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Durch das Kirchenjahr

Marias Jubellied

  • 14.
    August
    2021
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… mit Benedikt

Mariä Himmelfahrt – Lukas 1,39-56

39In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. 40Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. 41Und es geschah: Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt 42und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. 43Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. 45Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. 46Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn 47und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. 48Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. 49Denn der Mächtige hat großes an mir getan und sein Name ist heilig. 50Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. 51Er vollbringt machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; 52er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. 53Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. 54Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, 55das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. 56Und Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabet; dann kehrte sie nach Hause zurück.“ Lukas 1,39-56

 

Wer auf die Geschichte dieser Welt blickt, könnte sie beschreiben als eine Geschichte der Mächtigen, der Menschen ohne Moral, der Hochmütigen, der Skrupellosen. Wie viele Menschen dominieren andere, unterdrücken sie, nehmen sie aus? Wie mächtig sind schon die „kleinen Leute“ gegen die Mafia, gegen Diktaturen und Unrechtsstaaten? Ganz anders hören wir es da im „Magnifikat“, dem Lobgesang der Maria auf ihren rettenden Gott. Dort heißt es, Gott stürze Mächtige vom Thon, zerstreue die Hochmütigen, beschenke Hungernde und verweigere den Reichen seine Gaben.

Maria zeichnet das Bild eines rettenden Gottes. Ihre Worte erinnern an andere Stellen aus dem Alten Testament. Das Volk Israel hat in seiner Geschichte immer wieder Gott als den Retter erfahren: vom Auszug aus Ägypten als Erfahrung des ganzen Volkes bis hin zu Erlebnissen einzelner, die sich etwa in den Psalmen zeigen. Immer wieder zeigte sich: Auch in dieser Welt, die voller Ungerechtigkeit ist, erweist sich Gott als der Gerechte. Er zeigt sich als ein Gott, der nicht denen gibt, die schon alles haben – sondern denen, die nichts haben. Er beweist, dass er nicht auf der Seite der Hochmütigen steht, sondern auf der Seite derer, die unter diesem Hochmut zu leiden haben.

Die Verben, die dies im Magnifikat ausdrücken, stehen in der griechischen Zeitform des Aorist. Das heißt: Hier wird etwas ganz Grundsätzliches über Gott ausgesagt, das sogar in die Zukunft hineinreicht. Schon Abraham hatte Gott seine Verheißungen gegeben – das ist die Vergangenheit. In der erzählten Gegenwart kann Maria über die Größe Gottes staunen und gleichzeitig in die Zukunft weisen. Denn auch wir wissen: Noch sind nicht alle Hochmütigen gestürzt, nicht alle Niedrigen erhoben. Wir dürfen aber auf unseren Gott und auf die Zukunft vertrauen, die er für uns bereitet hat.