News Bild Tiefe Traurigkeit und Entsetzen – Kripo Straubing ermittelt wegen der „geköpften“ Marienstatue in der Straubinger Jesuitenkirche

Tiefe Traurigkeit und Entsetzen – Kripo Straubing ermittelt wegen der „geköpften“ Marienstatue in der Straubinger Jesuitenkirche

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Viele Menschen hat die Nachricht schockiert: In der Jesuitenkirche in Straubing wurde kürzlich am Abend eine Marienstatue mit abgeschlagenem Kopf vorgefunden. Den Kopf hatte ein Polizist auf dem Weg zur Arbeit – die Polizeiinspektion Straubing ist der unmittelbare Nachbar der Jesuitenkirche – draußen auf dem Bürgersteig gefunden. Dekoriert mit einer Mund-Nasen-Maske. Im Innern der Kirche dann der Fund der umgestürzten und beschädigten Marienstatue. Sofort begannen die polizeilichen Ermittlungen und so erklärte auch Polizeipressesprecher Johann Lankes, dass in alle Richtungen ermittelt wird. Schließlich könnte es auch sein, dass die Statue nicht vorsätzlich, sondern aus Versehen umgestoßen wurde. Dann lasse sich allerdings der Fund des Kopfes mit Maske vor der Kirche schwer erklären. „Zu der beschädigten Marienstatue in Straubing laufen die Ermittlungen der Kriminalpolizei Straubing. Zur Zeit werden die an der Statue gesicherten Spuren ausgewertet. Wann mit einem Ergebnis der Spurenauswertung gerechnet werden kann, ist noch nicht bekannt“, sagt Polizeipressesprecher Johann Lankes.

„Mich macht das sehr sehr traurig“, sagt Pfarrer Vasile Reut von der rumänisch-orthodoxen Kirche. Er darf für seine Gemeinde „Heilige Konstantin und Helena“ seit mehreren Jahren die katholische Jesuitenkirche, die zur Pfarrei Sankt Jakob in Straubing gehört, nutzen. Die Madonna wurde von den Gläubigen aus der rumänisch-orthodoxen und der katholischen Kirche verehrt, erzählt Pfarrer Vasile Reut und meint, dass der materielle Schaden relativ gering, aber der seelische Wert unersetzbar sei. „Ich habe eine große Traurigkeit im Herzen. Ich spüre großes Entsetzen und empfinde es als Schikane“, so der Pfarrer. „Wer das getan hat, hat mit Gott nichts zu tun. Und es ist egal, ob jemand etwas gegen die Kirche hat oder gegen Corona – Fremdeigentum darf man nicht beschädigen. In der Kirche verhält man sich anders.“ Ihm ist es jetzt ein wichtiges Anliegen, dass unbedingt die Schließung der Kirche verhindert werden kann. Aber natürlich macht sich Angst breit, dass sowas noch einmal passiert und dass man dann mit der Schließung reagieren muss.

 

 

Nichts ist mehr heilig

„Was mich erschüttert ist, dass die Hemmschwelle vor ,heilig‘ anscheinend vollkommen weg ist. Wir sind in einer Zeit, in der Menschen mit diesem ,heilig‘ nichts mehr anfangen können“, sagt Dekan Johannes Plank. Er weiß, dass viele Menschen ihre Sorgen bei der Madonna ablegen und fragt sich bei diesem Geschehen: „Wird da sinnlose Wut entladen? Ist es ein hirnloses, mutwilliges Zerstören? Oder hat jemand Erfahrungen gemacht, beispielsweise dass er keine Gebetserhörung erhalten hat und darüber wütend ist?“ Maria hat in diesem Fall dann die ganze Wut und Verzweiflung zu spüren bekommen. Nachdenklich macht Dekan Johannes Plank aber auch das „Inszenieren mit der Maske“, denn etwas zerstören sei das eine, aber die Madonna dann „mit Maske“ zurückzulassen, sei ein Weiteres. Nachdenklich stimmt den Dekan nicht zuletzt die Häufung von Vandalismus und Diebstahl in verschiedenen Kirchen in Straubing und Umgebung. Und das ist eine konfessionsübergreifende Erfahrung.

 

Vandalismus an 29 Gräbern

„Man kann nicht wachsam genug sein, auch in unseren Kirchen wird immer wieder gestohlen, zerstört oder Unfug getrieben“, sagt Peter Häusler, Pfarrer in Atting und Rain. Geld aus Opferstöckchen, bündelweise Kerzen aus der Mariennische, Kerzen vom Altar und von den Apostelleuchtern, liegengebliebene Gegenstände, Dekorationsartikel und Blumen verschwinden aus den Kirchen. Grober Unfug mit beträchtlichem Sachschaden geschah am Friedhof Rain, als an 29 Gräbern das Wachs der Kerzen auf die Grabsteine geschüttet wurde. Und auch vor Diebstählen an Gräbern machen die Diebe nicht halt, als ob es ein Selbstbedienungsladen sei. „Da macht sich Betroffenheit breit und man begreift es einfach nicht“, sagt Pfarrer Peter Häusler.

Ähnliche Erfahrungen musste Pfarrer Heinrich Weber in Alburg machen. Immer wieder erlebte er Diebstähle und Vandalismus in der Kirche. Ganz arg wurde es 2018, als Weihwasser verschüttet, eine Heiligenstatue aus der Verankerung gerissen, das Mikrofonkabel herausgerissen und ein Opferstock aufgebrochen wurde. Bei allem war die Beschädigung höher als die eigentliche Diebesware. Die Diebe genehmigten sich dann im Beichtstuhl eine Zigarette und hinterließen die Kippe. Und dieser Frevel wurde ihnen zum Verhängnis: die DNA konnte festgestellt, die Diebstähle aufgeklärt und die Diebe überführt und schließlich verurteilt werden. „Mir fällt auf, dass die Ehrfurcht vor heiligen Orten immer mehr schwindet. Die Ehrfurcht gehört wieder besser gefördert. Wenn sie nicht da ist, wird die Hemmschwelle immer geringer“, resümiert Pfarrer Heinrich Weber.

Ob ein Zusammenhang zwischen den Diebstählen, dem Vandalismus und der geköpften Madonna ist, weiß niemand zu sagen. Wie Polizeisprecher Johann Lankes erläutert, zeigt die Kriminalstatistik für Niederbayern, dass die häufigsten Delikte im Zusammenhang mit der Tatörtlichkeit Kirchen/Kapellen Diebstähle aus Opferstöcken und Sachbeschädigungen wie Vandalismus sind. Konnte von 2019 gegenüber 2018 ein Rückgang verzeichnet werden, so ist von 2019 auf 2020 im Zeitraum Januar bis Oktober ein Anstieg sowohl der Sachbeschädigungs- als auch der Diebstahlsdelikte in Kirchen und Kapellen zu verzeichnen. „Die Aufklärungsquote aller Straftaten in diesem Bereich lag 2018 bei 51,8 Prozent, 2019 bei 19,4 Prozent. Im Zehnjahresvergleich wurden durchschnittlich etwas über 30 Prozent der Straftaten aufgeklärt, die höchste Aufklärungsquote gelang 2018 mit 51,8 Prozent“, berichtet Polizeihauptkommissar Johann Lankes.

 

Beter sind die besten Alarmanlagen

Hilfreich sind für die Polizei immer auch die Hinweise aus der Bevölkerung. So wird gebeten, verdächtige Beobachtungen rund um Kirchen, Kapellen oder Friedhöfe zu melden. Einen wertvollen Tipp gibt aber auch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei seinen Pastoralbesuchen in den Pfarreien. Schon oft hat er gesagt: „Liebe Pfarreiangehörige, nützen Sie Ihre Kirche, gehen Sie hinein, beten Sie. Eine Kirche ist kein Museum, es gehört Leben hinein, Kerzen dürfen angezündet werden. Und vergessen Sie nicht, betende Menschen sind die beste Alarmanlage in unseren Kirchen.“