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Durch das Kirchenjahr

Täter des Wortes

  • 06.
    November
    2021
  • Uhrzeit
    23:22 Uhr
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… mit Benedikt

32. Sonntag im Jahreskreis B – Markus 12, 38-44

„In jener Zeit 38lehrte Jesus eine große Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt, 39und sie wollen in der Synagoge die Ehrensitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. 40Sie fressen die Häuser der Witwen auf und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet. 41Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. 42Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. 43Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. 44Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“ – Markus 12,38-44

 

Es ist ein typisch jesuanisches Wort, das wir im Evangelium dieses Sonntags hören: In nur ganz wenigen Worten zeigt er seinen Jünger, worauf es in dieser Welt ankommt. Das Bildnis ist so eingänglich, dass es eigentlicher keiner Erklärung bedarf: Die Witwe mag in den Augen der Welt gar nichts gegeben haben – zwei kleine Münzen, betont der Evangelist ­–, während die Reichen Leute sehr viel geben. Vom Standpunkt des Opferkastens, der Tempelkasse aus, sind die Reichen die wahren Wohltäter. In Gottes Augen relativiert sich dieses Ergebnis aber und kehrt sich in das Gegenteil: Die Reichen haben nur vom überbordenden Reichtum gegeben, die Frau alles, „was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“

Die Stelle, an der diese Perikope im Markusevangelium steht, ist wohl kein Zufall. Auf diesen Text folgen noch die Reden Jesu über die Endzeit, dann berichtet der Evangelist direkt von der Passion. In gewisser Weise ist das Bild von der Witwe und dem Opferkasten eine Zusammenfassung des ganzen Evangeliums, das in dieser so kurzen Schilderung der armen Witwe aufscheint. Da ist zunächst die Frontstellung zu den Schriftgelehrten. Einmal mehr macht Jesus deutlich: Die Oberflächlichkeit der Schriftgelehrten verdient kein Lob. Im Gegenteil: „Umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.“ Jesus ist in erster Linie zu den Armen gesandt, zu den vermeintlichen Verlierern des Lebens und der Geschichte. Jesus verurteilt einmal mehr das Verhalten, stets den ersten Platz einnehmen zu wollen, stets von allen gesehen und bewundert werden zu wollen.

Und ein weiterer Faden zieht sich durch das ganze Evangelium: Nicht die Gelehrsamkeit ist entscheidend, sondern die Tat. Was die Pharisäer lehren, mag ja sogar richtig sein – es spiegelt sich in ihrem Leben aber nicht wider. Anstatt die Nächstenliebe zu leben, nehmen sie die Witwen aus. Ganz anders die Frau: Sie hat die Gebote Gottes verinnerlicht; sie gibt, was auch immer sie kann. „Werdet aber Täter des Wortes und nicht nur Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst!“, heißt es im Jakobusbrief (1,22). Die Witwe hat das begriffen, die Schriftgelehrten und die Weisen aber nicht. Die Botschaft ist so wesentlich, dass sie – mit Ausnahme der Endzeitrede – am Ende des Lehrens und Predigens Jesu steht.