitäre Hilfe, Bildung und Entwicklung hat unsere Regierung drastisch gekürzt. Die Bedingungen für die Hilfswerke, den Menschen in Afghanistan helfen zu können, werden immer schwieriger“, so Bornhorst. Deutschland solle sich in seinen Kontakten mit den Taliban dafür einsetzen, dass der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und Bildung erhalten bleibt, lokale Partnerorganisationen von Misereor ihre Arbeit verlässlich fortführen können und Frauen dabei aktive Mitwirkungsmöglichkeiten erhalten, fordert der Misereor-Geschäftsführer.
Humanitäre Hilfe unentbehrlich
Fünf Jahre nach der Machtübernahme ist rund die Hälfte der 45 Millionen Einwohner auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund 3,7 Millionen Kinder leiden unter akuter Mangelernährung, etwa 14 Millionen Menschen gelten als akut von Hunger betroffen.
Misereor fördert in Afghanistan vor allem Projekte zu Gesundheit, Bildung und psychosozialer Unterstützung. Diese Arbeit wird von regional verankerten Partnerorganisationen durchgeführt. Durch Bildungsangebote, Gesundheitsaufklärung und Friedensarbeit werden besonders verletzliche Gruppen unterstützt, vor allem Frauen und Mädchen.
Text: Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.
(kw)




