News Bild Patriarch Youssef I. aus Damaskus zu Gast im Bistum Regensburg
Patriarch Youssef I. aus Damaskus zu Gast im Bistum Regensburg

Arabisch-Katholisch in Bayern

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Regensburg, 30. Juni 2022

Die Regensburger Pfarrkirche St. Anton hörte am Donnerstagabend ungewohnte Klänge. Wolken von süß duftendem Weihrauch erfüllten den Kirchenraum und zahlreiche Gläubige waren gekommen, um ihr Kirchenoberhaupt willkommen zu heißen: Seine Seligkeit Patriarch Youssef I. Absi aus der syrischen Hauptstadt Damaskus. Der abendliche Gottesdienst bildete den Auftakt eines mehrtägigen Pastoralbesuches in Bayern mit Stationen in Regensburg, München, Eichstätt und Landshut. Das Oberhaupt der Melkitischen Griechisch-Katholischen Kirche, die seit 1724 mit dem Papst in Rom in Gebets-, Glaubens- und Sakramentengemeinschaft lebt, besucht zum ersten Mal die Bundesrepublik und den Freistaat Bayern. Begleitet wird er von Erzbischof Yasser Ayyash, Patriarchalvikar von Jerusalem, Archimandrit Abuna Shihade Abboud, Prokurator der melkitischen Kirche beim Heiligen Stuhl in Rom, und seinem Sekretär, Abuna Rami Wakim. Abuna Shihade Abboud ist übrigens der leibliche Bruder von Abuna Mayas Abboud, der seit fast zehn Jahren alle syrischen Katholiken in ganz Deutschland seelsorgerisch betreut und seinen Wohnsitz in Regensburg hat.

„Arabisch-Katholisch in Bayern“

Zur Begrüßung von Patriarch Youssef hatten sich Gläubige auf den Stufen des Portals von St. Anton versammelt, unter ihnen auch der Hausherr, Pfarrer Wolfgang Reischl, und Dr. Reinhold Then von „Christen helfen Christen im Hl. Land e.V.“. Das gesamte Abendgebet wurde in Arabisch verrichtet, Ausnahmen bildeten das aramäische „Amin“ und das griechische „Kyrie eleison“. Inbrünstig waren Gebet und Gesang der Gläubigen, für die in diesen Momenten die alte syrische Heimat gegenwärtig war. Der Segnung des Friedensbrotes durch den Patriarchen, der dem Abendgebet vorstand, folgten Worte des Dankes, die Abuna (Vater) Mayas ins Deutsche übersetzte. Als die ersten syrischen Flüchtlinge 2014 kamen, feierten sie Liturgie in der Wolfgangskrypta in Kumpfmühl. Dann kamen immer mehr und sie zogen um nach St. Anton. Besondere Worte des Dankes richtete Seine Seligkeit an Abuna Mayas, für dessen aufopferungsvollen Seelsorgeeinsatz, der ihn Woche um Woche zu melkitischen Gläubigen in ganz Deutschland führt. Auch Pfarrer Reischl wurde für die jahrelange Gastfreundschaft gedankt und Dr. Then für seine vielfältige Unterstützung. Dem Gebet folgte ein Abendessen mit syrischen Spezialitäten, „Heimat zum schmecken“, sozusagen. Am Freitag besucht der Patriarch München und wird u.a. Erzbischof Reinhard Kardinal Marx treffen. Am Samstag feiert er im Collegium Orientale in Eichstätt eine Pontifikalliturgie und am Sonntag in Landshut. Dienstag wird es verschiedene Programmpunkte in Regensburg geben, unter anderem ein Treffen von Youssef I. mit Bischof Rudolf Voderholzer.

„Die Kaisertreuen“

Der vollständige Name dieser drittgrößten katholischen Teilkirche ist Melkitische Griechisch-Katholische Kirche. Dabei bezieht sich das „griechisch“ auf den byzantinischen Ritus, die Art und Weise, wie die Liturgie gefeiert wird. Melkitisch kommt vom syrisch-aramäischen „malka“ (König), in der arabischen Sprache gibt es das Adjektiv „malakī“, das so viel wie „königlich“ oder auch „staatlich“ oder „kaiserlich“ bedeutet. Es bezeichnete schon früh jene Christen des Ostens, die in Treue zum byzantinischen Kaiser standen, der sich als Schutzherr der Christen im oströmischen Reich verstand. Im Jahre 1724 schloss der orthodoxe Patriarch von Antiochien eine Union mit Rom, was die Melkiten zu einem Teil der Katholischen Weltkirche werden ließ. Heutzutage ist der Libanon (7 Bistümer) und Syrien (4 Bistümer) das Hauptverbreitungsgebiet der Melkiten. Im Orient gibt es noch Diözesen in Ägypten, Israel, Jordanien sowie im Irak und Kuwait. Aber auch in der Emigration sind die Melkiten vertreten, so in Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Mexiko, USA und Venezuela. In Regensburg gibt es seit 2014/15 eine Gemeinde, der Abuna Mayas Aboud vorsteht. In ganz Westeuropa gibt es zahlreiche Gemeinden.

Seine Seligkeit, der Patriarch Joseph I.

Das Oberhaupt von rund 2,1 Millionen Melkitischen Christen im Heiligen Land und in Übersee ist seit 2017 Seine Seligkeit Youssef I. Absi SMSP, Patriarch von Antiochien und dem Ganzen Orient, von Alexandrien und von Jerusalem. Er ist Mitglied des Ordens der Missionsgesellschaft des heiligen Paulus (SMSP) und wurde 1946 in Damaskus geboren, mit 26 Jahren zum Priester und dann mit 55 Jahren zum Bischof geweiht. Er ist Nachfolger von Patriarch Gregorius III. Laham BS (*1933, Patriarch 2000 bis 2017), der im April 2016 seine syrischen Landsleute in Regensburg besuchte und mit ihnen auch eine Göttliche Liturgie (Heilige Messe im byzantinischen Ritus) feierte. Am kommenden Sonntag wird Patriarch Youssef, wie Joseph auf Arabisch heißt, mit den Gemeinden aus Landshut, Regensburg, München und Augsburg in St. Nikola in Landshut Liturgie feiern, die ebenfalls in Arabisch zelebriert wird. „Wahrhaft in der Liebe“ ist sein bischöflicher Wahlspruch, der in Griechisch und Arabisch sein Wappen ziert.

 

Text und Foto: Carl Prämassing/jas