News Bild Ohne Pillen und Drogen sauber drauf! - Neues Caritas-Projekt „mindzone“ sorgt für unaufgeregte Drogeninformation auf Partys und Festivals / Bisher schon über 1000 Jugendliche bisher erreicht

Ohne Pillen und Drogen sauber drauf! - Neues Caritas-Projekt „mindzone“ sorgt für unaufgeregte Drogeninformation auf Partys und Festivals / Bisher schon über 1000 Jugendliche bisher erreicht

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„Ihr seid die Pillenleute, oder?“ So werden Caritas-Suchtberaterin Celine Schulz-Fähnrich und ihr Team von „mindzone“ häufig angesprochen. Die Gruppe von mindzone Regensburg klärt auf Festivals und in Clubs Jugendliche und junge Erwachsene zu den Gefahren von Drogen auf. mindzone Regensburg läuft unter dem Dach der Caritas Regensburg und wird durch das bayerische Gesundheitsministerium finanziert.
 
Die Beats dröhnen aus riesigen Boxen. Bemalte Gesichter, Becher mit Bier und Longdrinks gefüllt und eine ausgelassene Partystimmung – der Festivalsommer hat die Region im Griff. Das Festival „Zuckerbrot & Peitsche“ auf dem Areal des Schloss Pürkelgut ist eines davon und mittendrin: das Caritas-Zelt von mindzone Regensburg. Celine Schulz-Fähnrich ist Suchtberaterin an der Caritas-Fachambulanz Regensburg und die Projektleiterin. „Wir sind keine Spaßverderber, wir möchten den jungen Leuten nur zeigen, welche Gefahren hinter Drogen stecken und wo sie besonders aufpassen müssen“, so die Suchtexpertin. Unter dem Motto „sauber drauf“ werden Betroffene zu sicherem Konsum informiert.
 

Gleichaltrige helfen sich untereinander

Ecstasy, Meth, neue psychoaktive Substanzen – für den Kick beim Feiern ist jedes Mittel recht. Besonders auf Festivals und im Nachtleben konsumieren junge Leute Drogen – freiwillig oder auch aus Unwissenheit. Hier setzt mindzone an. Das Projekt war ursprünglich eine Initiative von jungen Partygängern, die 1996 in München entstanden ist. Die jungen Leute wollten ihre Altersgenossen – besonders in der damals neuen Techno-Szene – über Drogen und deren Wirkung informieren. Und wo hätte man das besser machen können, als direkt in den Clubs und auf den Weggeh-Meilen. Mittlerweile ist mindzone an sieben Standorten in Bayern vertreten und im gesamten Freistaat aktiv.

Regensburg ist seit Anfang des Jahres ein mindzone-Standort und wird von der Suchthilfe der Caritas Regensburg getragen. Neben zwei hauptamtlichen Teilzeitkräften arbeiten über 15 freiwillige Peers (englisch: „Gleichaltrige“) mit. Oleg und Theresa sind zwei davon. Die meisten mindzone-Ehrenamtlichen sind Studierende der Sozialen Arbeit oder der Pädagogik. Oleg (25) ist hier eine Ausnahme: der Straubinger arbeitet als Ingenieur bei einer Automobilfirma und kam über seine Freundin zur Gruppe um Schulz-Fähnrich. „Mir war es einfach wichtig, dass jeder junge Mensch weiß, was Drogen mit dem eigenen Körper machen können“, sagt er. Für Oleg und Theresa (22) war es ein totaler „Wow-Effekt“, dass die Caritas ein solches Projekt unterstützt. „Viele Standbesucher wissen nicht um die Angebote der Caritas. Sie ist in Regensburg schon seit fast 90 Jahren auch in der Alkohol- und Drogenberatung aktiv“, so Celine Schulz-Fähnrich. Zur Beratungspalette der Caritas-Suchthilfe gehören auch die Glücksspiel- und Computersucht. 

 

In wenigen Wochen viel erreicht

Das mindzone-Zelt ist etwa zwölf Quadratmeter groß. Während des gesamten Tages findet man kaum einen freien Platz im Pavillon. Neben der Aufklärung über Drogen bieten die mindzone-Mitarbeiter auch Obst, Give-aways wie Ohrenstöpsel oder Traubenzucker und selbstklebende Glitzertattoos. Dabei kommt man miteinander ungezwungen ins Gespräch. Hast du schon mal Drogen genommen? Welche Drogen kennst du? Weißt du, was in deinen Drogen drinnen ist? „Wir möchten die Leute nicht bloßstellen oder sie umerziehen. Sie sollen nur wissen, was sie tun, wenn sie sich für den Konsum entscheiden“, fasst Schulz-Fähnrich ihre Arbeit zusammen. In den Gesprächen merken die mindzone-Leute schnell, welcher Besucher „drauf ist“ und wer nicht. „Die Standbesucher sprechen ganz offen über ihren Konsum“, so Schulz-Fähnrich.

Am Stand ist aber für jede Gruppe etwas dabei. Jugendliche, die noch nie Drogen konsumiert haben, werden in ihrem Standpunkt bestärkt. Andere, die hin und wieder etwas probieren, erhalten Informationen zu Sucht- und Abhängigkeitsverhalten. „Bei vielen jungen Menschen stellt die Drogeneinnahme eine zeitlich begrenzte Phase dar, so dass es meist bei einem Probierkonsum bleibt“, so Schulz-Fähnrich weiter. 

 

Drogen sind keine Lutschbonbons

„Zuckerbrot & Peitsche“ ist für Anna (19) das erste Festival überhaupt. Als Schulz-Fähnrich ihr den Ordner mit den aktuellen Pillenneurungen zeigt, ist die junge Studentin schockiert. „Die meisten sehen ja aus wie Lutschbonbons“, stellt Anna fest. Tatsächlich haben diese Tabletten ansprechende Aufdrucke und Logos. „Das reicht vom Chupa Chups- bis zum Facebook-Logo. Durch die bunten Designs wird verharmlost und unerfahrene Konsumenten laufen in die Falle“, so die Caritas-Suchtberaterin. Anna hatte bisher noch nie Kontakt zu Drogen und wird in Zukunft noch besser darauf achten, dass das auch so bleibt.
 
„Zuckerbrot & Peitsche“ ist bereits das dritte Festival, auf dem mindzone Regensburg mit einem Infostand vertreten ist. Zuvor wurde die „Love Island“ in Bad Abbach und „Sky and Sand“ in Amberg besucht. Bis zum Ende des Jahres sind Peers noch auf drei weiteren Musikfesten und diversen Clubevents präsent. Binnen weniger Wochen konnten so mehrere tausend junge Festival-Besucher erreicht und beraten werden. Manche Partygänger besuchen das mindzone-Zelt auf mehreren Festivals. „Mittlerweile haben wir schon einige Stammgäste“, freut sich die mindzone-Chefin. Am 15. August ist mindzone Regensburg wieder unterwegs, auf dem Open Air Fest „Himmel Fahrts Kommando“ am Eckert Beach in Regenstauf.

 

Zusatz-Stück:

mindzone Regensburg startete zu Beginn dieses Jahres. Die Peer-Gruppe gibt es seit diesem Frühjahr. Die Gruppe um Caritas-Suchtberaterin Celine Schulz-Fähnrich berät Jugendliche und junge Erwachsene zum Thema Drogenkonsum. Bei schwerem Konsumverhalten oder auch bei anderen Problemen greift die Vernetzung der verschiedenen Caritas-Dienste. Betroffene können über Celine Schulz-Fähnrich und ihr Team auch direkten Kontakt zu den Sucht- und Sozialberatungsstellen des Diözesan-Caritasverbandes Regensburg erhalten.


Mehr Informationen oder Interesse als Peer bei mindzone tätig zu sein? Dann besuchen Sie einfach die Facebook-Seite: www.facebook.com/mindzonergbg. 
Weitere Informationen zum Projekt „mindzone“ in Bayern gibt es im Netz auf www.mindzone.info