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Durch das Kirchenjahr

Nachfolge unter Bedingungen?

  • 29.
    Juni
    2025
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… mit Benedikt

 

13. Sonntag im Jahreskreis C – Lukas 9,51-62

51Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. 52Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samariter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. 53Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. 54Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt? 55Da wandte er sich um und wies sie zurecht. 56Und sie gingen in ein anderes Dorf. 57Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. 58Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. 59Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben! 60Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! 61Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind. 62Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ – Lukas 9,51-62

Dieses Evangelium erscheint uns mehr als hart. Jesus verbietet Menschen, die ihm nachfolgen wollen, den Abschied – vom verstorbenen Vater, aber auch von der Familie. Es erscheint doch nur menschlich, ein letztes Mal seine Familie zu sehen oder den Vater zu beerdigen, bevor man sich mit Jesus auf eine Reise ins Ungewisse begibt. Doch nein: „Lasst die Toten ihre Toten begraben“. Man könnte es sich mit diesem Evangelium nun ein wenig leichter machen, wenn man die Antworten der beiden Männer als Ausflüchte abtun wollte: „Ja“, könnte man ihnen in den Mund legen, „ich will dir nachfolgen, aber noch nicht jetzt.“ Die Beerdigung des Vaters, der Abschied von der Familie wären dann nur vorgeschoben, eine mehr oder weniger überzeugende Ausrede.

Doch gibt es dafür letztlich keinen Anhaltspunkt im Text. Und damit bleibt es bei der harten Haltung Jesu: Wer sich für seine Nachfolge entscheidet, muss sofort mit ihm gehen. Für einen Abschied bleibt keine Zeit. Nun will dieser Abschnitt aus dem Evangelium zunächst sicherlich die Bedeutung der Nachfolge Jesu unterstreichen. Mit einem halben Herzen kann man sich dem Herrn und dem Evangelium nicht hingeben. Der Ruf Jesu fordert zur radikalen Nachfolge heraus – da ist nichts anderes mehr wichtig, und sei es die Familie, sei es eine Beerdigung. Jesus verlangt viel von denen, die ihm folgen – und verspricht noch mehr.

Vielleicht aber können wir in unserer heutigen Situation auch noch etwas anderes in diesem Evangelium anklingen hören. Vielleicht nämlich muss es keine Alternative sein, auf eine Beerdigung zu gehen, mit seiner Familie zu sein, die „Hand an den Pflug“ legen und gleichzeitig in die Nachfolge Jesu zu treten. Vielmehr ist ja jeder Christ gerufen, die Nachfolge Jesu in seinem ganz konkreten Leben zu verwirklichen und in seinem Leben vom Evangelium Zeugnis abzulegen. Das geht ja gerade in der Familie und bei der Arbeit. Vielleicht also hätten sich die beiden Männer aus dem Evangelium gar nicht entscheiden müssen – eine radikale Nachfolge des liebenden Meisters kann und muss auch gerade im Alltag gelingen.