News Bild 150. Todestag des seligen Paul Josef Nardini

150. Todestag des seligen Paul Josef Nardini

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Sehr verehrter Herr Superior, die Mallersdorfer Schwestern gehören dem Orden der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie an. Was bedeutet das konkret? Welche Lebensweise führt dies mit sich?
Franziskanische Lebensweise bedeutet, dass man sehr bewusst arm lebt, also ohne eigenen Besitz. Außerdem geht man sehr bewusst auf Andere zu, in einer Form, dass man stets für Andere da ist. Das sind die zwei Grundpfeiler der franziskanischen Lebensweise.

Wie viele Schwestern leben aktuell hier in Mallersdorf?
Im sogenannten Mutterhaus, haben wir etwa 160 Schwestern. In unserem Altenheim St. Maria nochmals 340 Schwestern. Insgesamt gehören dem Orden rund 900 Schwestern an.

Das Leitwort der Mallersdorfer Schwestern lautet: caritas Christi urget nos. Was bedeutet es?
Das Leitwort der Schwestern stammt aus dem zweiten Korintherbrief: „Die Liebe Christi drängt uns.“ Die Mallersdorfer Schwestern erkennt man daran, dass sie dieses Leitwort auf einer Brosche am Herzen tragen. Das ist eigentlich ein sehr schönes Leitwort, denn es wird deutlich, wir möchten, dass man den Menschen mit Liebe begegnet. Der Gründer der Mallersdorfer Schwestern, Paul Josef Nardini, hat das sehr deutlich ausgedrückt: das Evangelium muss man den Menschen durch Werke der Liebe deutlich machen.

Sie kamen gerade auf den Gründer zu sprechen. Wie kam es denn zur Ordensgründung?
Ein Priester in der Diözese Speyer, und zwar in Pirmasens, hat die Not der Familien gesehen und wollte sie lindern. Er hat Frauen um sich gesammelt, die ihn dabei unterstützt haben. So kam es zur Gründung der Ordensgemeinschaft der Mallersdorfer Schwestern.

Pirmasens liegt in Rheinland-Pfalz. Wie kam der Orden dann nach Niederbayern?
Das ist eine ganz interessante Geschichte. Die Gründung in Pirmasens war sehr spontan. Viele junge Frauen haben sich Nardini angeschlossen und nach wenigen Jahren waren sie dann schon so viele, dass der Platz zu klein wurde in Pirmasens. Da gab es dann wirklich Probleme mit der Stadtverwaltung, die dagegen war, dass der Orden sich so ausbreitet. Nardini hat dann nach einem geeigneten Ort gesucht, um den Orden fest anzusiedeln. Nachdem der Orden in Regensburg schon bekannt war, hat der damalige Bischof Ignatius von Senestrey den Schwestern Mallersdorf angeboten. Denn hier gab es ein säkularisiertes Kloster. Ein wichtiger Grund war die Bahnanbindung. Hier in der Nähe in Neufahrn verläuft die Bahnstrecke und das war zu der damaligen Zeit natürlich ganz wichtig.

Das Kloster blickt auch schon auf eine lange Geschichte zurück. Wann wurde es eigentlich gegründet?
Das Kloster hier in Mallersdorf war ein Benediktinerkloster, das 1109 gegründet wurde und zwar von Benediktinern vom Michelberg, aus der Diözese Bamberg. Das Kloster wurde dann im Laufe der Zeit sehr bedeutend. In der Barockzeit wurde das Kloster Mallersdorf dann sogar „Sedes sapientiae“ – Sitz der Weisheit – genannt. Das ist schon eine große Auszeichnung! Nach der Säkularisation hat es dann das Schicksal erlitten wie viele andere Klöster auch, die aufgelöst wurden. Viele Jahrzehnte lang hat das Kloster dann laufend den Besitzer gewechselt. Und schließlich haben die Schwestern es 1869 gekauft.

2006 wurde Paul Josef Nardini selig gesprochen. Welche Bedeutung hat das für uns Menschen heute?
Seligsprechung bedeutet, dass das Leben eines Menschen wirklich gut durchleuchtet und am Ende festgestellt wird: derjenige hat so gelebt, dass wir ganz sicher sein dürfen, dass er bei Gott ist. Dieser Seligsprechungsprozess war für die Ordensgemeinschaft ein ganz wichtiges Ereignis. Für die einzelne Schwester ist das natürlich ein schöner Ansporn, ähnlich wie der Gründer selbst auch auf diesem wichtigen und richtigen Weg zu sein. Und wir sind natürlich auch überzeugt, dass der Gründer vom Himmel auf unsere Gemeinschaft schaut, die er mit großem Mut gegründet hat.

Was weiß man darüber hinaus über Nardnins Persönlichkeit? Was für ein Mensch war er?
Mich persönlich fasziniert Nardini ungemein. Er war ein Priester, der hochintelligent war aber nie nach Höherem strebte, sondern immer Seelsorger sein wollte. Die persönliche Biographie zeigt – wir würden heute sagen – wie ein gebrochenes Leben wirklich zu einer großen Reife geführt werden kann.

Es gibt hier im Kloster einen Gedenkraum mit einer Dauerausstellung über Nardini. Seit wann gibt es diese Ausstellung und was ist da zu sehen?
Diesen Gedenkraum hat die Ordensgemeinschaft eingerichtet nach der Seligsprechung. Der hauptsächliche Beweggrund war, den Schwestern der Ordensgemeinschaft Gelegenheit zu geben, ihren Gründer näher kennenzulernen durch persönliche Begegnung und durch Dinge, die ihm gehörten und die hier ausgestellt sind. Es soll hier ganz bewusst eine Begegnung der einzelnen Schwester mit dem Gründer ermöglicht werden. Das denke ich, ist hier in dem Gedenkraum sehr schön gelungen.

Der Raum ist aber nicht ausschließlich für Schwestern zugänglich?
Nein, der Raum ist natürlich auch für Besucher des Klosters zugänglich. Wir haben hier viele Besucher. Zum Beispiel kommen Verbände oder Vereine um das Kloster zu besichtigen. Und für diese Gäste ist der Raum dann auch eine interessante Begegnung, weil sie einen Priester kennenlernen, der nicht nur mutig gegen die Not der Zeit angekämpft hat, sondern der wirklich auch durch seine ganze Lebensform überzeugt.

Haben Sie ein Lieblingsstück hier in dem Raum? Welches ist das?
Ja, ich habe ein Lieblingsstück. Das ist der leere Geldbeutel von Nardini. Ich finde die Symbolik sehr schön: ein Mann, der es ernst nimmt mit dem Glauben, der kann nur freigiebig sein. Das war Nardini.

Wie hat sich der Orden nach dem Tod des Gründers weiterentwickelt?
Er hat sich sehr schnell und sehr breit weiterentwickelt, bis hinein nach Rumänien. In Siebenbürgen ist auf Grund persönlicher Beziehungen sehr schnell eine Gründung erfolgt. Und natürlich im Bistum Regensburg: in fast jeder zweiten Pfarrei waren Mallersdorfer Schwestern. In den 50er und 60er Jahren haben rund 4.000 Schwestern in der Ordensgemeinschaft gewirkt.

Das ist eine enorme Zahl. Was machen die Schwestern eigentlich den ganzen Tag?
Das ist unterschiedlich. Wir haben einen Kindergarten, wir haben eine Realschule für Mädchen, wir haben eine Fachakademie für Sozialpädagogik. Dann muss natürlich hier in einem so großen Haus viel an täglicher Hausarbeit erledigt werden. Das verrichten auch die Schwestern. Außerdem ist im Altenheim St. Maria die Pflege der älteren Schwestern eine ganz wichtige Aufgabe.

Wie sieht es denn mit dem Ordensnachwuchs aus?
Wir haben derzeit eine Novizin, aber sonst ist die Altersstruktur sehr hoch. In Rumänien hingegen ist es eigentlich eine mittlere Altersstruktur. Da sind wir sehr zufrieden. In Südafrika haben wir auch viele junge Schwestern, aber hier bei uns in Deutschland, fehlt der Nachwuchs. Und da kann ich nur alle jungen Frauen und Mädchen motivieren, einfach mal bei uns vorbei zu schauen. Es lohnt sich.

Ich habe gesehen, die Schwestern haben auch Einsatzorte im Ausland. Was hat es damit auf sich?
Seit rund 20 Jahren, seitdem das kommunistische Regime gefallen ist, dürfen die Schwestern auch dort wieder tätig sein. In Südafrika haben wir auch eine schöne Station, wo die Schwestern seit 1955 aktiv sind. Aus Anlass des 100jährigen Gründungsjubiläums der Ordensgemeinschaft haben die Schwestern beschlossen auch in die Mission zu gehen. Seit dieser Zeit wirken die Schwestern in Südafrika.

Wie auch in vielen anderen Klöstern gibt es hier eine eigene Bäckerei, eine Wäscherei. Aber hier in Mallersdorf gibt es ja auch noch eine weitere, eine besondere Einrichtung. Welche ist das?
Eine Besonderheit ist unsere Brauerei, die mit einer Brauschwester sicherlich etwas Ungewöhnliches ist.

Das Kloster ist der Altersitz eines prominenten Bewohners. Wieso hat Bischof emeritus Manfred Müller sich gerade das Kloster Mallersdorf ausgesucht?
Die Kongregation – also die Gemeinschaft – ist bischöflichen Rechtes. Das heißt, der jeweilige Bischof von Regensburg ist der Oberste Leiter der Ordensgemeinschaft.
Ich zum Beispiel bin als Vertreter des Bischofs hier in der Ordensgemeinschaft. Bischof emeritus Manfred Müller kennt die Schwestern sehr gut und wollte seinen Lebensabend deshalb gerne hier verbringen. Und ich denke, er fühlt sich sehr wohl hier.

Am diesem Wochenende steht ein großes Ereignis ins Haus. Was findet genau statt?
Wir begehen an diesem Wochenende den 150. Todestag des seligen Nardini. Darauf freuen wir uns schon. Wir fahren am Freitag, das ist der eigentliche Sterbetag, mit der Ordensleitung nach Pirmasens. Am Samstag und am Sonntag haben die Schwestern hier im Kloster einen Einkehrtag. Das heißt, sie nutzen dieses Gedenken an den Todestag dafür, über die eigene Berufung nachzudenken und über die Gemeinschaft. Und wir freuen uns sehr, dass am Samstag der Bischof von Speyer, Bischof Wiesemann, den Abschlussgottesdienst hält. Am Sonntag kommt unser Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller und feiert mit den Schwestern zum Abschluss ein Pontifikalamt.

Das Interview führte Eva Djakowski - Bischöfliche Presse- und Medienabteilung - am 25.01.2012 mit Superior Dr. Wilhelm Gegenfurtner im Kloster Mallersdorf