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Durch das Kirchenjahr

Der andere König

  • 24.
    November
    2025
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… mit Benedikt

Christkönig C – Lukas 23,35b-43

„In jener Zeit 35bverlachten die führenden Männer des Volkes Jesus und sagten: Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte. 36Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig 37und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst! 38Über ihm war eine Aufschrift angebracht: Das ist der König der Juden. 39Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns! 40Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. 41Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts getan. 42Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Es mutet paradox an, was da über dem Gekreuzigten steht: Er, der geschundene, gefolterte und sterbende Mann soll der „König der Juden“ sein. Sein Äußeres dürfte jeder Vorstellung eines Königs gespottet haben: Wie soll der Sterbende königliche Würde haben, wie der Leidende königliche Macht? So auch versteht die Menge der Umstehenden den königlichen Titel: Als Witz, als Hohn, als Spott.

Mit dem Hochfest „Christkönig“ spannt die Kirche einen Bogen um das ganze Kirchenjahr. Denn schon am Anfang des Jahres wird Jesus mit dem Weihnachtsfest als König beschrieben. Lukas betont die Herkunft Jesu aus dem königlichen Geschlechte Davids. Im Matthäusevangelium huldigen Weise aus dem Morgenland Jesus mit wahrhaft königlichen Geschenken. Auch an Weihnachten erscheint diese königliche Rede als paradox. Wie könnte dieses ärmlich geborene Kind, das in der Fremde unter freiem Himmel geboren werden muss, königliche Würde ausstrahlen, wie königliche Macht?

Wer mit klassischen Königsbildern an Jesus von Nazareth herantritt muss scheitern. Das zeigt schon die Auffassung, die die Menge am Kreuz und einer der beiden mit Jesus gekreuzigten Verbrecher haben: So vielen konnte Jesus helfen, nun solle er sich doch selbst helfen und vom Kreuz herabsteigen. Das würde doch einem König entsprechen, dass er an das eigene Leben, das eigene Ansehen zuerst denkt. Genau umgekehrt ist es mit Jesus. Er ist gekommen, den Armen die frohe Botschaft zu verkünden, den Gefangenen Entlassung, den Blinden das Augenlicht zu geben (vgl. Lk 4,18; Jes 61,1). Seine Sendung als „König“ konzentriert sich nicht auf seinen eigenen Hofstaat, auf die eigene Macht. Jesu Sendung ist ganz fixiert auf den Vater, der ihn gesandt hat, und auf die Menschen, zu denen er gesandt wurde.

Wenn also die Kirche Christus als den König feiert, dann in diesem Sinne. Sie schart sich um ihren König, der so anders ist, als alle Könige. Sie feiert den Herrn der Welt, der sich ihr in Liebe zugewandt hat und das Evangelium der Freiheit verkündet. Gleichzeitig erwartet sie die Wiederkunft dieses Königs und den Tag, da sich die ganze Schöpfung zum Lobe Gottes erhebt: „Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht sind bei unserm Gott!“ (Offb 19,1)

Text: Benedikt Bögele

Titelbild: © Joachim Schäfer - www.heiligenlexikon.de