St. Peter in Rom, stilisiert, Papst Leo XIV.

Papst Leo XIV. ein Jahr auf dem Stuhl Petri

„Der Friede sei mit euch allen!“


Rom / Regensburg, 9. Mai 2025

Seine ersten Worte als Papst sind zugleich ein weltumspannendes Programm: „Der Friede sei mit euch allen!“ Seit einem Jahr ist der US-Amerikaner Kardinal Robert Prevost als Papst Leo XIV. der Hirte der westlichen Christenheit. Der römische Apostelsitz in Rom wird verwaltet und gestaltet durch einen Augustinermönch, der die Brücke zwischen den Industrienationen und dem Globalen Süden in seiner Person verkörpert, der rund drei Jahrzehnte in einer der ärmsten Regionen Südamerikas den Dienst der Verkündigung tat – wer dem Kardinalkollegium Weitblick bescheinigt und hier auch das Wirken des Heiligen Geistes sieht, der geht wahrscheinlich nicht fehl.

Nach Meinung der internationalen katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio wurde Robert Prevost „in einer der schwierigsten Zeiten der modernen Geschichte zum Oberhaupt der Kirche gewählt". Er habe von seinen ersten Worten an gewusst, „wie wichtig es ist, Frieden als unerlässlicher Voraussetzung für das Leben und die Entwicklung der Völker und für den Schutz der Schwächsten und Ärmsten, der ersten Opfer so vieler andauernder Kriege, höchste Priorität einzuräumen", so die Gemeinschaft Sant'Egidio, die international auch als Friedensvermittlerin in Konflikten in Erscheinung tritt.

Frieden sei „ein zentrales Thema für einen europäischen Kontinent, der seit fünf Jahren mit dem Krieg in der Ukraine sowie den Folgen der Konflikte im Nahen Osten und, in jüngster Zeit, am Golf zu kämpfen hat", schreibt der Rat der Europäsichen Bischofskonferenzen (CCEE) in einer Würdigung. Der Papst sei mit den großen Herausforderungen in Europa vertraut. Das erste Pontifikatsjahr habe gezeigte, dass Leo XIV. Europa nicht als bloßes institutionelles Konstrukt betrachte, sondern „als historische Einheit mit globaler Verantwortung, als eine Gemeinschaft von Völkern, die aufgerufen sind, die Bedeutung ihrer Berufung zum Frieden neu zu entdecken, die Würde des Menschen zu verteidigen und den Dialog zu fördern".

Ein Hirte für die Weltkirche 

Als „besonnenen und somit umso stärkeren Verkünder des Friedens“, dessen Stimme „weit über die Grenzen der Kirche hinaus“ gehört wird, würdigte der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Franz Lackner, Papst Leo XIV. Der US-Amerikaner Robert Francis Prevost scheue sich nicht, „die Botschaft Christi gerade auch den vermeintlich Mächtigen vorzustellen“, so der Salzburger Erzbischof. Er hob zudem die weltkirchliche Erfahrung des Papstes hervor und sprach von einem „Mann des Evangeliums und der Wahrheit“. Leo XIV. setze „kleine Gesten“ mit großer Wirkung. Seine Stimme, „die er im Namen Gottes erhebt“, sei in einer „lauten und polternden Welt“ zu jener „der Menschheit und Menschlichkeit geworden“. Zwar sei auch die Stimme des Papstes nur „eine einzelne, leise Stimme in einer lauten und polternden Welt, doch sie wird gehört“.

Missio Österreich-Nationaldirektor Pater Karl Wallnerhob hervor, der Papst kenne die unterschiedlichen Mentalitäten, Geschwindigkeiten und Akzentsetzungen innerhalb der Weltkirche aus seiner Tätigkeit als Missionar in Peru und von Besuchen in Afrika in seiner Zeit als Ordensoberer. Diese Erfahrungen machen ihn zu einem „unaufgeregten Verkünder der Substanz des Evangeliums und der 2.000-jährigen Glaubenstradition der Kirche“, so der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich. Der US-Amerikaner Prevost habe im ersten Pontifikatsjahr gezeigt, „dass Frieden nicht zuerst eine politische Formel ist, sondern eine Haltung des Herzens, die aus dem Evangelium kommt“, betonte auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer.

Theologische Würdigungen

Der Historiker Volker Reinhardt sieht Papst Leo XIV. mit seiner zurückhaltenden und ausgleichenden Art in einer langen Tradition. „Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wurden kompromissfähige Persönlichkeiten gewählt, die nicht marktschreierisch auftraten und nicht schrill agierten“, sagte Reinhardt im Gespräch mit dem Portal „communio.de“. Vor Hintergrund der Weltlage könne Leo XIV. „vielleicht als ehrlicher Makler auftreten“, so der Papsttums-Experte, der bis 2024 als Professor für Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit in Fribourg gelehrt hat. Diese Rolle traue er dem Papst deswegen zu, weil das Papsttum „eine Mitte zwischen Raubtierkapitalismus einerseits und Kommunismus andererseits“ halte und spätestens seit Papst Johannes XXIII. (1958-1963) für „humanitäre Werte“ einstehe. Auch im Blick auf die Fortführung des von Franziskus begonnenen Synodalen Prozesses zeigte sich der Historiker überzeugt, dass dieser Weg unter Leo ein vorsichtiger und zurückhaltender sein werde.

„Alles, was er von sich gibt, wirkt sehr durchdacht und schlüssig“, urteilt der Kirchenhistoriker Jörg Ernesti, der sich überrascht zeigte, wie bedächtig und reflektiert der Papst sein Amt angehe. Dem Papst sei es aus seiner Sicht ein Anliegen, den Konsens über die Erneuerung der Kirche auf möglichst breite Füße zu stellen und alle mitzunehmen. Der Münsteraner Theologe Christian Bauer bezeichnete Papst Leo als besonnenen Reformer, „der die Kunst subtiler, aber nachhaltiger Systemveränderung zu beherrschen scheint“.

Weltweit spirituell wirksam

Christen seien im Herzen der Welt gegenwärtig, „nicht um nach Macht zu streben, sondern um der Menschheit in Demut und Liebe zu dienen“, betonte der Präsident der vietnamesischen Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Nguyen Nang, der die Hoffnung äußerte, der Papst möge eines Tages Vietnam besuchen. Leo XIV. sei kein Politiker, sondern ein Wegweiser im Glauben, der die Gläubigen in aller Welt einlade, nach den evangelischen Werten von Gerechtigkeit und Frieden zu leben. „Wir beten, dass der Herr den Heiligen Vater weiterhin segnen und ihm reichlich beistehen möge, damit er in seiner Mission als Nachfolger Petri stets standhaft wandelt und ein Zeichen der Einheit, eine Quelle der Hoffnung und ein Werkzeug des Friedens für die ganze Welt wird“, sagte Erzbischof Joseph Vu Van Thien von Hanoi, einer Diözese im Norden Vietnams. 

Die steirische Caritas-Direktorin Nora Tödtling-Musenbichler merkte an, der Augustiner Prevost sei „ruhig und mit Bedacht“ den Weg von Franziskus weitergegangen, habe aber auch neue Akzente gesetzt: „Im ersten großen Schreiben ,Dilexi te‘ hat er an seinen Vorgänger angeschlossen, mit einem klaren Aufruf zu Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit und Solidarität“, so Tödtling-Musenbichler. Papst Leo zeige sich bisher stärker im Dialog und gehe nicht so sehr in Konfrontation, er versuche gleichzeitig, sowohl Tradition als auch Fortschritt im Blick zu haben. Besonders wichtig sei Leos entschiedenes Eintreten für den Frieden. „Gerade die letzten Wochen mit ihren Spannungen haben gezeigt, dass sich der Heilige Vater ganz dem Evangelium verbunden weiß und sich daraus unaufgeregt der Botschaft des Friedens verpflichtet sieht. Er hat eine Klarheit, die gut tut und manchmal auch Reibung erzeugen kann", hob der steirische Weihbischof Johannes Freitag hervor, der dem Papst „eine tiefe, geerdete Spiritualität" und eine „heitere Gelassenheit" zuschreibt.

Papstwahl vor einem Jahr

Der heute 70-jährige Leo XIV. ist der erste US-Amerikaner und zugleich der erste Angehörige des Augustinerordens im Papstamt. Vor seiner Wahl leitete Prevost die vatikanische Behörde für Bischöfe. Zuvor war er unter anderem Generalprior des Augustinerordens sowie Bischof der peruanischen Diözese Chiclayo. 2023 holte ihn Franziskus in die römische Kurie. Prevost wurde am zweiten Tag des Konklaves im vierten Wahlgang zum neuen Papst gewählt und nahm den Namen Leo XIV. an. Die feierliche Amtseinführung von Papst Leo XIV. erfolgte am 18. Mai 2025.

Text: Vatican News / sig

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