Fischer vor Booten am Meer

200 Jahre Seefahrer-Prozession in Salvador

Einblick in die Weltkirche


Regensburg, 15. Januar 2026 

Feierliche Messen und Prozessionen zum Jahreswechsel prägen ein traditionelles Fest rund um den Jahreswechsel in Salvador in Bahia in Brasilien. 

Jedes Jahr zum Jahreswechsel feiert die Stadt Salvador, Region Bahia, in Brasilien ein traditionelles Fest mit einer Prozession zu Land und einer zu Wasser. Die festlichen Prozessionen von „Senhor Bom Jesus dos Navegantes“ sind eines der bedeutendsten religiösen Feste in Salvador. Der Titel „Senhor Bom Jesus dos Navegantes“ bedeutet wörtlich „Guter Herr Jesus der Seefahrer“. Dies ist eine Anrufung von Jesus Christus als Schutzherr der Seefahrer und Fischer, der in Brasilien üblich ist. In Salvador symbolisiert die Prozession zum Jahreswechsel die Hoffnung, dass der „Gute Jesus“ das „Schiff des Lebens“ sicher durch das neue Jahr steuern möge. Die Gläubigen danken für den Schutz im vergangenen Jahr und bitten um eine „gute Reise“ (Boa Viagem) für die Zukunft. 

Prozessionen zu Land und zu Wasser

Das Fest beginnt jährlich am 31. Dezember mit der Abholung der Statue des „Bom Jesus“ aus der Kirche „Nossa Senhora da Boa Viagem“. Es ging am 31. Dezember 2025 am Vormittag um 09:00 Uhr mit dem Zuwasserlassen der Galeote „Gratidão do Povo“ los. Um 14:00 Uhr startete am Heiligtum São José die Landprozession mit den Bildnissen des „Senhor Bom Jesus dos Navegantes“ und der „Nossa Senhora da Boa Viagem“ in Richtung Praça da Boa Viagem. Später wurde das Bildnis des Guten Jesus zur Galeote gebracht. Dann ging es in einer Meeresprozession zur Basílica Santuário Nossa Senhora da Conceição da Praia im Stadtteil Comércio. Am 1. Januar 2026 hat Kardinal Sergio da Rocha um 08:00 Uhr eine heilige Messe in der Basílica Santuário Nossa Senhora da Conceição da Praia gefeiert. Um 10:00 Uhr begann die Landprozession von der Basilika zum Pier der Hafenkommandantur, wo das Bildnis des Herrn Jesus erneut auf die Galeote eingeschifft wurde. Mittags, um 12:00 Uhr, erreichte das Bildnis des „Senhor Bom Jesus dos Navegantes“ die Ponta do Humaitá, wo es wieder auf das Bildnis der „Nossa Senhora da Boa Viagem“ trifft. Anschließend werden die Bildnisse wieder in einer Landprozession zum Largo da Boa Viagem geführt, wo der Abschluss der Feierlichkeiten stattfindet.“

Dies ist der Höhepunkt der Feiern, wenn die Statue auf der historischen Galeote "Gratidão do Povo" (Dankbarkeit des Volkes) über die Allerheiligenbucht (Baía de Todos-os-Santos) zurückgebracht wird. Hunderte private Boote eskortieren die Galeote bei dieser maritimen Prozession. Eine Galeote (portugiesisch: Galeota) ist ein historischer Schiffstyp, der im Kern eine kleinere, wendigere Form der Galeere darstellt. Sie zeichnet sich durch die Kombination von Ruderbänken und Segeln aus. Für die Prozession von „Senhor Bom Jesus dos Navegantes“ ist die dabei benutzte Galeote jedoch weit mehr als nur ein Schiff. Bis 1890 hatte der Staat die kaiserliche Galeota für die maritime Prozession ausgeliehen. Nach dem Untergang des Kaiserreiches verlor die Kirche die Unterstützung des Staates. So wurde die „Gratidão do Povo“ 1891 eigens für Feierlichkeiten in Salvador gebaut. 

Ein besonderes Schiff für die Prozession

Es ist das einzige Fahrzeug dieser Art in Brasilien, das noch aktiv für eine religiöse Feier eingesetzt wird. Das Schiff dient während der Prozession als schwimmender Altar. Es wird für die Feier prachtvoll geschmückt und trägt am Neujahrstag das Bildnis des „Senhor Bom Jesus dos Navegantes“ über die Bucht. Ursprünglich waren Galeoten für den Küstenschutz oder als Depeschenboote konzipiert, da sie durch die Ruder unabhängig vom Wind manövrieren konnten. Die „Gratidão do Povo“ wird heute jedoch meist von Schleppern unterstützt oder segelt symbolisch, während sie von einer Ehrengarde aus anderen Schiffen und Booten begleitet wird. Die kostspielige Erhaltung dieses Schiffes wird durch die Marinha do Brasil und lokale Bruderschaften unterstützt, da sie als wichtiges maritimes Kulturerbe gilt.

Zum aktuellen Jahreswechsel hatte diese Prozession ihr 200. Jubiläum. Das Motto der Jubiläumsfeier lautete: "Mit ‚Bom Jesus dos Navegantes‘ und der ‚Mutter von Boa Viagem‘ lasst uns Erbauer des Friedens, der vereinten Familie und der missionarischen Kirche sein." Die Feierlichkeiten wurden vom Erzbischof von Salvador, Kardinal Sergio da Rocha, geleitet. Kardinal da Rocha ist der Primas von Brasilien und gilt als eine der einflussreichsten Stimmen der katholischen Kirche in Lateinamerika. In seiner Botschaft zum Fest drückte der Kardinal bildhaft seinen Wunsch aus, dass sich die Herzen erneut in die Galeote „Gratidão do Povo“ (Dankbarkeit des Volkes) verwandeln mögen, um den Jahreswechsel mit Dankbarkeit und Lobpreis zu begehen und das neue Jahr mit der Hoffnung auf Frieden zu beginnen. Ein Frieden, so der Erzbischof, der ein Geschenk Jesu sei, das es jeden Tag anzunehmen und zu teilen gelte. Frieden, der die Frucht von Liebe und Gerechtigkeit ist, wünschte der Kardinal den Teilnehmern der Feier. 

Der Oberhirte von Salvador ermahnte die Gläubigen zudem, vereint zu beten, ihre Familien zu schätzen und auch in der Kirche die Familie aller zu erkennen. Eine Familie, die die empfangenen Gaben nicht für sich behalte, sondern die allen entgegengehe, „besonders jenen“, so Kardinal da Rocha wörtlich, „die am meisten leiden, um die Freude des Evangeliums und den Frieden des Herrn zu teilen.“ Zum Gebet voller Vertrauen als geeinte Familie und missionarische Kirche lud er die versammelte Gemeinde ein und bat die Gabe des Friedens vom „Senhor Bom Jesus dos Navegantes“ im Vertrauen auf die Fürsprache der Mutter der Guten Reise (Mãe da Boa Viagem) zu erbitten. Ähnliche Feierlichkeiten kennen auch andere Städte in Bahia, doch keine erreicht die Größe und Festlichkeit, wie in Salvador. 

Text: Peter Winnemöller
Foto: Shutterstock/ Joa Souza



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