Christusstatue

Weltmission geht alle an

Einblick in die Weltkirche


Regensburg, 21. Oktober 2026 

In den katholischen Gemeinden Brasiliens ist am 17. und 18. Oktober die Kollekte zum 100. Weltmissionssonntag gehalten worden. Das Geld fließt über die Päpstlichen Missionswerke in einen internationalen Solidaritätsfonds und unterstützt mehr als tausend kirchliche Gebiete in Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika. 

Bei einer Kollekte für die Weltmission denkt man eher an Gemeinden in den reichen Ländern des Nordens und Westens. Mit leichter Hand gibt man in Europa oder Nordamerika einen Schein in die Kollekte. Doch Solidarität gibt es auch in einer Pfarrei in São Paulo, Recife, Belém oder einem Dorf im Amazonasgebiet. Legt ein Gläubiger irgendwo auf der Welt am Weltmissionssonntag seine Spende in den Klingelbeutel, dann hat auch der kleinste Betrag Anteil an der großen Aufgabe der Weltmission.

Gebet, Missionare und Geldströme folgen nicht einfach einer geografischen Richtung. Eine Gemeinde in Brasilien kann Projekte in Afrika unterstützen. Eine junge Kirche in Afrika kann Priester nach Europa entsenden. Ordensleute aus Asien arbeiten in lateinamerikanischen Pfarreien. Die Missionskollekte bildet einen Teil dieser weltweiten Bewegung der Evangelisierung ab.

Bis zum Jahresende haben die brasilianischen Diözesen ihre Beiträge gesammelt und an die brasilianische Zentrale der Päpstlichen Missionswerke, Pontifícias Obras Missionárias (POM), in Brasília überwiesen. Die POM gehören zu einem weltweiten Verbund von vier päpstlichen Werken zur Förderung von Mission, Ausbildung und missionarischer Solidarität. Von Brasilien geht der größte Teil der Kollekte nach Rom. Nach Angaben der POM fließen 80 Prozent in den Weltweiten Solidaritätsfonds. 20 Prozent bleiben in Brasilien und dienen dort der missionarischen Bildungsarbeit sowie der nationalen Verwaltung der POM. Über die Verteilung der internationalen Mittel wird auf der Generalversammlung der Päpstlichen Missionswerke entschieden. Die Empfänger müssen anschließend über die Verwendung Rechenschaft ablegen. 

So verbindet eine einzige Kollekte katholische Gemeinden, die Tausende Kilometer voneinander entfernt liegen können. Ein Teil dessen, was am Sonntag in Brasilien gegeben wurde, kann später den Bau einer Kapelle in Afrika, die Ausbildung eines Seminaristen in Asien oder eine Gesundheitsstation in einem entlegenen Missionsgebiet mitfinanzieren.

Mehr als tausend junge Kirchen

Die Päpstlichen Missionswerke in Brasilien berichten von mehr als 1.000 Diözesen und anderen kirchlichen Gebieten, die auf diese internationale Solidarität angewiesen sind. Papst Leo XIV. nannte im Juni mehr als 1.130 kirchliche Gebiete, die der für die Erstevangelisierung zuständigen Abteilung des vatikanischen Dikasteriums für die Evangelisierung zugeordnet sind. Diese jungen Ortskirchen erhalten regelmäßig Unterstützung.

Die katholische Kirche bezeichnet solche Gebiete traditionell als Missionsgebiete oder Territorien der Erstevangelisierung. Dazu gehören neu gegründete Diözesen, Apostolische Vikariate und andere kirchliche Strukturen, die sich noch nicht vollständig aus eigenen Mitteln tragen können. Ein Apostolisches Vikariat ist ein noch nicht zur Diözese erhobenes kirchliches Gebiet, das im Auftrag des Papstes geleitet wird. Viele liegen in Regionen mit schwacher Infrastruktur oder großer Armut.

Gefördert wird nicht nur ausdrücklich pastorale Arbeit. Die Mittel dienen der Katechese und Evangelisierung, der Ausbildung von Priestern und Ordensleuten sowie dem Unterhalt von Missionaren. Sie können aber auch Schulen, Krankenstationen, Behinderteneinrichtungen, Waisenhäuser, Kindertagesstätten oder Altenheime unterstützen. Auch Fahrzeuge für die Seelsorge, Seminare, Kirchen und Kapellen können aus dem Fonds mitfinanziert werden. In Katastrophenfällen stehen Mittel für Soforthilfe bereit.

Papst Leo XIV. verwies im Juni auf einen weiteren Teil der Arbeit. Das Päpstliche Werk des heiligen Apostels Petrus unterstützt besonders die Ausbildung einheimischer Priester und Ordensleute in jungen Kirchen. Ohne diese Hilfe könnten Seminaristen und Novizen in manchen Regionen ihre Ausbildung nicht erhalten. Andere Mittel finanzieren fünf Kollegien in Rom, in denen Priester sowie Ordensfrauen und Ordensmänner weitergebildet werden, bevor sie in ihre Heimatkirchen zurückkehren.

Rund zwei Millionen Euro aus Brasilien

Wie groß der brasilianische Beitrag ist, zeigen die veröffentlichten Zahlen. 2024 überwies die Kirche in Brasilien rund 2,00 Millionen Euro (11,28 Millionen brasilianische Real) an den Weltweiten Solidaritätsfonds. Insgesamt waren bei der Missionskampagne des Jahres rund 2,47 Millionen Euro (13,92 Millionen Real) zusammengekommen. Ein Teil davon blieb entsprechend dem Verteilungsschlüssel für missionarische Arbeit in Brasilien. Die Zahlen zeigen, dass die Sammlung keine symbolische Aktion ist. Sie bewegt Jahr für Jahr erhebliche Beträge.

Auch weltweit kommen große Summen zusammen. Die brasilianischen Päpstlichen Missionswerke weisen für 2024 allein beim Päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung Unterstützungen im Umfang von umgerechnet mehr als 41,1 Millionen Euro (232 Millionen Real) aus. Weitere rund 15,8 Millionen Euro (89 Millionen Real) entfielen auf das Kindermissionswerk und gut 15,2 Millionen Euro (86 Millionen Real) auf das Werk des heiligen Apostels Petrus.

Hinter den großen Summen stehen häufig kleine Beiträge. Leo XIV. hat darauf in seiner Botschaft zum Jubiläum hingewiesen. Jede Gabe, auch die kleinste, werde zu einem Zeichen missionarischer Gemeinschaft. Das durchschnittliche monatliche Arbeitseinkommen lag in Brasilien 2024 bei rund 3.225 Real, also etwa 570 Euro. In Deutschland verdienten Vollzeitbeschäftigte im selben Jahr durchschnittlich rund 4.690 Euro brutto im Monat. 

Die spätere weltweite Verteilung der Gaben folgt der kirchlichen Struktur. Die Ortskirchen melden ihren Bedarf. Die Projekte werden geprüft. Dabei bringen die nationalen Leitungen der Päpstlichen Missionswerke ihre Erfahrungen ein. Auf dieser Grundlage werden die Mittel auf internationaler Ebene verteilt.

Vor hundert Jahren begonnen

Der Weltmissionssonntag geht auf Papst Pius XI. zurück. Er führte ihn 1926 auf Anregung des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung ein. Seither wird der vorletzte Sonntag im Oktober weltweit dem Gebet, der missionarischen Bewusstseinsbildung und der finanziellen Unterstützung der Mission gewidmet. 2026 wurde der Tag zum hundertsten Mal begangen.

Brasilien hat daraus eine eigene Tradition entwickelt. Seit 1972 begeht die Kirche dort den gesamten Oktober als Missionsmonat. Pfarreien, Schulen und kirchliche Gruppen erhalten Materialien für Gebet, Katechese und missionarische Aktionen. Die Kollekte am Weltmissionssonntag bildet einen der Höhepunkte dieses Monats.

Das Motto des Jubiläumsjahres lautet „Eins in Christus, vereint in der Mission“. Als biblischen Leitvers verwendet die brasilianische Kampagne die Bitte Jesu „Damit die Welt glaubt“ aus dem Johannesevangelium. Die POM und die brasilianische Bischofskonferenz verbinden damit Gebet, Evangelisierung und materielle Solidarität.

Papst Leo XIV. hat zum Jubiläum einen persönlichen Bezug hergestellt. In seiner Videobotschaft erinnerte er daran, dass die Gebete und Spenden des Weltmissionssonntags auch seine eigene Arbeit als Augustinermissionar in Peru unterstützt hätten. Als junger Ordensmann habe er selbst erfahren, was die Solidarität anderer Ortskirchen für Missionare vor Ort bedeute.

Nicht nur Geld

Leo XIV. beschreibt die Päpstlichen Missionswerke als ein weltweites Netz aus Gebet und Nächstenliebe. Dazu gehören das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung, das Päpstliche Kindermissionswerk, das Päpstliche Werk des heiligen Apostels Petrus und die Päpstliche Missionsunion. Sie sammeln Geld, doch zu ihren Aufgaben gehört ebenso, das missionarische Bewusstsein in den Ortskirchen wachzuhalten. 

Der Papst erinnert deshalb daran, dass der Weltmissionssonntag nicht nur für Länder gedacht ist, in denen die Kirche schon lange etabliert ist und andere unterstützen kann. Auch junge Kirchen gehören zu diesem Austausch. Mission ist keine Einbahnstraße von reichen zu armen Ländern. Sie bildet ein Netzwerk zwischen den Ortskirchen.

Das lässt sich gerade an Brasilien zeigen. Das Land empfing über Jahrhunderte Missionare aus Europa. Noch heute werden kirchliche Projekte in armen Regionen Brasiliens von außen unterstützt. Gleichzeitig beteiligt sich die brasilianische Kirche selbst an der Finanzierung anderer Ortskirchen und entsendet Missionare ins Ausland. So legt sich ein Netz der Evangelisierung über die Erde, an dem auch die kleinste Münze ihren Anteil hat.

Text: Peter Winnemöller 
Foto: Shutterstock



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