News Bild Statt Besuch aus Brasilien – Online-Veranstaltung der KEB zur diesjährigen Adveniat-Aktion findet Anklang

Statt Besuch aus Brasilien – Online-Veranstaltung der KEB zur diesjährigen Adveniat-Aktion findet Anklang

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Im Vorfeld der diesjährigen Adveniat-Aktion hätte Regensburg am vergangenen Freitag hohen Besuch erhalten: Bischof Bernhard Johannes Bahlmann OFM von der Diözese Óbidos in Brasilien und der Leiter des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz SVM, wären gekommen, um die Adveniat-Aktion 2020 „(Über-)Leben auf dem Land“ vorzustellen. Coronabedingt war der persönliche Besuch nicht möglich. Als Ersatz wurde eine Online-Veranstaltung angeboten: Unter dem Titel „(Über-) Leben auf dem Land ­­– Überleben Amazoniens“ fand die Veranstaltung des Fachbereichs Weltkirche, der Fachstelle Umwelt und Ökosoziale Gerechtigkeit, den Vereinen der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Regensburg, der Gemeindecaritas/Flüchtlingsarbeit und weiteren Engagierten zum Thema Amazonas statt. Damit wurde das diesjährige Adveniat-Thema, das den Blick auf die arme Landbevökerung Lateinamerikas richtet, vor allem auf den Bereich des Amazonas-Beckens bezogen – in Anknüpfung an ein die Amazonas-Synode 2019 begleitendes Rahmenprogramm im Bistum Regensburg.

Engagement für die Schöpfung ­ – von Regensburg bis Óbidos

Gäste bei der gut besuchten Online-Gesprächsrunde waren neben Bischof Bahlmann und Pater Heinz auch zwei Vertreterinnen der Regensburger Christians4Future, Christina Engl und Dr. Tatjana Schnütgen. Nach der Begrüßung der Anwesenden durch Ruth Aigner von der Fachstelle Weltkirche ließ die Umweltbeauftragte des Bistums Regensburg, Beate Eichinger, die Teilnehmer kurz auf das Begleitprogramm zur Amazonas-Synode zurück blicken, das mit einer Vielzahl von lokalen und regionalen Veranstaltungen verschiedene Thematiken der Synode in den Blick genommen hatte, „immer mit der Frage: ‚Was können wir als Kirche in Deutschland davon mitnehmen?‘“, erzählte Beate Eichinger. Im Anschluss daran stellte die evangelische Pfarrerin Dr. Tatjana Schnütgen die Christians4Future vor, die, ausgehend von der Perspektive der Geschöpflichkeit des Menschen, ihren Auftrag darin sehen, in der Klimabewegung als Christen präsent zu sein. Aktuell fänden sich im facebook-Auftritt der Regensburger Christians4Future über den Advent verteilt 24 Türchen, die jeweils konkrete Anregungen geben, was jeder Einzelne für das Klima und die Umwelt tun kann.

Gesicht der Armut in Lateinamerika ist weiblich

Es war nun an Pater Michael Heinz, die diesjährige Adveniat-Aktion näher vorzustellen. Er selbst hat viele Jahre in Lateinamerika gelebt und kennt die Situation der Menschen dort aus eigener Erfahrung. Nur noch 20 Prozent der Bevölkerung in Lateinamerika lebte auf dem Land. Das Überleben dort sei schwieriger als in der Stadt. „Wenn man der Armut ein Gesicht geben will in Lateinamerika, dann ist sie weiblich und lebt auf dem Land“, sagte Heinz. Er erzählte konkret von Herausforderungen in den Bereichen Ernährung, Bildung, Gesundheit und Infrastruktur, die durch Corona auf je eigene Weise noch einmal erschwert seien. Im Anschluss und als Übergang zum nächsten Sprecher, Bischof Bahlmann, ließ Pater Heinz ein Erklärvideo zur Bedeutung der Amazonasregion für die Welt einspielen.

Einblicke in das Leben im Amazonasbecken

Der Bischof des Bistums Óbidos – ein gebürtiger Deutscher – erzählte nun sehr anschaulich von seinen eigenen Erfahrungen als Bischof einer Diözese im Amazonasbecken. Eine große Herausforderung stelle beispielsweise die Infrastruktur dar. Als er in die Region kam, gab es ganze sieben Pfarreien in einem Bereich, der etwa der Größe Bayerns entspricht. Mit viel Engagement hatte er sich um kleinteiligere Strukturen gekümmert und so gibt es heute 12 Pfarrverbände, zu denen jeweils zwischen 20 bis 150 Gemeinden gehören. Eine andere bedeutende Veränderung in den letzten Jahren spielte sich in der Gesundheitsversorgung ab. Bis 2014 gab es ein einziges Krankenhaus in der Region, nämlich in Óbidos, das bis zu diesem Zeitpunkt immer mehr heruntergewirtschaftet worden war. Bischof Bahlmann konnte veranlassen, dass das Krankenhaus in die Hände der Franziskaner von der Vorsehung Gottes ging. Jetzt, während der Pandemie, erweise sich, dass dieser Schritt von großer Wichtigkeit war. Da aber viele Verletzte und Kranke gar nicht bis nach Óbidos gelangen, wurde im letzten Jahr das erste von bald drei Krankenhausschiffen ins Leben gerufen, mit Namen „Papa Francisco“, das über den Wasserweg nun auch entlegenere Regionen erreichen kann. Zuletzt ging Bischof Bahlmann auf die Problematik der Rodungen des Regenwaldes ein und drückte in diesem Zusammenhang seine Freude über das Engagement von Christians4Future aus, denn „wir sitzen alle in einem Boot, wir müssen uns gegenseitig die Hand reichen. Wir haben eine große Verantwortung und sind auch aus einer christlichen Haltung heraus aufgefordert, und noch mehr für die Schöpfung einzusetzen“. Sein eigener Traum sei es, Projekte zu erarbeiten, die zum Erhalt des Regenwaldes beitragen.

 

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