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Ägyptens Kopten als Beispiel: Christen werden entrechtet
„Christen spielen keinen Fußball!“
München / Regensburg, 14. Juli 2026
Etwas über zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung sind Christen. Im Fußball sind sie trotz WM-Teilnahme komplett ausgeschlossen. Während die FIFA immer wieder beteuert, mit der aktuellen WM in Mexiko, Kanada und den USA ein „Zeichen gegen Rassismus“ zu setzen, bleiben Kopten ausgespart. Ihre Stimme wird unterdrückt, ihr Schicksal ausgeblendet. Und Ägypten ist nur ein Beispiel. Christen werden weltweit in vielen islamischen gesellschaftlich gezielt entrechtet.
Der Sommer steht noch immer im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft, und das auch im Schatten der Pyramiden von Gizeh. Nach dem Ausscheiden Ägyptens gegen Argentinien im Achtelfinale beschwert sich Nationaltrainer Hossam Hassan lautstark: „Wir sind ungerecht behandelt worden!“ Hintergrund sind mehrere Schiedsrichterentscheidungen.
Die eigentliche Ungerechtigkeit auf dem Platz bleibt dabei völlig im Hintergrund: Sie betrifft die ägyptische Nationalmannschaft selbst. Denn obwohl die Kopten rund 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung ausmachen, findet sich in der gesamten Nationalmannschaft kein einziger christlicher Spieler. Mehr noch: Selbst in den ägyptischen Clubmannschaften spielt nur ein einziger Kopte. Systematisch werden christliche Fußballspieler aus den Kadern ausgeschlossen.
Nur sechs koptische Fußballer in 50 Jahren
Die Organisation Coptic Solidarity schreibt: „Derzeit gibt es keine bekannten koptischen Spieler in der ägyptischen Fußballnationalmannschaft, weder in der A-Nationalmannschaft noch in der B-Nationalmannschaft oder den Jugendnationalmannschaften. Dies ist seit Jahren der Fall, obwohl es in Ägypten eine große christliche Minderheit gibt.“ Neben Fußball treffe dies auch auf Basketball, Volleyball, Handball und die olympischen Disziplinen zu.
Im letzten halben Jahrhundert haben es nur 6 koptische Fußballer geschafft, in einem der wichtigsten Fußballclubs mitzuspielen. Obwohl die Diskriminierung ein offenes Geheimnis ist, tabuisieren die Medien das Geschehen. Als der christliche Sportreporter Khalid Al Ghandour auf den Ausschluss der koptischen Spieler hinweist und die Ungerechtigkeit anprangert, wirft ihm der Sportmedienverband vor, er stachelte zu „Hass“ und „Fanatismus“ an.
Falscher Name, falscher Glaube, falsches Tattoo
Zwangskonversion als Voraussetzung
Dabei gibt es zahlreiche Berichte aus der koptischen Sportwelt, die das inoffizielle Ausschlussverfahren belegen. Als Pierre Zouhair Shafiq dem Kairoer Fußballclub Al Ahli beitreten will, weist ihm der technische Leiter den Weg zur Ausgangstür, nachdem klar wird, dass er Christ ist. Der El Minya Sports Club fordert einen Spieler dazu auf, zum Islam zu konvertieren, bevor er spielen darf. In einem anderen Fall sollte eine Namensänderung erfolgen; eine verschleierte Aufforderung zur Konversion. Bei einem Spieler reichte ein Kreuz-Tattoo als Ausschlussgrund.
Coptic Solidarity hat allein 25 verschiedene Fälle registriert, in denen christliche Fußballer explizit wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden. Bassam Al Sayyid Hawash wollte im Jahr 2007 beim Maghaghah District Club anfangen. Der Trainer sagte ihm: „Du bist Christ, und Christen spielen keinen Fußball!“ Fady Gouda Nakhla, der 2015 beim Club Al Nasr spielen wollte, spricht davon, wie der Trainer seine Fähigkeiten preiste und ihn deswegen „der Zauberer“ nannte. Kaum dass er bei seinen Personalien das Feld mit der Religionszugehörigkeit ausfüllte, entließ er ihn.
Islamisierung sogar im Fußball
Dass die ägyptische Sportszene frei von koptischen Einflüssen bleiben soll, ist auch auf eine bewusste Islamisierung der Gesellschaft zurückzuführen. Im Ausland soll das Bild einer homogenen Nation entstehen. Der ehemalige technische Leiter der ägyptischen Nationalmannschaft, Hassan Shehata, ließ die Mannschaft auf Auslandsreisen stets von einem muslimischen Geistlichen begleiten, der den Koran rezitierte. In einem Interview sagte er: „Die Beziehung eines Spielers zu Gott und sein korrektes Verhalten sind wichtige Faktoren bei der Auswahl der Spieler, die Ägypten auf internationaler Ebene vertreten.“
Dabei ist die Mannschaft nicht nur für die Selbstwahrnehmung wichtig. Mohamed Salah, der als Spitzenspieler der Mannschaft gilt und bekannt geworden ist für seinen offen zelebrierten muslimischen Glauben im Spiel, gilt in dieser Hinsicht als nützliches Instrument. So zitiert Coptic Solidarity ein Statement der Al-Azhar-Universität: „Jedes Tor, das Mohamed Salah schießt, fördert den Islam in Europa, lässt die Engländer den Islam in den höchsten Tönen loben und verändert die Sichtweise der Europäer auf den [islamischen] Bart.“
Text: Peter Fuchs
(sig)




