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Zur Neuigkeit
Regensburg 1945 – Johann Maier, Josef Zirkl und Michael Lottner gegen die Gewalt
NS-Verbrechen in Regensburg: Drei Männer wider den Terror
Regensburg, 16. April 2026
Drei Namen, ein Zeugnis: In den letzten Tagen des Krieges widersetzten sich Johann Maier, Josef Zirkl und Michael Lottner der Logik der Zerstörung durch das Nazi-Regime. Ihren Einsatz für Verantwortung und Menschlichkeit bezahlten sie mit ihrem Leben.
Der Prediger und die Stunde der Entscheidung
Der frühere Regensburger Domprediger Johann Maier gilt seit vielen Jahren als Sinnbild für Glaubensstärke, Gewissensfestigkeit und mutigen Widerstand gegen das Unrecht des Nationalsozialismus. Kurz vor Kriegsende trat der Priester öffentlich für die kampflose Übergabe der Stadt ein und bezahlte diesen Schritt am 24. April 1945 mit seinem Leben. Sein Andenken mahnt bis heute, dass christliches Zeugnis gerade dort standhalten muss, wo es gefährlich wird.
In den letzten Tagen des zerfallenden Regimes, als die Front näher rückte und die Niederlage längst unübersehbar geworden war, wurde aus Predigt gelebte Wirklichkeit. Was zuvor Verkündigung und Mahnung gewesen war, trat nun in die Bewährungsprobe der Geschichte ein. In einer von Angst, ideologischer Verblendung und militärischem Fanatismus geprägten Situation erhob der am 23. Juni 1906 in Berghofen, heute ein Ortsteil von Aham in Niederbayern, geborene Theologieprofessor seine Stimme gegen die sinnlose Verteidigung der Stadt und rief zu Besonnenheit, Verantwortung und zur Schonung von Menschenleben auf.
Damit trat Maier nicht bloß einer militärischen Anordnung entgegen, sondern dem barbarischen Herrschaftssystem selbst, das selbst im Zusammenbruch noch fanatische Durchhalteparolen beschwor. Sein Handeln war von Herz, Verstand und Gewissen getragen, die sich dem politischen Zwang nicht länger unterwerfen wollten. So wurde die Forderung nach der kampflosen Übergabe zum Ausdruck eines Glaubens, der sich nicht im Innerlichen erschöpfte, vielmehr in der entschiedenen Tat seine Bewährung fand.
Die Reaktion der Nationalsozialisten ließ nicht auf sich warten. Maier wurde verhaftet, vor ein Standgericht gestellt und am 24. April 1945 am heutigen Dachauplatz öffentlich erhängt. Diese Tat war kein Zeichen von Stärke, sondern das letzte Aufbäumen eines untergehenden Systems. Darin liegt die bleibende Bedeutung seines Handelns: Es ist das Zeugnis eines Menschen, der sich im Angesicht des Zusammenbruchs nicht der Anpassung überließ, sondern Verantwortung übernahm.
Sein Wirken verdichtet eine Frage, die jede Epoche neu stellt: Wie verhält sich der Einzelne, wenn äußerer Zwang und innere Überzeugung auseinanderfallen? Maier entschied sich für die Treue zum Gewissen – auch um den Preis des eigenen Lebens. Gerade darin gründet die bleibende Bedeutung seines Zeugnisses: in einer Haltung, die nicht vor der Gefahr zurückweicht, sondern im Ernstfall Bestand hat. Seine letzte Ruhestätte fand Domprediger Maier im Hohen Dom St. Peter zu Regensburg, wo sich seine sterblichen Überreste befinden. Auch im Stadtbild ist sein Andenken präsent: An seinem früheren Wohnhaus erinnert eine Gedenktafel an Leben und Tod des Priesters, dessen Zeugnis über den Tag hinausweist.
Josef Zirkl – Die Standhaftigkeit des einfachen Mannes
Josef Zirkl steht für jene stille Form der Aufrichtigkeit, die nicht aus öffentlicher Stellung erwächst, sondern aus innerer Festigkeit. Als sich am 23. April 1945 in Regensburg der Protest gegen die sinnlose Verteidigung der Stadt erhob, gehörte auch er zu jenen, die in der Stunde des Zusammenbruchs nicht schwiegen. An der Seite Johann Maiers geriet er in den Sog jener Gewalt, mit der das Regime selbst in seinen letzten Stunden noch auf Einschüchterung und Terror setzte.
An seinem Schicksal zeigt sich keine große Geste, kein pathetischer Auftritt, sondern die schlichte Entschlossenheit eines Menschen, der im entscheidenden Augenblick nicht zurückwich. Gerade darin liegt seine Größe. Wo das Unrecht offen hervortrat, blieb auch er nicht außerhalb des Geschehens, sondern wurde hineingezogen in die mörderische Konsequenz eines Systems, das jeden Widerspruch vernichten wollte.
In der Nacht wurde Zirkl von einem Standgericht zum Tode verurteilt und am frühen Morgen des 24. April 1945 zusammen mit Johann Maier auf dem Moltkeplatz, dem heutigen Dachauplatz, öffentlich erhängt. So machten die Nationalsozialisten die Hinrichtung zu einem letzten Akt demonstrativer Abschreckung und zeigten darin noch einmal deutlich die ganze Menschenverachtung ihres untergehenden Herrschaftssystems.
So bleibt Zirkl im Gedächtnis als ein Mann, dessen Name für Zivilcourage ohne Pathos steht. Sein Zeugnis erinnert daran, dass Widerstand nicht immer laut beginnt und dass sittliche Festigkeit gerade dort sichtbar wird, wo einer sich dem Unrecht nicht beugt.

Michael Lottner – Der Entschluss im Augenblick
Michael Lottner steht für eine Form des Widerstands, die nicht aus öffentlicher Stellung oder langer Vorbereitung erwuchs, sondern aus der Unmittelbarkeit des entscheidenden Augenblicks. Der am 3. Januar 1899 in Katzdorf in der Oberpfalz geborene frühpensionierte Gendarmerie-Hauptwachtmeister i. R. befand sich am 23. April 1945 auf dem Moltkeplatz in Regensburg, als dort der Protest gegen die sinnlose Verteidigung der Stadt begann.
Als Johann Maier festgenommen wurde, schwieg Lottner nicht, sondern widersprach der Verhaftung lautstark. Damit stellte er sich im entscheidenden Moment gegen das offen zutage tretende Unrecht.
Lottner wurde daraufhin in die NS-Kreisleitung gebracht, dort misshandelt und noch am 23. April 1945 erschossen. Sein Tod ging den öffentlichen Hinrichtungen Johann Maiers und Josef Zirkls am frühen Morgen des folgenden Tages voraus. Dass sein Leichnam später unter den Galgen gelegt wurde, verlieh dem Verbrechen den Charakter demonstrativer Einschüchterung und zeigte noch einmal die ganze Brutalität des NS-Regimes. So bleibt Michael Lottner im Gedächtnis als einer, der im entscheidenden Augenblick nicht zurückwich.
Text: Stefan Groß
(kw)
Weitere Infos
Am 23. April findet erneut ein Gedenkweg durch die Regensburger Innenstadt statt.
Auftakt ist um 18 Uhr in Stadtamhof; eine Station ist an der Westseite des Doms vorgesehen, von dort aus führt der Weg weiter. Nähere Informationen sind über die Homepage der Stadt erhältlich.
Bereits um 17:45 Uhr wird in der Sailerkapelle des Doms eine Vesper zum Gedenken an Domprediger Dr. Johann Maier sowie an die weiteren Opfer des Nationalsozialismus in Regensburg, Josef Zirkl und Michael Lottner, gefeiert. Geleitet wird sie von Dompropst Dr. Franz Frühmorgen und Stadtdekan Roman Gerl. Im Anschluss begibt man sich zur Kundgebung an der Westseite des Doms und schließt sich danach dem Gedenkweg an.




