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50 Jahre Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e.V.

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Am 10. Dezember 2008 wurde in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg ein Festakt „50 Jahre Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e.V.“ gefeiert. Denn genau vor einem halben Jahrhundert, am 10. Dezember 1958, wurde in Königstein im Taunus dieses „Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e.V.“ gegründet. Seit Ende 1983 aber – der Hälfte der Zeit seines Bestehens – ist das Institut der Bischöflichen Zentralbibliothek in Regensburg angegliedert.

Seitdem ist Msgr. Dr. Paul Mai, ein gebürtiger Breslauer, der 1. Vorsitzende dieses Instituts. Zu unterscheiden ist dieses Institut vom – oft verwechselten – Ostkirchlichen Institut, das seinen Sitz in der Ostengasse in Regensburg hat und vornehmlich Kontakte zur orthodoxen Kirche pflegt.

Das Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Bewahrung des kirchengeschichtlichen und kulturellen Erbes der verlorenen Heimat ehemaliger deutscher Ostgebiete zum Ziel. Wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet, die Abhaltung wissenschaftlicher Arbeitstagungen mit Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Aufbau einer entsprechenden Fachbibliothek waren die Hauptaufgaben des Instituts.

Die Gründungsväter waren Geistliche des Erzbistums Breslau, Prälat Dr. Kurt Engelbert (1886-1967), der letzte deutsche Direktor des Diözesanarchivs, Diözesanmuseums und der Dombibliothek in Breslau, und sein Bruder Msgr. Josef Engelbert (1891-1969), die beide in Hildesheim eine neue Heimat gefunden hatten. Neben Schlesiern gehörten auch Ermländer und Schneidemühler zu den Gründungsmitgliedern. Nach Prälat Engelbert war das Institut mit dem Namen Prof. Dr. Bernhard Stasiewski (Bonn) als Vorsitzendem 1968-1983 verknüpft.

Zum Festakt in Regensburg fanden sich nun rund 40 Mitglieder und Freunde des Instituts aus ganz Deutschland ein, darunter der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Flüchtlings- und Vertriebenenseelsorge, Weihbischof Gerhard Pieschl aus Limburg, der Bischof von Görlitz, Dr. Konrad Zdarsa, der Visitator für Breslau und Glatz, Pälat Franz Jung aus Münster, sowie der Bundestagsabgeordnete a.D. Helmut Sauer, Salzgitter. In Vertretung des Regensburger Diözesanbischofs Dr. Gerhard Ludwig Müller erschien Weihbischof Reinhard Pappenberger. In seinem Grußwort unterstrich Weihbischof Pappenberger, dass das Wirken von Msgr. Mai in diesem Institut der Intention des früheren Regensburger Diözesanbischofs Dr. Rudolf Graber entsprach, der das Bistum Regensburg und seine Kulturinstitutionen in einer Brückenfunktion zum Osten sah.

Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Arno Herzig (Hamburg) über „Stand und Perspektiven der Schlesienforschung“. In der Zusammenschau aller in der Bundesrepublik Deutschland tätigen Institutionen auf diesem Gebiet stellte Herzig dem Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte ein hervorragendes Leistungszeugnis aus: Das nur ehrenamtlich geführte Institut habe mit 40 Bänden der „Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands“ im renommierten Böhlau-Verlag, 18 Bänden der „Arbeiten zur schlesischen Kirchengeschichte“ und 48 Bänden der Institutszeitschrift „Archiv für schlesische Kirchegeschichte“ eine Leistungsbilanz vorgelegt, die von keinem anderen Institut übertroffen worden sei.

Während des Festakts wurde Bischof Dr. Zdarsa von Görlitz, dem Oberhirten der Nachfolgediözese Breslaus auf deutschem Boden, der druckfrische Band 39 der „Forschungen und Quellen“ aus der Feder von Prof. Dr. Konrad Hartel über „Ferdinand Piontek (1878-1963). Leben und Wirken eines schlesischen Priesters und Bischofs“ überreicht. Die Regensburger Blechbläser unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Thomas Löffelmann boten eine würdige musikalische Umrahmung.

Aus der Riege der Nachwuchswissenschaftler stellte der dem Institut eng verbundene Privatdozent Dr. habil. Rainer Bendel (Tübingen) „Vorstellungen für eine künftige Zielsetzung und organisatorische Struktur für die Kirchen- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas“ vor. Die Begriffe „Verständigung und Versöhnung“ müssten in diesem der katholischen Kirche zugeordneten und vom Verband der Diözesen Deutschlands getragenen Institut auch in Zukunft einen zentralen Stellenwert einnehmen.