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175 Jahre Kloster Aiterhofen

Zur Verherrlichung Gottes

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„Wir möchten diesen Gottesdienst mit Ihnen feiern zum Dank für all das Gute, das durch unser Kloster in den 175 Jahren seines Bestehens zur Ehre und Verherrlichung Gotts in die Welt gekommen ist. Wir bitten Gott, dass auch die Zukunft unseres Klosters eingebettet sei in seine gütigen Vaterhände.“ Das hat Schwester Anita Heimerl vom Kloster Aiterhofen (Landkreis Straubing-Bogen) bei ihrer Begrüßung zu Bischof Rudolf Voderholzer als bisherige Generaloberin der vergangenen 18 Jahre gesagt. Wenige Minuten später erhielt Sr. Maria Kreiner aus der Hand des Bischofs die bischöfliche Bestätigung der Wahl zur neuen Generaloberin für die kommenden sechs Jahre.

Zu Beginn des Gottesdienstes in der mit Sonnenblumen geschmückten Kirche mit den brennenden Apostelleuchtern hielt Sr. Anita Heimerl einen Rückblick auf die Gründung des Klosters, die auf Anna Fraundorfer aus Geltolfing zurückgeht. Sie wurde am 11. Januar 1806 geboren und wuchs in einer tiefgläubigen Söldnerfamilie auf, in der sie Nächstenliebe und „Gott die Ehre geben“ lernte. Dies gab die Familie auch an andere junge Mädchen weiter, die gemeinsam „herrliche und fromme Lieder“ sangen, sich mit den Evangelien und dem Lebenswandel von Heiligen beschäftigte. Der Wunsch nach einem religiösen Leben in Gemeinschaft wuchs für die jungen Frauen. „Sie mussten vielen Prüfungen standhalten, viel Mühe, unzählige Gänge, Anträge und Gesuche waren nötig; bald musste an die königliche Regierung von Niederbayern, bald an das Ordinariat Regensburg geschrieben werden“, erinnerte Sr. Anita Heimerl. Auch Verdächtigungen und Verleumdungen mussten Anna Fraundorfer und ihre Gefährtinnen über sich ergehen lassen.

Pfarrer Anton Plöderl aus Geltolfing und Segenspfarrer Franz Sales Handwercher aus Oberschneiding unterstützten die jungen Frauen; sorgten auch für den Tausch mit dem „Wiesenackerl“ der Fraundorfers für einen Bauplatz des Klosters. Nach neun Jahren Geduld und Kampf für ihre Ideale wurde am 26. April 1846 durch König Ludwig I. von Bayern die Genehmigung zur Errichtung des Klosters erteilt. Das erste Ziel Anna Fraundorfers, die bei der Einkleidung 1849 den Namen Schwester Maria Angela erhielt, war es, mit ihren Gefährtinnen der „Ehre und Verherrlichung Gottes“ zu dienen, und das möchten auch die Schwestern der heutigen Zeit im Kloster der Franziskanerinnen von der Buße.

Neue Generaloberin

Bischof Rudolf erinnerte daran, dass drei Anlässe an diesem Tag in der Klosterkirche zusammenführten. Zum einen die Freude und Dankbarkeit für die 175 Jahre seit der Klostergründung – coronabedingt war im Frühjahr keine Feier möglich, so wurde die Feier auf die Zeit des Generalkapitels geschoben. Und das sei der zweite Anlass: das Generalkapitel mit der Neuwahl von Sr. Maria Kreiner. „Diese Wahl wird durch mich als Bischof von Regensburg bestätigt und ich überreiche mit Gratulation die Urkunde“, betonte Bischof Rudolf. Auch das Generalkapitel musste unter der Corona-Pandemie leiden, denn eine Anreise der Schwestern aus Brasilien und Bolivien war nicht möglich. Als dritten frohen Anlass zum Feiern nannte Bischof Rudolf das Fest Verklärung Christi. Und darauf ging er später dann auch in seiner Predigt ein. Die Verklärung Christi am Berg Tabor sei kein Wochenendausflug gewesen, sondern hatte einen dramatischen Hintergrund. Bischof Rudolf sprach von einer Schlüsselstellung im öffentlichen Wirken Jesu. Bis dahin habe er gepredigt und Wunder gewirkt, aber der Erfolg sei nach anfänglichem Jubel mäßig gewesen und immer mehr Widerstand regte sich. Nun war für Jesus klar und er war sich bewusst, dass er den Weg nach Jerusalem antreten muss. „So steht die Verklärung Christi eigentlich am Anfang des Kreuzweges“, resümierte der Bischof. Jesus zog sich zum Beten zurück und nahm drei Apostel mit, die ihn später auch am Ölberg begleiteten. Er wurde in vollkommenes Licht getaucht und die Stimme Gottes war zu hören: „Das ist mein geliebter Sohn.“ So erhielt er „Rückenwind“ und mit diesem Zuspruch auch Kraft, die schweren und leidvollen Stunden bestehen zu können, um den Sühnetod auf sich zu nehmen.

Taborstunden

„Taborstunden werden auch uns immer wieder geschenkt“, betonte Bischof Rudolf und erinnerte an schöne Musik, an das Unterwegssein in herrlicher Natur oder an berührende Begegnungen. „Davon zehren wir und davon leben wir. So kann auch manche Bürde und manches Schwere im Alltag angenommen werden“, resümierte der Bischof. Damit schlug er die Brücke zur Geschichte des Klosters Aiterhofen und erinnerte, dass im Hause Fraundorfer die Gründerin so manche Taborstunden erleben durfte. Der herzensgute Vater gab unheimlich viel an Güte und Freigiebigkeit, an Licht und Wärme weiter. So konnte die Gründerin viel Schwieriges ertragen und Licht in den Orden hineinstrahlen lassen. Tiefe Dankbarkeit für dieses Wirken, für das Charisma der Gründerin, für den Anfang und auch für all die 175 Jahre erfülle uns heute. In den vielen Jahren wurden die Zeichen der Zeit immer wieder neu gedeutet: anfangs die Sorge um die unehelichen Kinder, später die Schulen und die Annahme des Charismas der Missionsarbeit. Während in Brasilien und Bolivien mehr die Herausforderung der materiellen Not zu sehen sei, stelle man sich bei uns in Deutschland der geistlichen Herausforderung.

Vergelts Gott

 „Vergelts Gott für alles Wirken“, sagte Bischof Rudolf zu den Schwestern und schlug durch die Videoaufnahmen auch eine Brücke nach Brasilien und Bolivien. Besondere Grüße überbrachte er noch den Schwestern und Mitarbeiterinnen der Paramentenstickerei von Priestern aus dem Bistum Trier.

Gemeinsam mit Klosterpfarrer Franz Pfeffer, Regionaldekan Johannes Hofmann, Dekan Josef Ofenbeck und der Aiterhofener Urlaubsvertretung Pfarrer Kenneth feierte der Bischof die Eucharistie am Altar. Bei den Fürbitten waren Symbole zum Altar gebracht worden, mit denen die Schwestern Dank und Fürbitte überbrachten. Den musikalischen Bestandteil der Liturgie gestalteten Tobias Hierold an der Orgel, Georg Kulzer mit der Trompete, Christa Oswald an der Querflöte und Sr. Klara Hofer mit Gesang. Klosterführung und ein gemeinsames Abendessen rundeten den Bischofsbesuch zum Jubiläum ab.