„Glaubende, hoffende und liebende Menschen werden“ - Podiumsdiskussion mit Bischof Stefan Oster – Großes Interesse im überfüllten Kolpingssaal

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„Wer vom Herrn berührt wird, dessen Leben ändert sich. Wenn man dem Herrn begegnet, ändert sich alles“ sagt Bischof Stefan Oster sichtlich gerührt über seine Berufungserlebnis, das sein Leben auf den Kopf stellte und die Menschen im vollbesetzten Saal in gespannte Stille versetzte. Der erst am vergangenen Samstag zum Bischof von Passau geweihte Salesianerpater  sprach vor begeistertem Publikum zum Thema „Junger Bischof – junge Kirche“ und gestand, dass er „Gott irgendwann wieder so begegnet ist, wie in seinem Kinderglauben“. Bischof Stefan Oster ist der jüngste deutsche Bischof, der eine Diözese leitet. „leben Sie authentisch das Evangelium, dann kommen die jungen Leute von selbst“ rief er seinen Zuhörern zu.

Hunderte von enttäuschten Menschen blieben vor den Toren des Kolpingshauses zurück, als bereits kurz nach 13 Uhr der Saal als „überfüllt“  geschlossen wurde. Die ersten waren bereits um halb elf gekommen. Begeistert, ja fast frenetisch wurde Bischof Stefan Oster, mit seinen Gesprächspartnern empfangen. Mit am Podium war Monsignore Erwin Albrecht, der kirchliche Beauftragte für Hörfunk und Fernsehen im Bayerischen Rundfunk, die Grundsatzreferentin Andrea Glodek vom Bistum München sowie Theresa Unsinn von der Gebetsgruppe „God for you““, die Salesianerpater Stefan Oster in Benediktbeuren gegründet und aufgebaut hat. Moderiert wurde von Harry Landauer.

„Jugend, Medien und Gebet“ war das Thema der Gesprächsrunde. „Ich weiß noch gar nicht, wie Bischofsein geht“ gestand Oster lachend seinen Zuhörern, als er gefragt wurde wie er mit der Welle der Freude und Begeisterung sowie den Erwartungen an eine „junge Kirche“ umgeht. Schnell wurde unter den Diskussionsteilnehmern klar: Junge Kirche ist eine lebendige Kirche, eine Kirche in die man gerne geht, in der der Glaube gelebt wird wie er ist. Jung sei eine Frage der Offenheit und nicht des Alters. Wenn man Papst Franziskus mit seinen beinah 80 Jahren erlebt, komme vieles ganz jung rüber. „Dort, wo wir den Geist Gottes wirken lassen, dort sei die Kirche jung. Dann habe auch der alte Mensch ein junges Gesicht. „Wenn wir glauben, dass der Heilige Geit die Kirche führt, dann müssen wir ihm die Führung überlassen“ betonte Oster.  Sobald er sprach, herrschte gebannte Ruhe und dann gab es immer wieder viel zu lachen und es brandete Zwischenapplaus auf.

Gefragt auf den „Medienhype“ um Bischof Oster stellte Monsignore Albrecht fest, dass  die Bischofsweihe ein geistliches Ereignis gewesen sei, verknüpft mit viel Jubel, tollem Mitfeiern und hoher Zuschauerquote. „Ich denke, es ist schön, dass wir miteinander Oster-Fest feiern können“ lachte Albrecht. Beten sei kein „auswendig gelerntes Wörtersagen“, so Bischof Stefan, sondern „Beten ist gelebte Gottesbeziehung“. Schon die Jünger hätten von Jesus gefordert: Herr lehre uns beten. Meine Lieben! Wir brauchen Verkündiger, die wissen wovon sie reden. Das ist die Aufgabe für uns alle!“ sagte Bischof Stefan und forderte auf, das Wort Gottes Ernst zu nehmen und die Bibel zu lesen. „Wir Katholiken sind nicht gut im Umgang mit der Heiligen Schrift. Manche kriegen zur Hochzeit eine eingeschweißte Bibel geschenkt, die steht nach der Beerdigung noch immer so im Regal“. 

 

Gefragt nach dem Passauer Pastoralplan, der vor 14 Jahren mit hoher Kompetenz durch Haupt- und Ehrenamtliche erarbeitet wurde, meinte Bischof Stefan, dass dieser jetzt nicht mehr 1:1 aufgreifbar sei. Beim Durchlesen habe er so manches Fragezeichen an den Rand gesetzt. Die geistliche Erneuerung sei wichtig, dann könnten auch Strukturen verändert werden. Erneuerung komme nicht zuerst durch Drehen an der Strukturschraube. Stets sei beispielsweise Ordensgründungen ein charismatischer Aufbruch vorausgegangen. „Immer neu Jesus finden“, das mache nicht der Bischof, sondern alle Gläubigen gemeinsam. „Ich habe sehr viel von jungen Leuten gelernt“ so Oster. Christen sollten authentisch das Evangelium leben, dann könnten sie auch andere mitreißen: „Christentum wächst nie durch Propaganda, nur durch Anziehung“.

Viele Fragen aus dem Publikum kamen. Unter anderem auch nach Frauen in der Kirche. Hier verwies er auf eine seiner ersten Personalentscheidungen, die Pressesprecherin seines Bistums, Monika Zieringer,  zur Ordinariatsrätin zu ernennen. Die Frage  des Priestertums für Frauen sei aus theologischen Gründen nicht verhandelbar. Genauere Erläuterungen hierzu seien aber in hier in der Kürze der Zeit nicht möglich.   „Freuen sie sich eigentlich über den vielen Applaus“ fragte die 7jährige Dorothea. Und Bischof Stefan Oster gestand lachend: „Ich denke mir dann immer: Herr Jesus, das ist jetzt für dich. Ich will dich verkünden“. Schmunzelnd erzählte er, dass man aufpassen müsse, weil jeder Mensch seine Eitelkeiten habe, auch er. Deshalb solle es beim Jubel, beim Applaus immer um das Evangelium gehen, nicht um Stefan Oster.