News Bild Pontifikalamt am Fest des heiligen Wolfgang - Regensburger Bischof würdigt Engagement für den Glauben in der Gesellschaft

Pontifikalamt am Fest des heiligen Wolfgang - Regensburger Bischof würdigt Engagement für den Glauben in der Gesellschaft

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Regensburg 1. November 2005 (pdr) Bischof Gerhard Ludwig hat am Fest des heiligen Wolfgang in der vollbesetzten Regensburger Basilika St. Emmeram ein Pontifikalamt zu Ehren des Hauptpatrons der Stadt und Diözese Regensburg gefeiert. Am Ende des Pontifikalamts betete der Regensburger Bischof in der Krypta der Basilika vor dem Grab des heiligen Wolfgang um seine Fürsprache für die ganze Diözese.
In seiner Predigt ging Bischof Gerhard Ludwig darauf ein, dass sich in Deutschland sowie in weiteren Ländern Europas wieder „ein vielversprechender Dialog zwischen der laizistischen Kultur und dem christlichen Glauben anbahnt“. Vertreter eines westlichen Liberalismus hätten verstanden, dass eine Gesellschaft „nicht als eine Summe von Egoismen bestehen kann“. Ein falsch verstandener Begriff von Freiheit führe zu einem inneren Verlust dieser Freiheit. Stattdessen brauche die Gesellschaft die Prinzipien von Verantwortung und Solidarität. Es sei bemerkenswert, dass beispielsweise der bundesdeutsche Verfassungsrichter Udo di Fabio als Vertreter des Laizismus in seinem Buch „Kultur der Freiheit“ erklärt, von der Kirche einen besonderen Beitrag zu dieser Kultur der Freiheit zu erwarten. Weitere Zeichen für den sich vollziehenden Umbruch seien die Äußerungen des deutschen Soziologen Jürgen Habermas – vor kurzer Zeit im Gespräch mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger – sowie des italienischen Senatspräsidenten Marcello Pera über die besondere Bedeutung des Christentums in der Welt. „Nach der hermetischen Abriegelung zwischen säkularer und religiöser Orientierung gibt es eine neue Öffnung füreinander“, stellte Bischof Gerhard Ludwig fest. Dahinter stehe die Erkenntnis mancher Laizisten, dass Werte nur „im Aufblick auf Gott“ begründet werden können. Der Regensburger Bischof verwies auf die bemerkenswerte Tatsache, dass gerade Intellektuelle, die aus keiner kirchlichen Umgebung hervorgegangen sind, das Potential der Kirche erkennen, die Gesellschaft zu verändern. Dieses Potential gründe darin, dass die Kirche nicht selbstbezogen ist, sondern vielmehr in der Sendung Christi steht. Deshalb dürfe es der Kirche vor allem nicht um „oberflächliche Effekte“ gehen, sondern darum, „die innere Substanz des Glaubens zum Leuchten zu bringen“. Gerade aus diesem Grund müsse sich die Kirche ihrer Sendung stets neu bewusst werden. Sie dürfe sich weder auseinander noch durcheinander bringen lassen. Vielmehr versammle sich die Kirche um Jesus Christus. „Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir frei sind und frei bleiben können.“
Bischof Gerhard Ludwig würdigte die Arbeit, die viele Zehntausende Gläubige im Bistum Regensburg leisten, die sich als Laien unter anderem im caritativen, pädagogischen und politischen Bereich und in vielen weiteren Zusammenhängen engagieren. Stellvertretend für die vielen Gläubigen empfingen sechs Personen aus dem Bistum Regensburg die St. Wolfgangs-Verdienstmedaille. „Es sollen sich aber alle in diese Auszeichnung eingeschlossen fühlen, im Wissen darum, dass wir alle Verantwortung dafür tragen, dass die Kirche auch in Zukunft ihren Dienst erfüllen kann“, so der Regensburger Bischof.
Zu den von Bischof Gerhard Ludwig Geehrten gehört Domkapellmeister Roland Büchner aus Mintraching, der seit Juli 1994 die Regensburger Domspatzen leitet. Das weltweit hohe Ansehen, das sich der Regensburger Kathedralchor unter Büchners Vorgängern Domkapellmeister Georg Ratzinger und Domkapellmeister Theobald Schrems erworben hat, und die mehr als 1000-jährige Geschichte des durch Bischof Wolfgang im Jahr 975 gegründeten Chores seien ein Hinweis auf den hohen Anspruch, der mit diesem Amt verbunden ist, würdigte Bischof Gerhard Ludwig. „Welch hervorragende Botschafter der Diözese Regensburg und begeisternde Verkünder des Glaubens die Regensburger Domspatzen und ihr Domkapellmeister in aller Welt sind, haben zuletzt die beeindruckenden Auftritte des Domchores im Vatikan vor Papst Benedikt XVI. imponierend unter Beweis gestellt.“
Josef Koller, der frühere Stellvertretende Finanzdirektor der Diözese Regensburg, wurde ebenfalls mit der St. Wolfgangs-Verdienstmedaille geehrt. Er trage maßgeblichen Anteil daran, dass die Diözese Regensburg finanziell auf einem soliden Fundament steht, erklärte der Bischof. „In allem hatte der Stellvertretende Finanzdirektor dabei stets das Wohl der Kirche von Regensburg im Blick.“ Das maßgeblich von Josef Koller geschaffene System der Finanzierung der Pfarreien in der Diözese Regensburg wirke sich bis heute segensreich aus.
Geehrt wurde auch Bernhard Meiler aus Oberwildenau, seit 1997 Pilgerführer für die Regensburger Diözesanfußwallfahrt. Er habe es durch sein persönliches Engagement und großes Organisationstalent geschafft, das Erbe seiner Vorgänger fortzuführen und die weitum größte Fußwallfahrt den Herausforderungen von heute anzupassen. Sehr am Herzen liege ihm die intensive Zusammenarbeit mit Polizei und Hilfskräften, den Gemeinden am Weg, dem Bayerischen Pilgerbüro, der Deutschen Bahn und vielen anderen Stellen, die unabdingbar ist, um die vielen Tausend Fußwallfahrer über einen Zeitraum von drei Tagen gesund und sicher von Regensburg nach Altötting zu bringen.
Bischof Gerhard Ludwig erinnerte dabei auch an die größten Ereignisse in Meilers Amtszeit: im Jahr 2001 die Teilnahme des jetzigen Heiligen Vaters Papst Benedikt sowie die Jubiläumswallfahrt 2004 mit erstmals mehr als 10.000 Teilnehmern.
Margarete Richardi aus Pentling, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Bayern, wurde dafür geehrt, dass sie sich seit vielen Jahren für den Schutz des ungeborenen Lebens sowie für Frauen in Not einsetzt. In den ethischen Diskussionen der vergangenen Jahre um die Vorzüge und Gefahren der Pränataldiagnostik habe sie sich zu einer Fürsprecherin des behinderten ungeborenen Lebens gemacht und versucht, in der Gesellschaft das Bewusstsein für die Schutzbedürftigkeit des ungeborenen Lebens zu wecken und zu stärken. „Seit die katholischen Schwangerenkonfliktberatungsstellen in Deutschland auf Weisung Papst Johannes Pauls II. den Beratungsschein zur straffreien Abtreibung nicht mehr ausstellen und infolgedessen keinen formaljuristischen Anspruch mehr auf finanzielle Förderung durch den Staat haben, fordert Margarete Richardi beharrlich und mit Nachdruck die Gleichbehandlung der katholischen Beratungsstellen durch den Staat.“, so der Regensburger Bischof.
Professor Dr. Reinhard Richardi aus Pentling, Inhaber des Lehrstuhls für Arbeitsrecht und Sozialrecht, Bürgerliches Recht und Handelsrecht an der juristischen Fakultät der Universität Regensburg, wurde dafür gewürdigt, dass er sein umfassendes Fachwissen in die Kirche eingebracht hat, etwa als langjähriger Vorsitzender der von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Zentralen Gutachterstelle, die Gutachten über die Auslegung der Mitarbeitervertretungsordnung und der KODA-Ordnungen erstellt, oder jetzt als Präsident des kirchlichen Arbeitsgerichtshofes für die Bistümer im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz.
Mechthild Schwab aus Regensburg, Vorsitzende des Ortsvereins Regensburg des SkF, erhielt die besondere Auszeichnung dafür, dass sie sich für die Gründung dieser Ortsgruppe einsetzte, die nicht zuletzt durch ihre Initiative 1988 gegründet wurde. Unter ihrer Leitung leisten die Mitglieder des Vereins jährlich etwa 5000 Stunden unentgeltliche Arbeit für Frauen in Not. „Als langjähriges Mitglied im Caritasrat des Diözesan-Caritasverbandes Regensburg und mit ihrem privaten und pfarrlichen Engagement macht sich Mechthild Schwab darüber hinaus um den vielfältigen caritativen Dienst der Kirche von Regensburg verdient.“, würdigte Bischof Gerhard Ludwig ihren Einsatz für das Gemeinwohl.