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Podiumsdiskussion: Landwirtschaft zwischen Politik, Markt und Klimawandel
Landkultur heute
Amberg, 8. Juli 2026
Wie abhängig ist die Landwirtschaft heute von Politik, Markt und gesellschaftlichen Erwartungen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion „Landkultur! Wie abhängig ist der Bauer heute?“, zu der das Regensburger Bistumsblatt gemeinsam mit dem Bayerischen Bauernverband (BBV) und der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) Regensburg im Rahmen der Amberger Festwoche auf den Mariahilfberg eingeladen hatte. Die Veranstaltung fand bereits zum dritten Mal statt und brachte Vertreter aus Landwirtschaft, Kirche und Beratung miteinander ins Gespräch.
Ely Eibisch, stellvertretender BBV-Präsident der Oberpfalz, machte deutlich, dass die Landwirtschaft zunehmend unter politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stehe, die viele Betriebe vor große Herausforderungen stellten. Mit Blick auf die Diskussion um die EU-Agrarförderung erklärte er, es werde einen „Kompromiss bei der Kappung“ der Direktzahlungen geben. Ziel sei es, insbesondere kleinere und mittlere Familienbetriebe durch eine stärkere Förderung der ersten Hektare zu unterstützen. Zugleich verwies Eibisch auf die Herausforderungen durch internationale Konkurrenz und Freihandelsabkommen. Bayern als exportorientiertes Land müsse wirtschaftliche Zusammenhänge berücksichtigen, gleichzeitig brauche es tragfähige Lösungen für die heimische Landwirtschaft.
Wie regionale und saisonale Wertschöpfung gelingen kann, zeigte David Kugler vom Hutzelhof in Weißenberg auf. Unter dem Leitgedanken „Vom Acker bis zum Teller“ setzt sein Betrieb auf regionale Vermarktung, kurze Wege und enge Verbraucherbindung. „Das ist der Versuch, ein System wachsen zu lassen, das zu uns passt.“ Neben der landwirtschaftlichen Produktion gehören Hoffeste, Märkte sowie Felder- und Bäckereiführungen zum Konzept. Entscheidend sei jedoch, dass „die Leute bei uns kaufen“. Eibisch verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass lediglich sieben Prozent der Verbraucher bereit seien, „etwas mehr auszugeben“, während 93 Prozent vor allem „schauen auf die Preise“.
Christine Reitinger, Vorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung in der Diözese Regensburg, stellte den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft, Klimaschutz und Konsumverhalten heraus. Sie verwies darauf, dass der derzeitige Lebensstil pro Person jährlich 9,8 Tonnen CO₂ verursache und dieser Wert deutlich sinken müsse. Zugleich kritisierte sie die weltweite Lebensmittelverschwendung und warb für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln. Die KLB unterstütze dies unter anderem mit ihren Kursen „Klimafreundlich leben“.
Harald Staudinger, Leiter der Bäuerlichen Familienberatung der Diözese Regensburg, schilderte die Belastungen vieler landwirtschaftlicher Familien. Neben Generationenkonflikten beobachte er vor allem Frustration über politische Vorgaben und fehlende gesellschaftliche Wertschätzung. Viele Landwirte fühlten sich angesichts von Subventionspolitik und Regulierungen am „Gängelband der Politik“. Das führe zu Ärger, Unmut und teilweise auch Wut. Zugleich sprach Staudinger die Hoffnung aus, dass die bäuerlich geprägte Landwirtschaft in Bayern erhalten bleibe und Politik wie Gesellschaft wieder stärker das Gespräch mit den Landwirten suchten.
Zum Abschluss der Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass Landwirtschaft und Gesellschaft den Dialog intensivieren müssen. Während Christine Reitinger für eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln warb, formulierte David Kugler seine Vision der Landwirtschaft mit der Frage: „Wie sollte die Landwirtschaft in 50 Jahren anders sein als regional und saisonal?“
Die Podiumsdiskussion fand erneut im Franziskaner-Konvent auf dem Mariahilfberg statt und hat sich inzwischen als fester Bestandteil der Amberger Festwoche etabliert. Sie versteht sich als Ort des Austauschs zwischen Kirche, Landwirtschaft und Gesellschaft.
Foto: © Veit Neumann
(vn/jas)




