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Durch das Kirchenjahr

Zweifelnde Jünger

  • 30.
    Mai
    2021
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… mit Benedikt

Dreifaltigkeitssonntag B – Matthäus 28,16-20

„In jener Zeit 16gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. 17Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. 18Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. 19Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ – Matthäus 28,16-20


Die vier Evangelien berichten sehr unterschiedlich von Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen. Matthäus weiß von Frauen, die an das Grab Jesu kommen, es aber leer vorfinden. Ein Engel teilt ihnen mit, Jesus sei von den Toten auferstanden und werde seinen Jüngern nach Galiläa vorausgehen. Schließlich sehen diese Frauen Jesus selbst. In Jerusalem scheint kein Treffen des Auferstandenen mit den Aposteln stattgefunden zu haben; dazu kommt es vielmehr in Galiläa, auf dem „Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.“

Die Situation scheint schwierig zu sein, denn Matthäus berichtet nun: „Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel.“ Den griechischen Text könnte man auch so übersetzen, dass nicht einige Zweifel hatten, sondern alle elf Jünger zusammen. Und eben dies scheint paradox zu sein. Die Jünger haben ja der Botschaft des Engels, die ihnen von den Frauen berichtet wird, zumindest so weit geglaubt, dass sie sich wirklich von Jerusalem aus auf den Weg nach Galiläa machen und dort auch noch zu dem Berg gehen, den Jesus ihnen genannt hatte. Sie glauben also wohl daran, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Und als sie ihn dann wirklich sehen, fallen sie vor ihm nieder; sie erkennen also, dass da kein Geist vor ihnen steht, keine optische Täuschung, sondern wirklich der Herr, der gekreuzigte und der auferstandene Herr.
 

Die Apostel sind Menschen voller Schwächen

Und dennoch zweifeln sie. Man sollte diese Zweifel nicht einfach abtun. Die Menschen, die dem Auferstandenen begegnen, haben bisweilen nicht nur Zweifel, sondern sogar Angst (vgl. Mt 28,8). Auferstehung bringt unser Leben, die gewohnten Gesetze der Natur, so sehr durcheinander, dass es offenkundig auch etwas Beängstigendes haben kann. Und die Botschaft, Jesus habe den Tod besiegt, ist wahrlich so unfassbar, dass auch Zweifel nicht ausgeschlossen sind. Und gerade diese noch immer zweifelnden Jünger sind es, die von Jesus Christus in die Welt geschickt werden, das Evangelium zu verkünden und zu taufen.

Jesus bedient sich einmal mehr seiner unvollkommenen Jünger. Es zieht sich durch die ganzen Evangelien: Die Apostel sind Menschen voller Schwächen. Judas verrät Jesus, Petrus verleugnet ihn, andere streiten sich über die Rangordnung im Himmelreich, so als hätten sie von der Botschaft Jesu noch nie etwas gehört. Die Schar der Apostel ist nicht der Kreis der absolut Perfekten – ganz im Gegenteil. Das darf uns aber auch Mut für unser Leben geben, für unsere christliche Aufgabe, Zeugnis vom Evangelium abzulegen. Wir müssen diese Aufgabe nicht immer perfekt erfüllen, wir müssen nicht immer frei von Zweifeln sein. Entscheidend ist, dem Herrn entgegenzugehen, sich auf den Weg nach Galiläa zu machen -  immer wieder neu.