News Bild 333 Jahre Wallfahrt am Kreuzberg: Pastoralbesuch von Bischof Rudolf anlässlich des Skapulierfestes in der Pfarrei „Unsere Liebe Frau vom Kreuzberg“ in Schwandorf

333 Jahre Wallfahrt am Kreuzberg: Pastoralbesuch von Bischof Rudolf anlässlich des Skapulierfestes in der Pfarrei „Unsere Liebe Frau vom Kreuzberg“ in Schwandorf

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Am 16. und 17. Juli wurde in der Pfarrei „Unsere Liebe Frau vom Kreuzberg“ in Schwandorf das „Skapulierfest“ im Klostergarten (mit Weinbrunnen, indischen und bayerischen Spezialitäten, Spielstraße für Kinder, Hüpfburg uvm.) gefeiert. Für Bischof Rudolf Voderholzer war dies ein Grund für einen Pastoralbesuch und um gemeinsam mit den Brüdern und Schwestern vom Karmelitenorden und den vielen Gläubigen das Pontifikalamt in der Wallfahrtskirche zu feiern. Seit 333 Jahren gibt es die Wallfahrt schon, die Karmeliten wirken seit 127 Jahren auf dem Kreuzberg. Beim anschließenden Besuch des Skapulierfestes wurde dem Bischof ein Geschenk überreicht.

 

Großer Andrang zum Festtag

Prior Pater Francis Lawrence, Pater Soloman Varghese, Kaplan Aneesh, Diakon Frater Pradeep, Dekan Hans Amann (St. Jakob), die indischen Schwestern, Kirchenpflegerin Gabi Heisler, Pfarrgemeindesprecher Stephan Flierl, Kommunionkinder und Firmlinge, fast alle der 35 „Berg-Ministranten“ sowie etliche Ehrengäste (darunter Oberbürgermeister Andreas Feller und Landrat Thomas Ebeling empfingen den Oberhirten aus Regensburg am Pfarrheim, wo die „Kreuzberg-Musikanten“ zur Begrüßung aufspielten. „Jeden Sonntag ist der Bischof in der Diözese unterwegs, um Pfarreien zu besuchen. Wir sind stolz, dass Sie heute mit uns das Skapulierfest feiern“, freute sich Gabi Heisler, die Rudolf Voderholzer im Namen der Pfarrei herzlich willkommen hieß. Angeführt von den Ministranten zog die Geistlichkeit in die Wallfahrtskirche ein, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Viele nahmen sogar Stehplätze in Kauf, um gemeinsam mit dem Bischof den Gottesdienst zu feiern.

Zuhören ist manchmal wichtiger als Gastfreundschaft

In seiner Predigt bezog sich Bischof Rudolf auf die 1. Lesung (aus dem Buch Genesis, als Abraham mit seiner Frau Sarah alles aufbot, um die drei Männer, die plötzlich vor ihm standen, zu bewirten, die ihm später einen Sohn voraus sagten), die 2. Lesung (aus dem Brief des Apostel Paulus an die Kolosser) und das Evangelium nach Lukas (als Jesus in einem Dorf von Martha verköstigt und versorgt wurde, während ihre Schwester Maria nur seinen Worten zuhörte). Martha wurde fast ein bisschen „bissig“, als sie Jesus bat, ihrer Schwester zu sagen, dass sie ihr helfen sollte. Jesus sagte jedoch: „Du machst dir viele Sorgen und Mühen, aber nur eins ist notwendig. Maria hat das bessere gewählt.“ Eine Antwort, die die tätigen Menschen fast zur Weißglut brachte. „Es geht dabei nicht um die Abwertung der Arbeit oder der Gastfreundschaft“, so der Bischof. Es zeige, wie wichtig es sein muss, zur rechten Zeit alles liegen und stehen zu lassen, um auf Jesus zu hören. „Vieles ist wichtig, nur eines ist notwendig – sich auf seine Worte einzulassen.“ Wichtige Worte werden uns gesagt, geben uns Würde und bringen Zuneigung zum Ausdruck. Viele hätten Angst vor dem Sonntagnachmittag, weil da nichts los ist, sie flüchten in Aktionismus – vor der Stille, dem Hören, dem Infarkt. Das entscheidendste Wort sei Jesus selbst.

 

Das Wichtigste bei Abraham war nicht der Aufwand, den er und seine Frau betrieben, um drei Fremde zu bewirten, sondern die Verheißung, dass die beiden alten Leute übers Jahr einen Sohn bekommen werden – Isaak, an dem die Erfüllung der Verheißung hängt, dass er Stammvater werden wird. Im Rahmen der großen Gastfreundschaft wird die Zukunftsfähigkeit Abrahams und des ganzen Volkes Gottes verheißen. Durch sie hätten manche, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Am Ursprung des Karmelitenordens standen Menschen, die sich zum Gebet zusammen fanden, um für Menschen dasein zu können. „Der Ursprung ist die Hingabe an Gott, Gehorsam und Offenheit für Gottes Wort.“

 

Maria habe Jesus Christus zur Welt bringen dürfen zum Heil der Menschen. Bischof Voderholzer war es ein Herzensanliegen, den Karmeliten-Brüdern aufrichtig zu danken, dass sie auf dem Kreuzberg eine Oase bereiten, in der die Menschen Gottes Wort begegnen können, aber auch für den Dienst, den sie den Menschen leisten. „Danke und vergelt’s Gott auch für die Ausrichtung dieses Festes, Dank an alle, die mithelfen, dass der Kreuzberg ein Ort der Gottesbegegnung ist.“ Ein weiterer Dank galt allen, die sich für Kirche und Wallfahrt einbringen, die dem Glauben einen Sinn geben und dies auch zuhause vermitteln, auf die Worte Gottes hören und sich an ihm orientieren. Bevor er den Pilgern Gottes Segen mit auf den Weg gab, bat der Bischof, auch die Vortragsveranstaltung zum Turiner Grabtuch zu besuchen.

Wallfahrt, Karmeliten und Skapulierfest

Der Ursprung der Wallfahrt auf dem Kreuzberg liegt im tiefen Glauben der Schwandorfer Bürger und ihrer innigen Liebe zu Maria. Aufgrund dieser Liebe wollten sie ihr zu Ehren eine Kirche errichten. Am 18. Mai 1678 sprachen der Rat der Stadt und der Bürgermeister beim bischöflichen Konsistorium in Regensburg um die Erlaubnis zum Bau einer kleinen Kirche auf dem Kreuzberg vor, die am 8. Juni 1678 erteilt, aber schon am 18. Juni 1678 wieder zurückgezogen wurde. Die Schwandorfer ließen sich nicht entmutigen und setzten sich erfolgreich für die Rücknahme des Widerrufs ein. Im Spätherbst 1678 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt, die von Franz von Weinhardt, Weihbischof von Regensburg, am 24. September 1679 geweiht wurde. Durch die neue Marienkapelle erfreuten sich die Wallfahrten auf dem Kreuzberg immer größerer Beliebtheit und ließen sogar andere Wallfahrten weg fallen. Die Anzahl der Wallfahrten steigerte sich noch mit Aufstellung des Marienbildes, das der Wallfahrtskirche von Stadtpfarrer Matthias Schmidt vermacht wurde, der später in Cham wirkte, wo er verstarb beigesetzt wurde.

 

Mit dem Kapuzinerkloster entstand ein religiöses Zentrum. 1680 ist die erste Niederlassung der Kapuziner verzeichnet. 1685 wurde der Bau eines Klosters begonnen, das die Kapuziner 1690 bezogen. 1693 wurde von Weihbischof Albert Ernst von Wartenberg die Klosterkirche St. Magdalena geweiht. Die Aktivität der Kapuziner führte zum weiteren Wachstum der Wallfahrt, eine Erweiterung der Marienkapelle wurde notwendig. Große Bedeutung für den Fortbestand der Wallfahrt hatte die Errichtung der Skapulierbruderschaft 1722 auf dem Kreuzberg. Skapulier bedeutet Schutzkleid, dieses übergab Maria als Zeichen ihrer Nähe im Jahre 1251 an den Karmeliter General Simon Stock.

 

Sobald die Wallfahrtsseelsorge durch die Karmeliten 1889 übernommen wurde, führten diese die monatlichen Versammlungen wieder ein, wie es die Kapuziner getan hatten. Bis heute ist jeder dritte Sonntag im Monat Skapuliersonntag. Zahlreiche Wallfahrten finden statt, die wichtigsten sind an Christi Himmelfahrt, zum Skapulierfest (3. Sonntag im Juli) und zum Patrozinium (Mariä Himmelfahrt).