News Bild 200. Todestag von Benedikt (Charles) Arbuthnot, letzter Abt des Schottenklosters St. Jakob in Regensburg

200. Todestag von Benedikt (Charles) Arbuthnot, letzter Abt des Schottenklosters St. Jakob in Regensburg

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Am 19. April 1820 starb der 83jährige greise letzte Abt des ehrwürdigen Schottenklosters in Regensburg, Benedikt Arbuthnot. Dr. Hermann Reidel, Diözesankonservator a.D., berichtet über das Leben des Abtes:

Charles Arbuthnot wurde am 23. Februar 1737 als dritter Sohn einer alten adeligen Familie in West Rora bei Peterhead in der Grafschaft Aberdeenshire geboren. Sein Vater James war ein angesehener Landadeliger und gehörte zu einer katholischen Minorität, deren Söhne durch strenge Strafgesetze von gymnasialer Schulbildung und dem Universitätsstudium ausgeschlossen waren. Seine Mutter Margaret entstammte der Familie Gordon of Mill of Fiddes. Die Eltern beschlossen, den elfjährigen Charles auf den Kontinent zu schicken in das schottische Jesuitenkolleg von Douai. Bei der zwanzigtägigen Überfahrt von Peterhead nach Rotterdam lernte er vier schottische Jungen kennen, die unter der Leitung von P. Erhard Grant O.S.B. ins schottische Seminar nach Regensburg reisen wollten. Auf den Rat des Holländers John van Wingarden änderte Charles kurz entschlossen seine geplante Route und ging mit nach Regensburg.

In einem Brief vom 22. September 1748 aus Rotterdam teilte er seinen Eltern diese Entscheidung mit. Die ganze Schiffsreise sei er zudem äußerst seekrank gewesen. Der Briefkontakt mit seinen Eltern ruhte sodann über vier Jahre. Erst nach dem 12. Dezember 1752 erreichte ein neuer Brief seine Familie, in dem er sich über seine Eigenmächtigkeit entschuldigte. Mittlerweile habe er aber in Pater Ildephons Kennedy einen Mentor und Freund fürs Leben gefunden, der ihn in Arithmetik, Geometrie und Philosophie unterrichten würde. Auch die französische Sprache würde er mit Erfolg erlernen. 1756 trat er als Novize ins Kloster ein und erhielt den Ordensnamen Benedikt. Weitere philosophisch-theologische Studien absolvierte er bis zu seiner Priesterweihe im Jahre 1761 im Kloster St. Emmeram. Im selben Jahr übernahm er auch die Vorlesungen von Pater Ildephons, da dieser als Sekretär der „Churfürstlichen baierischen Akademie“ nach München abberufen wurde. Ebenso leitete er nun das hauseigene Schottenseminar.

Für die Münchner Akademie bearbeitete er neun Preisfragen von insgesamt 16, die in den Jahren 1769 bis 1803 in der naturwissenschaftlichen Klasse gestellt worden waren. Erhalten haben sich u.a. die Abhandlung von den Kräften der Körper und der Elemente und über die Preisfrage, ob und was für Mittel es gebe, die Hochgewitter zu vertreiben und eine Gegend vor Schauer und Hagel zu bewahren. Dass die Forschungen Arbuthnots auch in seiner Heimat Anerkennung fanden, zeigte seine Aufnahme als korrespondierendes Mitglied der Edinburgher „Society of Antiquaries of Scotland“ im Jahre 1780.

In den Jahren der Säkularisation konnte Abt Benedikt die Auflösung seines Klosters verhindern, indem er die Abtei und das Seminar als schottisches Nationaleigentum reklamierte. Auch beim Übergang an Bayern 1810 konnte er den Bestand des Klosters erhalten.

Aus Briefen und Publikationen seiner Landsleute nach erfolgten Besuchen im Regensburger Schottenkloster erfahren wir einiges über das Wirken und die Lebensweise des Abtes.

Sein weitläufiger Verwandter Robert Arbuthnot schrieb am 30. April 1785 an seinen Vater von einem Besuch im Kloster, dass der Abt der universale Liebling Jedermanns in der Stadt sei, besonders der Damen, die keine Party geben würden ohne den „cher Prelat“. Er würde alle Arten von Karten mit großem Geschick spielen, hauptsächlich die des französischen l`hombre. Es vergehe auch kein Abend, an dem der Abt nicht zu einer Gesellschaft oder in die Oper gehe.

1800 besucht ihn der schottische Dichter Thomas Campell und setzt ihm ein Denkmal in seinem berühmten Gedicht über die Schlacht von Hohenlinden. Campell pries die Großzügigkeit und das Entgegenkommen des Abtes. Zwei Jahre vor seinem Tode im Jahre 1818 besuchte der englische Theologe und Bibliothekar des Earl of Spencer, Thomas Frognall Dibdin, den greisen Abt und war von seiner Gesundheit und seines guten Aussehens fasziniert. In seinem dreibändigen Werk über seine bibliographische Reise durch Frankreich und Deutschland verewigte er den Abt durch ein glänzendes Porträt des Malers George Lewis im Kupferstich. Abt Benedikt sei dem Maler auch zweimal als Modell gesessen, schreibt der Autor 1821.

Nach dem Urteil von Ludwig Hammermayer war der Schottenabt den Freuden des Lebens „gewiss stets zugetan, doch auf eine eher heitere und kindlich naive Weise, fernab aller Ausschweifungen und Sittenlosigkeit, niemals auf Kosten seiner Würde und seines persönlichen Ansehens.“

Im März 1820 erkrankte der Abt schwer und verstarb am 19. April. Auf dem neuen Friedhof vor dem St.-Jakobs-Tor wurde er beerdigt, nachdem eine Beisetzung in der Klostergruft von den Behörden verweigert wurde. Trotz eines kurzen Auflebens des Klosters in den folgenden Jahrzehnten konnte die Auflösung im Jahre 1862 nicht verhindert werden. Noch kurz zuvor modernisierten die letzten Patres ihre Brauerei und ließen in den Jahren 1854-59 einen Sommerkeller, den späteren Schmauskeller in Kumpfmühl, anlegen.