News Bild Reisebericht 5: Jubiläum 150 Jahre Mallersdorfer Franziskanerinnen in Siebenbürgen

Reisebericht 5: Jubiläum 150 Jahre Mallersdorfer Franziskanerinnen in Siebenbürgen

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Am Samstagmorgen um ca.7.30 Uhr  versammelten sich  die sieben alten Schwestern vom  Kloster Odorhei, die die kommunistische Zeit erlebt und überlebt haben, in der kleinen Schwesternkapelle, um mit dem Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer, die Heilige Messe zum Fest des Tagesheiligen Evangelist Lukas zu feiern.  Bereits vor Beginn begrüßte der Bischof die anwesenden Schwestern sehr herzlich.

In seiner Ansprache ging der Bischof auf die Lebenserfahrung der Schwestern ein.  Einige Gedanken daraus:  „Sie wurden in Ihrem Leben 40 Jahre lang durch die Wüste geführt und durften dann eine unerwartete und glückliche Auferstehung erleben. Ich danke Ihnen für Ihre Treue und Ihr Zeugnis des Glaubens“. Dann ging der Bischof auf das Fest des Tagesheiligen Lukas ein, der der Überlieferung nach Arzt war, ein sehr gebildeter Mann. Er hatte ein besonderes Gespür für die Zuwendung von Jesus Christus zu den Kranken, Gebrechlichen zu den gebrochenen Existenzen des Leibes und der Seele, für den Heiland.

In der Erinnerung an die Ereignisse vor 25 Jahren, als die Grenzen aufgingen -  auch von Rumänien – fragten wir uns: wie wird es weitergehen? Der Herr hielt  seine segnende Hand über Sie, dass Sie auch das Ordensgewand wieder anlegen  und was Sie bei der Profess versprochen haben leben konnten -  dass er ein neues Aufblühen Ihres  Lebens und Ihrer Dienste hier ermöglicht hat. Wir dürfen den Herrn bitten,  dass er auch die kommenden  Epochen der Kirche mit seinem Segen begleiten möge. Sören Kierkegard sagt sinngemäß : wir können das Leben nur in der Rückschau verstehen. Leben müssen wir nach vorne und bitten, dass er Arbeiter in seinen Weinberg sende.

Am Vormittag konnten die Besucher aus Deutschland entweder  einen Stadtspaziergang machen oder das Pater-Pio-Haus sehen oder die alten Mitschwestern besuchen.

11.30 Uhr: Festgottesdienst in der Pfarrkirche  „Kleine Heilige Theresia“ von H.H.Pfarrer Dr, Gabor Bótár. Die meisten  Schwestern und Gäste gingen zu Fuß (ca. 25 Minuten) hinaus zur Pfarrkirche, auch Bischof Rudolf  mit Superior Gegenfurtner. In der Kirche erfreute uns das Wiedersehen mit der Kreuzigungsgruppe aus unserer Mutterhauskirche, die wunderbar in diese neue Kirche passt. Die reservierten Bänke für die Schwestern waren mit weißen Bändern und Blumen geschmückt. Zahlreiche Geistliche zelebrierten beim Festgottesdienst mit, insbesondere auch Bischof Rudolf Voderholzer und unser Superior Dr. Wilhelm Gegenfurtner. Der  Hauptzelebrant Erzedekan Sándor Kóvács begrüßte zu Beginn alle Gottesdienstteilnehmer – ungarisch und dann deutsch. Er erinnerte auch als „Mann der ersten Stunde“ unseres Anfangs hier in Odorhei an die damaligen Initiatoren  Generaloberin M. Ignatia, H.H.Prälat Johann Staufer, Schwester M. Marion und andere. Er dankte für die Entsendung deutscher Schwestern hierher, allen voran Schwester M. Hiltrud und M. Michaela, und für alle nachfolgenden: M. Renate, M. Annegret, M. Dolore, die an ihrem Platz hervorragende Pionierarbeit geleistet hatten, damit wir heute dieses Fest dankbar feiern können. Er begrüßte herzlich die jetzige Ordensleitung M. Jakobe und bedankte sich sehr.

Der Gottesdienst wurde von Chor und Orgelspiel festlich gestaltet.  Zum großen Einzug mit allen Geistlichen und den in Széklertracht gekleideten Ministrantinnen und Ministranten erklang das „Jubilate Deo“. Neben ungarischen Psalm-Einlagen war das Ordinarium mit der 1. Choralmesse  lateinisch für uns gut mitzusingen. Als Proprium  wurde die Gedenkmesse vom Seligen Paul Josef Nardini genommen, den wir zum Abschluss mit einem deutschen Nardinilied grüßten.

Als Predigt hielt Pfarrer Dr. Gábor Bótán den  Festvortrag aus seiner Doktorarbeit über die Geschichte der Mallersdorfer Franziskanerinnen in Siebenbürgen – in  Ungarisch. Die Pfarrgemeinde hörte fasziniert zu. Doch mit der Powerpoint-Präsentation und der deutschen Fassung des Vortrags, die wir erhalten hatten, konnten auch wir einigermaßen gut folgen. Zum Abschluss seiner Ausführungen  gab er einen Überblick über alle bisherigen Filialen hier, auch die wieder aufgelösten. Ein dankbarer Applaus folgte.

Nach der Kommunion sprach Bischof Voderholzer ein Grußwort: Er begrüßte die Schwestern und alle Geistlichen, das Fernsehen Radio Mariana. „Es ist mir eine außerordentlich große Freude, dass ich an diesem Triduum zum Gedenken an die Entsendung der Schwestern aus Pirmasens hierher teilnehmen darf“.  Dr, Gábór Bótár  hat schon ausführlich und lückenlos eingeführt in die Geschichte  und das augenblickliche Wirken der Mallersdorfer Schwestern hie. .Am meisten aber hat mich beeindruckt heute morgen, als ich die Heilige Messe mit den alten Schwestern feierte. Das Leben der Schwestern – und dann hier das Ordensleben wieder beginnen zu lassen. Ich kann nur von Herzen danken für das großartige Glaubenszeugnis, das mich sehr bewegt hat und mir sehr viel Kraft gibt.  Die Kirche feiert  heute das Fest des Evangelisten Lukas. Er stellt vor allem den Heiland, den Arzt für Seele und Leib in die Mitte seines Evangeliums und die  Apostelgeschichte ist auch von ihm. Er stellt dar, wie sich das Evangelium ausbreitet in der Kraft des Heiligen Geistes vor allem in der frühen Christenheit, wie sie mit den Armen und Ausgestoßenen umgegangen sind, so dass die anderen sagten: Seht, wie sie einander lieben.“  Die Apostelgeschichte ist der Anfang der Kirchengeschichte. Und in diesen 150 Jahren Kirchengeschichte des 20. Und 21. Jahrhunderts haben Mallersdorfer Schwestern die Kirchengeschichte fortgeschrieben im Sinne des heiligen Lukas und des Evangeliums, das er uns anvertraut hat. Das Evangelium hat sich  ausgebreitet nicht mit Gewalt, nicht durch äußere Aufzwingung, sondern durch die Kraft gelebten Glaubens und der aus diesem Glauben lebendig gewordenen Liebe. Sie, liebe Schwestern haben diesen Glauben und diese Liebe im Auftrag von Nardini hervortreten lassen. So danken wir zunächst Gott, dem Herrn der Geschichte, dass er Sie in seinen Dienst gerufen und befähigt hat, diesem Ruf zu folgen und in der Kraft seines Geistes für ihn da zu sein. Der Dank gilt den Schwestern selbst, dass sie dem Ruf gefolgt sind, aber auch der Pfarrei der „Kleinen Heiligen Theresia“ und allen Geistlichen hier für das gute Miteinander.  Ich bin sehr beeindruckt  davon.

Zu Abschluss erklärte Pfarrer Gábor noch, dass diese Golgotha-Gruppe aus dem Mutterhaus stamme, vor der schon viele Schwestern gebetet hatten und vor der auch  jetzt  hier viele Menschen beten. Und er begrüßte den Bischof von Regensburg und H.H.Superior, die Ordensleitung und alle Gäste aus Deutschland und lud zum Festmahl in seinen Pfarrsaal ein. Seine „treue Truppe von der Pfarrei“ (Köche, Serviererinnen u.a.) hatten es bereitet und wurden zum Schluss dankend beklatscht. Auch der Bischof bedankte sich mit dem Kommentar, dass dieses Mahl für eine halbe Woche reiche. Anschließend fuhr eine Gruppe noch zum neuen Bildungs- und Exerzitienhaus „Pater Pio“ von Pfarrer Attila und einer privaten Initiativgruppe. Die Gäste trafen dort eine Freiwilligengruppe von Gläubigen an, die sich zum Thema Ehe und Familie parallel zur Bischofssynode in Rom unterhielten.

Am Abend wünschte der H.H.Bischof Voderholzer noch eine gemütliches Beisammensein/Rekreation mit den Schwestern. Um 19.30 Uhr  kamen wir im Refektor zusammen. H.H.Superior eröffnete die Runde mit einer kurzen Erläuterung über die Bedeutung des Bischofs von Regensburg als verantwortlicher Oberhirte für unsere Ordensgemeinschaft – in diesem Sinne erfolgte auch diese Reise zum Jubiläum – und als Vertreter des Bischofs vor Ort die Position des Superiors. Der Bischof eröffnete dann die Gesprächsrunde mit seinem Bestreben, alle Niederlassungen in seiner Diözese zu besuchen. Und im Februar 2015 sei eine Südafrikareise zu unseren  dortigen Niederlassungen geplant. Er wies die Gesprächsrunde darauf hin, dass an diesem Sonntag, 19.10. in Rom auch die Seligsprechung von Papst Paul VI. stattfinde – und er hob dessen große  Bedeutung für das Konzil und  die Zeit danach hervor.

Von der Reise  berichtet Schwester Maria Godehard Haushofer aktuell aus Rumänien.

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